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01.03.2014 | Topische Behandlung | Übersichtsartikel | Onlineartikel

Topische Therapie von Infektionen, Hauttumoren und Hyperkeratosen

aus: Der Hautarzt 3/2014

Zeitschrift:
Der Hautarzt

Autoren: A. Messerschmidt, K. Schultheis, Prof. Dr. F. Ochsendorf

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

Abstrakt

In dieser Übersicht werden die Inhaltsstoffe, die zur topischen Behandlung von Hautinfektionen, Hauttumoren und Hyperkeratosen verwendet werden können, dargestellt. Es werden spezifisch wirkende topische Antimykotika, Antibiotika, Antiseptika, Virustatika, Antiparasitika, Diclofenac in Hyaluronsäure, 5-Fluoruracil, Imiquimod, Ingenolmebutat, Bexaroten, Mechlorethamin, Bis-Chlorethyl-Nitroso-Urea, Alitretinoin, Silikongel, Salicylsäure und Harnstoff bezüglich ihrer Wirkungen, Indikationen und Nebenwirkungen besprochen.
Die Therapie von Infektionen, Hauttumoren und Hyperkeratosen stellt den Dermatologen immer wieder vor neue Herausforderungen. Zur Anwendung kommen topische Antimykotika, topische Antibiotika, topische Antiseptika, topische Virustatika und lokale Antiparasitika, die im Folgenden hinsichtlich ihrer Wirkungen, Indikationen und Nebenwirkungen vorgestellt werden.

Topische Therapie von Infektionen

Prinzipiell sind großflächige und mit Allgemeinsymptomen einhergehende Infektionen der Haut systemisch zu behandeln. Umschriebene Infektionen, lokal begrenzte Sekundärinfektionen, aber auch Kolonisationen mit pathogenetischem Charakter sind für eine topische Therapie hingegen gut zugänglich ( Abb. 1, [ 6, 14, 20]).

Topische Antimykotika

Eine genaue Diagnostik mit Nativpräparat und Pilzkultur stellt die Voraussetzung für eine erfolgreiche antimykotische Lokaltherapie dar. Die für die Anwendung verfügbaren Wirksubstanzen lassen sich je nach Wirkprinzip in die nachfolgend aufgeführten Gruppen einteilen ( Tab. 1, [ 21]).
Tab. 1
Wirkspektrum einzelner topischer Antimykotika. (Verändert nach [ 4])
Substanz
Wirkspektrum
Dermatophyten
Hefen
Schimmelpilze
Allylamine
Naftifin
+
Terbinafin
+
Hydroxypiridone
Ciclopirox
+
+
+
Imidazole
Bifonazol
+
+
+
Clotrimazol
+
+
+
Morpholine
Amorolfin
+
Polyene
Nystatin
+

Hemmstoffe der Ergosterolbiosynthese

Der Einsatz von Hemmstoffen der Ergosterolbiosynthese führt zu einem gestörten Aufbau der Zellmembran. Zu nennen sind Azole (Imidazole und Triazole), Allylamine und Morpholine. Azole (z. B. Clotrimazol, Miconazol, Econazol) besitzen ein breites Wirkspektrum. Sie wirken fungistatisch auf Dermatophyten, Hefen und Schimmelpilze. Interessanterweise hemmen manche Imidazole auch die Vermehrung diverser Gram-positiver Bakterien. Durch diese Veränderung der Standortflora wird bei einem entsprechenden feuchten Lokalmilieu die Vermehrung Gram-negativer Erreger erleichtert, und es kann ein „Gram-negativer Fußinfekt“ resultieren. Allyle (z. B. Terbinafin) wirken fungizid, da ihr Einsatz zur Anreicherung von Squalen führt, das für Pilzzellen toxisch ist. Ihr Wirkspektrum umfasst vor allem Dermatophyten, weniger Hefen und Schimmelpilze. Terbinafin hat von allen Substanzen die geringste Hemmkonzentration.

