Skip to main content
main-content

28.04.2015 | Warzen | Nachrichten

Retrospektive Analyse

Warzen bei Kindern zu Leibe rücken?

Autor:
Dr. Christine Starostzik

Zwei Drittel aller Warzen bei Kindern verschwinden innerhalb von zwei Jahren, unabhängig davon, ob sie behandelt werden oder nicht. Dieses Ergebnis sollte in die Überlegungen, ob eine Warze therapiert werden soll, einbezogen werden, meinen die Autoren einer US-Studie.

Warzen bei Kindern sind häufig. Die Prävalenz liegt bei 5–10%. Bei immunkompetenten jungen Patienten gelten die kleinen benignen Hauttumoren allgemein als harmlos. Zudem neigen sie dazu, auch ohne Therapie innerhalb von Monaten oder Jahren wieder zu verschwinden. Da Warzen dennoch zuweilen stören, begegnet man ihnen mit verschiedenen topischen Behandlungen und anderen lokalen Maßnahmen. Beweise über deren Wirksamkeit sind allerdings rar.

In einer retrospektiven Analyse haben Anne Kuwabara und Kollegen von der John Hopkins University in Baltimore jetzt an 214 Kindern zwischen 0 und 17 Jahren den Verlauf nach einer „Warzendiagnose“ verfolgt und untersucht, welche Einflussfaktoren möglicherweise eine Rolle bei der Heilung gespielt hatten. Dabei wurden die Eltern mehrfach per Telefon befragt.

Bei rund 54% der Kinder waren die Warzen an den Händen, bei 28% im Kopf- und Halsbereich lokalisiert (insgesamt meist weniger als fünf Läsionen und jeweils nur in einer Körperregion). 95% der Patienten erhielten eine Therapie, am häufigsten wurden Salizylsäure, eine Kryotherapie oder eine Klebebandokklusion eingesetzt. Nebenwirkungen wie Irritation, Schmerz und Narbenbildung waren dabei keine seltenen Ereignisse (13,6%).

Heilung mit oder ohne Behandlung

Dass die jeweiligen Behandlungsmaßnahmen für das Verschwinden der Warzen verantwortlich waren, ist aus den Ergebnissen der Studie nicht erkennbar. Bei 16% der behandelten Kinder waren die Warzen nach einem halben Jahr komplett abgeheilt, aber auch bei 36% der unbehandelten. Nach zwölf Monaten zeichnete sich ein Verhältnis von 39% vs. 46% ab.

Insgesamt waren 65% der Kinder, unabhängig von einer Behandlung, spätestens nach zwei Jahren warzenfrei, 80% innerhalb von vier Jahren.

Bei der Analyse der Begleitumstände fiel auf, dass Warzen bei Kindern mit Infektionen in der Vorgeschichte (Odds Ratio, OR 1,8) oder mehreren befallenen Körperbereichen (OR 1,3) signifikant häufiger länger als zwei Jahre präsent waren.

In die Entscheidung für oder gegen eine Warzenbehandlung müssten Aspekte wie das Immunsystem des Patienten, die Harmlosigkeit der Erkrankung, der fragliche Erfolg einer Behandlung, mögliche Nebenwirkungen sowie die anfallenden Kosten einbezogen werden, so Kuwabara und Kollegen. Aus den Ergebnissen ihrer Studie ziehen sie jedenfalls den Schluss, dass es sinnvoll sei, bei den meisten Kindern auf aggressive Maßnahmen zur Entfernung von Warzen zu verzichten und diese lieber zu beobachten.

Allerdings werde die Aussagekraft ihrer Studie, so die Autoren, u. a. durch die kleine Patientenzahl ohne Behandlung sowie das gewählte Studiendesign in Form von Telefoninterviews limitiert. In größeren kontrollierten Langzeitstudien sollten ihrer Meinung nach jetzt vor allem die Einflussfaktoren auf die Abheilung besser untersucht werden, um Kinder mit höherem Risiko für besonders lange Prozesse früh zu erkennen und ggf. zu behandeln. Außerdem sollten Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener Warzentherapien direkt miteinander verglichen werden.

Literatur