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03.04.2018 | UV- und Sonnenschutz | Nachrichten

UV-Schutz in Deutschland

Gezielte Präventionskampagnen für Hochrisikogruppen gefordert

Autor:
Dr. Christine Starostzik

Besonders ausgiebig und ohne Schutz setzen sich der prallen Sonne in Deutschland vor allem junge Menschen, Männer sowie Personen mit niedrigem Bildungsstand oder Migrationshintergrund aus. Damit steigen deren spätere Risiken etwa für ein Basalzellkarzinom oder ein malignes Melanom. Möglicherweise mangelt es diesen Gruppen vor allem an zielgerichteter Information.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Weltweit steigt die Zahl der Melanompatienten unter der kaukasischen Bevölkerung – auch in Deutschland. In einer populationsbasierten Studie, beruhend auf der Datenerhebung zu National Cancer Aid Monitoring on Sunbed Use (NCAM) haben Tatiana Görig von der Universität Heidelberg in Mannheim und Kollegen untersucht, wie Menschen ihre Haut hierzulande üblicherweise vor zu viel UV-Strahlung bewahren. Dazu befragten die Studienautoren von Oktober bis Dezember 2015 insgesamt 3000 Einwohner Deutschlands telefonisch.

Lieber Hemd als Hut

Insgesamt gaben rund 92% der Befragten an, sich mindestens durch eine Maßnahme vor der Sonne zu schützen. Am häufigsten nannten die Studienteilnehmer das Tragen langärmeliger Kleidung (53,9%), eine Kopfbedeckung gaben dagegen nur 17,9% zu Protokoll. Etwa jeder zweite Befragte bedeckte oft oder immer die Schultern, trug eine Sonnenbrille oder suchte nach einem Schattenplatz, wenn er sich an einem Sommertag länger als zehn Minuten in der Sonne aufhielt. Nur vier von zehn Personen nutzten beim Aufenthalt im Freien Sonnenschutzmittel.

Am sorglosesten hinsichtlich des Sonnenschutzes waren dabei folgende Gruppen:  Männer, Befragte zwischen 14 und 25 Jahren, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Personen mit geringer Schulbildung.

Fürsorglicher gegenüber ihrer Haut verhielten sich dagegen Frauen (Odds Ratio, OR 1,62). 51% von ihnen nutzten Sonnenschutzmittel und blieben im Schatten, gegenüber 43% bei den Männern. Einen besseren Schutz wählten auch Menschen mit höherem Bildungsstand (OR 1,27), Personen, die bereits als Kind Sonnenbrände erlitten hatten (OR 1,33), oder Studienteilnehmer, die auf gesunde Ernährung achteten (OR 1,64).

Trotz ihres umsichtigen Verhaltens waren unter denjenigen, die die Sonne zur Hautbräunung nutzten, vorwiegend Frauen (OR 1,42), aber auch Menschen unter 35 Jahren und solche mit niedrigem Bildungsstand sowie Raucher (OR 1,50) und Solariumsbesucher (OR 5,24).

Fazit der Autoren

Da individuelle Sonnenschutzmaßnahmen leicht umzusetzen sind und einen wirksamen UV-Schutz bieten, sollten Kampagnen zur Hautkrebsprävention in Deutschland stärker auf die besonders gefährdeten Personengruppen wie junge Erwachsene, Männer, Personen mit niedrigem Bildungsstand und Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sein.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie schützen sich Menschen zwischen 14 und 45 Jahren während der Sommermonate in Deutschland vor der Sonne?

Antwort: Folgende Risikogruppen für eine hohe UV-Belastung wurden identifiziert: junge Männer, Personen mit niedrigem Bildungsstand oder mit Migrationshintergrund.

Bedeutung: Die Kenntnis des UV-protektiven Verhaltens ermöglicht die Entwicklung gezielter Maßnahmen für besonders gefährdete Personengruppen.

Einschränkung: Aufgrund des Studiendesigns ist Kausalität nicht automatisch gegeben. Zudem basieren die Daten auf Selbstauskünften.


Literatur
Bildnachweise