Antimykotisch wirksame Antibiotika

Polyene (Amphotericin B, Nystatin und Natamycin) werden insbesondere bei Candidainfektionen der Haut und Schleimhäute eingesetzt.
Die Pyridone (z. B. Ciclopiroxolamin) wirken fungizid und zudem sporozid. Sie können synergistische Effekte zu Hemmern der Ergosterolbiosynthese entfalten und sind gleichermaßen wirksam auf Dermatophyten, Hefen und Schimmelpilze. Ciclopiroxolamin zeichnet sich durch eine besonders hohe Penetrationsfähigkeit aus.
Tolnaftat gehört zu den Thiocarbamaten. Seine Wirksamkeit beschränkt sich auf Dermatophyten.
Intertriginös sollten in erster Linie Pasten angewandt werden. Es stehen jedoch auch Cremes, Gele und Lösungen zur Verfügung. Die Anwendung erfolgt je nach Wirkstoff bzw. der verwendeten Galenik 1- bis mehrmals täglich. In der Regel werden 2-mal tägliche Anwendungen empfohlen, bei Bifonazol und Terbinafin die 1-mal tägliche Applikation. Eine Kombination mit topischen Glukokortikoiden erscheint nur bei ausgeprägter Entzündung oder Juckreiz über wenige Tage sinnvoll. Aufgrund der rascheren Besserung der Beschwerden kann durch diese Kombinationstherapie allerdings die Compliance erhöht werden. Die Lokalbehandlung bei Tinea pedis sollte zur Vermeidung von Rezidiven über die klinische Heilung hinaus fortgesetzt werden (1 bis 2 Wochen). Die Therapie der Pityriasis versicolor sollte immer in Form einer Ganzkörperbehandlung erfolgen (z. B. mit Econazol- oder Ketoconazol-haltigen Lösungen oder Shampoos). Neben unspezifischen lokalen Reizungen werden gelegentlich Azol-Kontaktallergien beobachtet.
Ein feuchtwarmes Mikroklima sollte durch beispielsweise Einlage von Leinenläppchen vermieden werden. Auch die Therapie von Durchblutungsstörungen kann der Entstehung der Tinea pedis vorbeugen. Bei Nachweis zoophiler Erreger sollte eine entsprechende Behandlung des übertragenden Tiers, bei anthropophilen des Überträgers erfolgen. Zur Prophylaxe empfiehlt sich das Tragen von Schutzschuhen in öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmbädern oder Hotels.

