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26.08.2015 | Warzen | Nachrichten

Therapie mit Stickoxid

Saures Nitrit setzt Genitalwarzen zu

Autor:
Thomas Müller

Die Kombination von Nitrit und Zitronensäure eignet sich offenbar zur Therapie gegen Genitalwarzen: In einer placebokontrollierten Studie wurde damit knapp ein Drittel der Patienten die Warzen los.

Schneiden, lasern, wegfrieren oder wegätzen – gegen Anogenitalwarzen gibt es eine Vielzahl von Therapien, die entweder oft sehr schmerzhaft und aufwändig sind oder wenig nützen. Auf der Suche nach einer schonenden und zugleich effektiven Therapie haben es Dermatologen um Dr. Anthony Ormerod nun mit saurem Nitrit versucht, das in zwei Komponenten auf die Warzen gestrichen wird: eine Creme mit Natriumnitrit, eine andere mit Zitronensäure. Die Idee dahinter: Bei niedrigem pH-Wert zerfällt Nitrit in Stickoxide. Vor allem für Stickstoffmonoxid (NO) ließen sich antimikrobielle, antivirale und immunstimulierende Wirkungen nachweisen. Diese sollten nach Vorstellung der Studienärzte auch den Genitalwarzen zusetzen. Bei anderen Hauterkrankungen wie Fußpilz und bei Wundinfektionen schien saures Nitrit in Studien eine gewisse Wirkung zu haben. 

Keine Rezidive beobachtet

Für ihre europaweite Untersuchung konnten die Forscher 40 Zentren und knapp 300 Patienten gewinnen. Im Schnitt hatten die Patienten jeweils rund zehn Genitalwarzen. Die Teilnehmer wurden in vier gleich großen Gruppen über drei Monate hinweg behandelt. Die erste Gruppe trug zweimal täglich zwei verschiedene Placebocremes auf. Damit wurden 14% innerhalb von drei Monaten ihre Warzen los. In der zweiten Gruppe bekamen die Patienten eine niedrigdosierte Nitritcreme (3%) und eine niedrigdosierte Zitronensäurecreme (4,5%). Nur unwesentlich mehr, nämlich 15% der Patienten, waren nach zwölf Wochen warzenfrei. Mit 6% Nitrit und 9% Zitronensäure gelang dies immerhin 23%, und mit 9% Nitrit und 9% Zitronensäure verschwanden die Warzen bei 31% der Patienten.

In der vierten Gruppe mit der hohen Dosierung war der Unterschied zu Placebo statistisch signifikant. Insgesamt konnten unter der hohen Dosierung also mehr als doppelt so viele Patienten warzenfreie Hintern und Genitalien vorweisen, auch verschwanden die Wucherungen signifikant schneller als unter der Scheinmedikation.

Nach weiteren drei Monaten war es zu keinen Rezidiven bei den 63 Patienten gekommen, die zu einem Nachuntersuchungstermin erschienen waren. 

Juckreiz, Schmerz und Brennen

Allerdings traten unter der Behandlung mit saurem Nitrit auch häufig Nebenwirkungen auf. Einen Juckreiz an den behandelten Warzen verspürten 38% in der Gruppe mit der höchsten Wirkstoffdosierung, 14% waren es mit Placebo. Auch Schmerzen traten dosisabhängig öfter auf (21 versus 14%), ebenso wurden häufiger Brennen (28 versus 10%), Erytheme (12 versus 3%) und Ödeme (16 versus 3%) registriert. Insgesamt brachen 21 Patienten in den drei Gruppen mit aktiver Behandlung die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab, jedoch keiner unter Placebo. Schwere unerwünschte Wirkungen, die sich auf die Behandlung zurückführen ließen, wurden in keiner der vier Gruppen beobachtet.

Die Dermatologen um Ormerod sehen in ihren Studiendaten einen guten Beleg für die Wirksamkeit von saurem Nitrit. Da sich im Studienverlauf kein Plateau erkennen ließ, sei das Optimum bei der Therapiedauer wohl noch nicht erreicht worden. Man könne folglich hoffen, dass bei noch längerer Behandlung noch mehr Patienten warzenfrei würden. Von der Wirksamkeit her sei saures Nitrit durchaus mit anderen Therapeutika wie Imiquimod zu vergleichen, sofern man auch die Rezidivrate mit einbeziehe. Allerdings scheint die Behandlung mit Blick auf die Nebenwirkungen auch nicht wirklich sanfter zu sein.

Literatur