Topische Antibiotika

Umstritten ist der Einsatz topischer Antibiotika aufgrund der potenziellen Entwicklung von Resistenzen der Mikroorganismen sowie von Sensibilisierungen, die eine folgende systemische Anwendung der Substanz ausschließen. Da auch andere antimikrobielle Wirkstoffe zur Verfügung stehen (s. Antiseptika), sollte der Einsatz antibiotikahaltiger Externa restriktiv erfolgen. Wenn man sich für eine topische antibiotische Therapie entscheidet, sollten in erster Linie Substanzen verwendet werden, die ausschließlich topisch appliziert und nicht systemisch verwendet werden ( Tab. 2). Die Ergebnisse eines Antibiogramms sind für die topische Therapie prinzipiell nicht aussagekräftig, da die erreichten Wirkstoffkonzentrationen erheblich über den systemischen liegen. Eine Ausnahme ist die in vitro nachgewiesene Mupirocin-Resistenz, da hier eine Eradikation Methicillin-resistenter Staphylokokken (MRSA) der Nase nicht gelingt.
Der Einsatz antibiotikahaltiger Externa sollte restriktiv erfolgen
Tab. 2
Topische Antibiotika
Wirkstoff
Clindamycin
Erythromycin
Fusidinsäure
Gentamycinsulfat
Metronidazol
Mupirocin
Oxytetrazyklin-HCl
Retapamulin 1 %
Sulfadiazin-Silber
Wirkprinzip
Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese
Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese
Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese
Aminoglykoside binden an 30 S-Untereinheit der 70 S-Ribosomen und hemmen Proteinbiosynthese
Hemmung der Nukleinsäuresynthese von anaeroben Bakterien und Protozoen
Hemmung RNA-Synthetase; bakteriostatisch
Tetrazykline binden an 30 S-Untereinheit der 70 S-Ribosomen und hemmen die Kettenverlängerung
Bindet an 50 S-Untereinheit der 70 S-Ribosomen und hemmt Proteinbiosynthese
Hemmung der bakteriellen Folsäuresynthese
Grundlage
Lösung, Gel
Creme (NRF 11.77), Gel (NRF 11.84), Lösung (NRF 11.78), Salbe
Creme (z. B. Fucidine®), Salbe, Gel, Puder, Gaze
Salbe, Creme 0,1 %
Gel, Lotion, Creme (z. B. Metrogel® oder Metrocreme®)
Nasensalbe, Salbe (z. B. Turixin 2 %)
3 % Salbe
Salbe (z. B. Altargo® 1 %)
Creme (z. B. Flammazine®)
Indikation
Acne vulgaris (nur als Teil einer Kombination z. B. mit BPO (Duac®)
Erythrasma, Acne vulgaris, periorale Dermatitis (wirksam gegen Staphylokokken, Streptokokken, Propionibacterium acnes)
Pyodermie, Wunde, superinfiziertes Ekzem (wirksam gegen Staphylokokken, MRSA, Enterokokken)
Pyodermie, superinfiziertes Ekzem (wirksam gegen Staphylokokken, Proteus, Klebsiellen)
Rosazea
MRSA Eradikation, Impetigo, superinfiziertes Ekzem
Infektionen der Haut
Impetigo
Ausgedehnte Hautdefekte
Anwendung
1- bis 2-mal täglich bis zu 12 Wochen
2-mal täglich bis zu 3 Monate
1-mal bis mehrmals täglich; selten sensibilisierend, keine Kreuzresistenzen
Obsolet (s. unten)
2-mal täglich bis zu 12 Wochen
Nase: 2- bis 3-mal/Tag, Haut 1- bis 3-mal/Tag, 5 bis 7 Tage
1- bis 2-mal täglich
2-mal täglich über 5 Tage
1-mal täglich
Nebenwirkung, cave
Sensibilisierung oder lokale Irritation; keine Monotherapie wegen Resistenzentwicklung und -situation
Kontaktdermatitis; rasche Resistenzentwicklung, ungünstige Resistenzsituation bei Propionibacterium acnes
Resistenzentwicklung bei häufigem Gebrauch möglich
Häufig Kontaktallergien und Resistenzentwicklung
Kontraindiziert bei Sonnenbestrahlung
Lokale Unverträglichkeit (Brennen, Rötung, Trockenheit), Resistenzinduktion
Kontraindiziert in der Schwangerschaft
Keine sauren Stoffe hinzugeben, da Wirkoptimum bei pH 7,8 liegt
Sensibilisierung oder lokale Irritation
Kontraindiziert bei Sulfonamidunverträglichkeit
BPO Benzoylperoxid, MRSA Methicillin-restistenter Staphylococcus aureus.
Für die topische antibiotische Therapie von Staphylokokken-Infektionen wird Fusidinsäure empfohlen. Retapamulin kann ebenfalls empfohlen werden, hier liegen aber bisher nur begrenzte klinische Erfahrungen und nur wenige Studien vor. Der lokale Einsatz von Mupirocin wird nicht empfohlen, denn diese Substanz sollte der Eradikationstherapie bei MRSA-Trägern vorbehalten bleiben. Bei mehreren oder ausgedehnten Läsionen sowie bei Verdacht auf Mischinfektion mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A (GAS) wird eine systemische antibiotische Behandlung empfohlen [ 11]. Das Erysipel wird ebenfalls systemisch antibiotisch behandelt. Lokal helfen kühlende, antiseptische Umschläge, die Symptome zu lindern. Des Weiteren muss die Eintrittspforte saniert werden (z. B. Tinea pedis).
Eine Monotherapie mit topischen Antibiotika wird zur Behandlung der Acne vulgaris nicht mehr empfohlen ( Tab. 2). Insbesondere die Resistenz gegen Erythromycin ist hier weit verbreitet. Die minimalen Hemmkonzentrationen sind teilweise so hoch, dass sie selbst mit einer topischen Therapie nicht erreicht werden können [ 10].
Für chronische Wunden werden keine topischen Antibiotika empfohlen. Beim Erythrasma werden neben Erythromycin antibakteriell wirksame Imidazole (z. B. Clotrimazol) eingesetzt.

Topische Antiseptika

Zur Desinfektion bei erregerbedingten Hauterkrankungen können verschiedene lokale Antiseptika zum Einsatz kommen. Aufgrund ihres Wirkmechanismus wie direkter Proteindenaturierung oder Oxidation kommt es seltener zu Resistenzentwicklungen als beim Einsatz von topischen Antibiotika. Zu niedrige Konzentrationen können Resistenzbildungen aber ebenfalls fördern.
Zur Behandlung einer leichten staphylogenen Impetigo werden Polyhexanid, Polyvidon, Octenidin oder Chlorhexidin ( Tab. 3) empfohlen [ 11]. Octenidin darf nicht zur Spülung von Wundhöhlen verwendet werden, da die Substanz starke Entzündungen des Weichgewebes hervorruft, die nur langsam abheilen.
Tab. 3
Lokale Antiseptika
Wirkstoff
8-Chinolinsulfat
Chlorhexidin
Clioquinol (Vioform®)
Kaliumpermanganat
Octenidin
Polyhexanid
Polyvidon-Jod
Triclosan
Wirkprinzip
Bakteriostatisch und fungizid
Bakteriostatisch; wird in Zellwand eingebaut
Schwache Wirksamkeit gegen Pseudomonas
Bakterio- und fungistatisch
Oxidans
Bakterizid, fungizid
Zellwandzerstörung; sehr breit [Bakterien, Pilze (nicht Sporen), Viren]
Bakterizid, fungizid; keine sporozoide/viruzide Wirksamkeit; bindet an Zellwand
Breit (bakterizid, fungizid, viruzid)
Halogenierte Verbindung, Phenolderivat; biozid gegen Bakterien
Grundlage
Wässrige Lösung
Lösung als Schleimhautantiseptikum; Creme, Gel
Hydrophile Creme, Paste, Salbe
Kristalllösung
Lösung, Gel
Lösung, Gel, Salbe
Lösung, Salbe, Creme, Suppositorien
Hydrophile oder lipophile Creme
NRF
11.127 0,1 %
Handelspräparate; NRF 7.2 (0,1, 0,2 %), ethanolhaltige Lösung NRF 11.126 (0,5, 1 %), NRF 11.116 (0,5, 1 % in DAC-Basiscreme), NRF 11.136 (1 % mit Triamcinolon (0,025, 0,05 oder 0,1 %) in DAC-Basiscreme)
Als „Anti-Flusssäure-Gel“ mit Calciumglukonat NRF 19.6
0,5–3 % (z. B. Locacorten-Vioform®)
11.82: 1 % Lösung
Fertigprodukte (z. B. Octenidin®, Octenisept®)
Handelspräparate (z. B. Lavasept, Lavanid®), Lösung: NRF 11.128 (0,02 oder 0,04 %), Gel: NRF 11.131 (0,04 oder 0,1 %); Macrogolsalbe: NRF 11.137 (0,04 oder 0,1 %); für Schleimhaut: Mundwasser NRF 7.12 (0,12 %, bei MRSA)
Handelspräparate (z. B. Betaisodona®)
11.135 (hydrophile Creme, 1 oder 2 %)
11.122 (lipophile Creme, 1 oder 2 %)
Indikation
Pyodermie, mikrobielles Ekzem
Infektion Mundschleimhaut, superinfizierte Ekzeme
Pyodermie, mikrobielles Ekzem
Pyodermie, Ekzem, Gram-negativer Fußinfekt
Haut- und Schleimhautdesinfektion
Nässende Ekzeme, Ulzera
Pyodermie, postoperativ, Abszesshöhle
Pyodermie, superinfizierte Ekzeme
Anwendung
2-mal täglich
Mundspülungen 1- bis 2-mal täglich, auf 7 Tage begrenzen
2-mal täglich
1- bis 2-mal täglich Bäder und feuchte Umschläge
Einwirkzeit mindestens 1 min
2 bis 5 Tage, maximal 21 Tage
1- bis mehrmals täglich
1- bis 2-mal täglich
Nebenwirkung, cave
Brennen; keine Kombination mit zinkoxidhaltigen Externa wegen Wirkverlust
Bei längerer Anwendung: Dysgeusie, bräunliche Ablagerungen an Zähnen, Zahnfleisch und Zunge, Verzögerung der Wundheilung, Desquamation der Epithelzellschicht (selten); anaphylaktische Reaktion
Gelbfärbung von Haut, Kleidung und Gegenständen; unter Okklusion Resorption mit Risiko subakute Myelooptikoneuropathie; Sensibilisierung
Braunverfärbung der Haut, ätzende Wirkung bei Konzentrationen > 0,1 %; Verschlucken der Granula kann zu schweren Nekrosen führen
Therapeutische Breite 3,2; kontraindiziert: Spülung von Wundhöhlen!
Erhöhte Zytotoxizität, Haltbarkeit nach Anbruch begrenzt, Inaktivierung durch Eiweiß
Gute Verträglichkeit (therapeutische Breite 25.000); verzögerter Wirkeintritt, schädigt Knorpelgewebe, Haltbarkeit nach Anbruch begrenzt
Therapeutische Breite 500; Kontraindikation: Jodallergie, Hyperthyreose, geplante Radiojodtherapie; Dermatitis herpetiformis Duhring; Eiweißfehler, Zytotoxizität, nicht farblos, Haltbarkeit nach Anbruch begrenzt
Selten Sensibilisierung; nicht wirksam bei Pseudomonas aeruginosa
Bei der Follikulitis im Gesicht ist zusätzlich die Reinigung des Rasierers mit 70 %igem Isopropanol angezeigt. Für die topische Therapie von Furunkeln, Karbunkeln und Schweißdrüsenabszessen werden Bituminosulfate (Ichthyol 10–50 % Salbe) eingesetzt. Sie wirken antiinflammatorisch und sollten einmalig oder mit einem Dauerverband angewandt werden. Bei Eröffnung des Prozesses kann ein mit Polyvidon-Jod-Lösung getränkter Gazestreifen in die Abszesshöhle eingelegt werden.

Topische Virustatika

Virustatika werden zur Behandlung von Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV: Verrucae vulgares, Condylomata acuminata) oder rezidivierender Herpes-simplex-Virus (HSV)-Infektionen eingesetzt.
Bei HPV-Infektionen [ 7] können die Läsionen durch direkte toxische Effekte auf die Virusreplikation (Podophyllotoxin, 5-FU, Trichloressigsäure), Hemmung der Keratinozytenproliferation (Salicylsäure) oder durch Stimulation des Immunsystems (Imiquimod) behandelt werden ( Tab. 4). Eine gute Aufklärung über das Wirkprinzip, die Therapiedauer und die zu erwartenden Reaktionen wie eine erwünschte Reizung, deren Ausmaß („wie ein mittlerer Sonnenbrand“) und das entsprechende Verhalten (Therapiepause bis zur Besserung, dann Fortführung der Behandlung) sind Voraussetzung einer erfolgreichen Therapie.
Tab. 4
Therapeutika zur Behandlung von humanen Papillomaviren (HPV)-Infektionen
Wirkstoff/Handelsname
Imiquimod (3,75 % Zyclara® oder 5 % Aldara®)
Podophyllotoxin (Condylox® Lsg. 0,5 %, Wartec® Creme 0,15 %)
Salicylsäure und Fluorouracil (Verrumal®)
Polyphenon
Veregen® 10 % Salbe
Wirkprinzip
Stimulierung der Toll-like-Rezeptoren 7 und 8 mit Induktion verschiedener Zytokine
Spindelgift und Verhinderung der Zellteilung
Hemmung der Virusreplikation („Basenanalogon“) und Keratolyse
Polyphenon, ein Catechinextrakt aus Grünteeblättern; hemmt Proliferation der virusbefallenen Keratinozyten
Grundlage
Creme
Lösung, Creme
Lösung
Salbe
Indikation
Warzen, Condylomata acuminata
Condylomata acuminata
Verruca vulgaris
Genitale Warzen
Anwendung
5 %: 3-mal/Woche bis zum Abheilen, maximal 16 Wochen
3,75 %: 1-mal täglich, 2 Zyklen: je 2 Wochen, dazwischen 2 Wochen Pause
2-mal/Tag, 3 aufeinanderfolgende Tage; Wiederholung nach 1 Woche
Mehrfach täglich über Wochen; vorher vorhandenen Lack abziehen; nach erfolgreicher Therapie 1 Woche weiterbehandeln
Nicht > 25 cm 2 Körperoberfläche
3-mal täglich über 12 bis 16 Wochen
Nebenwirkung, cave
Entzündliche Irritationen
Kontraindikation Schwangerschaft, Stillzeit; maximal 1,5 cm 2; lokale Dermatitis; Alkohol verstärkt Wirkung
Brennen; nicht zusammen mit Brivudin oder Sorivudin anzuwenden
Erythem, Pruritus, Brennen, Schmerz
Während die genannten Substanzen durch den Patienten aufgetragen werden können, muss Trichloressigsäure (NRF 11.133 als 10, 20, 35 oder 50 %ige Lösung) durch den Arzt selbst appliziert werden. Man beginnt die wöchentlichen Applikationen mit der niedrigsten Konzentration. Bei Überdosierung ist eine Neutralisation mit Natriumbikarbonat-Lösung nötig. Nebenwirkungen sind Brennen und Schmerzen im Anwendungsgebiet. Zur Behandlung von Warzen kann man zudem die Kombination aus Dithranol 1 % und Salicylsäure (25 %) einsetzen (NRF 11.31, tägliche Applikation, gutes Abdecken wegen möglicher Verfärbung notwendig).
Zur Behandlung von rezidivierenden HSV-Infektionen [ 5] stehen ebenfalls mehrere Substanzen zur Verfügung ( Tab. 5). Allen gemeinsam ist, dass sie die Erkrankungsdauer nur signifikant verkürzen können, wenn sie bei einem Rezidiv frühzeitig, am besten noch vor dem Auftreten der ersten Bläschen, angewendet werden.
Tab. 5
Topische Virustatika bei Herpes-simplex-Virus (HSV)-Infektionen
Wirkstoff
Aciclovir
Foscarnet 2 %
Tromantadin
Wirkprinzip
Aktivierung durch virale Thymidinkinase (selektiv in infizierten Zellen) und weitere Kinasen. Das phosphorylierte Aciclovir führt als Nukleosidanalogon zum Kettenabbruch bei viraler DNA-Synthese
Hemmt als Pyrophosphatanalogon virale DNA-Polymerasen direkt (ohne virale Thymidinkinase), daher einsetzbar bei Aciclovir-Resistenz
Nukleosidanalogon
Grundlage
Creme/Augensalbe
Creme (z. B. Triapten Antiviralcreme)
Gel (z. B. Viru-Merz® Serol)
Indikation
HSV 1/2, VZV; Schmerzen, Juckreiz bei Herpes labialis
Schmerzen, Juckreiz bei Herpes labialis
Anfangserscheinungen von rezidivierendem Herpes simplex, bei Schmerzen und Juckreiz, jedoch nur vor Bläschenbildung
Anwendung
5-mal täglich alle 4 h über 5 Tage
Alle 3 h, mindestens 6-mal täglich über 5 bis 8 Tage
3- bis 5-mal täglich, bis Bläschen auftreten
Nebenwirkung, cave
Pruritus, Rötung, Brennen, Kontaktdermatitis, Creme nicht auf Schleimhäuten applizieren
Leichtes Brennen, Rötung, Juckreiz
Kontaktallergien nicht selten
VZV Varizella-zoster-Virus.
Mollusken können mit einer 5 %igen Kaliumhydroxid-Lösung (Infectodell®) behandelt werden. Eine genaue Aufklärung über die korrekte Anwendung (ganz wenig!) und die zu erwartende Reizung ist essenziell.
Beim Zoster kann zum Eintrocknen der Bläschen Tannosynt® Lotio angewandt werden. Oft kommt es nach dem Eröffnen der Bläschen zu einer bakteriellen Superinfektion, sodass der Einsatz lokaler Antiseptika (s. oben) oder von Fusidinsäure notwendig wird. Aciclovir-Augensalbe wird beim Zoster ophthalmicus neben systemischen Aciclovir-Gaben aufgrund der schlechten Wirkstoffpenetration in die Kornea 5-mal täglich empfohlen.

Lokale Antiparasitika

Die Hauptanwendungsgebiete topischer Antiparasitika sind die Skabies und die Pedikulosen.
Bei der Skabies ist Permethrin das Mittel der ersten Wahl in allen Altersgruppen und auch in der Schwangerschaft ( Tab. 6). Bei Befall von Handinnenflächen oder Fußsohlen sollte nach 1 Woche erneut behandelt werden. Bei stärkerer Verhornung an Palmae, Plantae und ggf. anderen Arealen (subunguale Hyperkeratosen) sollten diese keratolytisch behandelt und vorsichtshalber ebenfalls nach 1 Woche erneut behandelt werden. Als Mittel der zweiten Wahl sind Benzylbenzoat bzw. Crotamiton zu empfehlen. Diese werden 3 Tage hintereinander appliziert und erst dann abgewaschen. Permethrin, Benzylbenzoat und Crotamiton haben nach dem zweiten Lebensmonat keine Altersbeschränkung. Resistenzen sind gegen alle genannten Mittel beschrieben worden [ 8].
Bei der Skabies ist Permethrin das Mittel der ersten Wahl
Tab. 6
Lokaltherapie der Skabies
Wirkstoff
Benzylbenzoat
10 % Kinder
25 % Erwachsene
Crotamiton
Permethrin
Wirkprinzip
Zerstörung des Chitinpanzers der Arthropoden
Unbekannt
Anreicherung im Nervengewebe der Arthropoden, Interferenz mit Natriumtransport
Grundlage
Emulsion (z. B. Antiscabiosum®)
10 %ige Lotio, Creme (z. B. Crotamitex®)
Lösung, Creme 5 % (z. B. Infectoscab®)
Indikation
Skabies
Skabies
Skabies, Pediculosis capitis
Anwendung
An 3 aufeinanderfolgenden Tagen abends 1-mal täglich, am vierten Tag Bad nehmen (ohne Kopf)
An 3 bis 5 aufeinanderfolgenden Tagen 1-mal täglich, jeweils 24 h belassen
Skabies: 12-stündige Einwirkzeit. Gewöhnlich reicht eine Behandlung aus, ggf. Wiederholung nach 7 Tagen (bei Hyperkeratosen)
Pediculosis capitis: Lösung gleichmäßig im Haar verteilen, 30 min einwirken lassen, gründlich ausspülen
Nebenwirkung, cave
Kontraindiziert bei Säuglingen; allergische Reaktionen
Irritationen
Hautirritationen
Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die korrekte Anwendung:
1.
Die behandelnde Person sollte Handschuhe tragen (ggf. auch Schutzkittel);
 
2.
vor der Behandlung: Nägel kürzen, Ganzkörperbad, Anwenden des Antiskabiosum erst nach Trocknen der Haut und Erlangung der normalen Körpertemperatur (ca. 60 min);
 
3.
bei stark entzündlicher Haut (exsudatives Ekzem): vor oder mit Beginn der antiskabiösen Therapie für 2 bis 3 Tage ein kortikosteroidhaltiges Externum, bei Impetiginisierung ggf. auch Antiseptika oder Antibiotikum p.o.;
 
4.
bei älteren Kindern und Erwachsenen: gesamten Körper lückenlos vom Unterkiefer abwärts einschließlich der Retroaurikularfalten mit dem topischen Antiskabiosum behandeln; während der Einwirkzeit Tragen von Baumwollhandschuhen, ggf. darüber auch Plastikhandschuhe (bei Waschen der Hände: erneutes Auftragen der Substanz);
 
5.
bei Säuglingen, Kleinkindern bis drittes Lebensjahr, bei Vorliegen verdächtiger Effloreszenzen: Mitbehandlung Kopfhaut und Gesicht unter Aussparung der Periokulär- und Perioralregion;
 
6.
Belassen des Lokaltherapeutikums über Nacht;
 
7.
nach Abwaschen bzw. Abduschen des Lokaltherapeutikums: jeweils vollständig neue Wäsche anlegen, Betten neu beziehen;
 
8.
Kleider, Bettwäsche, Handtücher oder andere Gegenstände mit längerem Körperkontakt (Blutdruckmanschette, Schuhe, Plüschtiere): Waschen bei 60 °C oder mindestens 4 Tage lang bei > 20 °C und trocken in Plastiksäcken lagern. Polstermöbel mit dem Staubsauger reinigen oder 4 Tage lang nicht benutzen;
 
9.
Nachbehandlung mit Basispflege oder topischer Kortikosteroidcreme;
 
10.
Kontrolluntersuchungen auf neue gangartige Papeln sollten bis mindestens 4 Wochen nach Therapie erfolgen (Abschluss eines Zyklus der Milben);
 
11.
nach Abschluss der ersten ordnungsgemäßen Behandlung können betroffene Kinder wieder in die Schule und Erwachsene zur Arbeit gehen.
 
Für Sonderfälle (Rezidive, Scabies crustosa) wird auf die Leitlinie [ 12] verwiesen.
Zur Behandlung der Pedikulosen zugelassen sind Allethrin, Permethrin (s. oben), Pyrethrum und Dimeticon ( Tab. 7, [ 18]).
Tab. 7
Lokaltherapie der Pedikulose
Wirkstoff
Allethrin I
Dimeticon
Pyrethrumextrakt
Wirkprinzip
Nervengift
Dringt in Atemöffnung von Läusen ein, dadurch Unterbindung der Stoffwechselvorgänge
Nervengift
Grundlage
Z. B. Jacutin® Pedicul Spray
Fluid, Spray, z. B. EtoPril® Lösung
Z. B. Goldgeist® forte Lösung
Indikation
Pediculosis capitis, Filzläuse, Kleiderläuse (Behandlung der Kleidung)
Pediculosis capitis
Pediculosis capitis
Anwendung
Trockenes Haar besprühen, bis leichte, gleichmäßige Durchfeuchtung; Einwirkzeit 30 min; Haare nicht bedecken. Danach auswaschen, Läuse und Nissenreste auskämmen. Wiederholung nach 8 Tagen
Trockenes Haar benetzen, nach 10–30 min mit Läusekamm auskämmen, weitere 8 h belassen, dann mit Shampoo auswachen, Wiederholung nach 8 bis 10 Tagen
Haar 30 min tränken, dann mit Wasser ausspülen, Wiederholung nach 8 bis 10 Tagen
Nebenwirkung, cave
Juckreiz, Rötung; bei Einatmen: Übelkeit, Erbrechen; bei Asthmatikern: Asthmaanfall
Juckreiz, Rötung; Augenkontakt meiden
Selten Sensibilisierung
Kopfläuse sind zuweilen eine therapeutische Herausforderung. Eine optimale Behandlung von Kopfläusen bedarf der Kombination chemischer, mechanischer und physikalischer Wirkprinzipien. Da nach der Erstbehandlung Larven nachschlüpfen können, muss am Tag 9 oder 10 die Behandlung wiederholt werden, um zu verhindern, dass junge Weibchen ab Tag 11 neue Eier ablegen können. Das Robert Koch-Institut empfiehlt folgendes Schema [ 13]:
  • Tag 1: mit einem Insektizid behandeln und anschließend nass auskämmen,
  • Tag 5: nass auskämmen, um früh nachgeschlüpfte Larven zu entfernen, bevor sie mobil sind,
  • Tag 8, 9 oder 10: erneut mit dem Insektizid behandeln, um spät geschlüpfte Larven abzutöten,
  • Tag 13: Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen,
  • Tag 17: eventuell letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen.

Topische Therapie von Hauttumoren

Keratinozytäre Hauttumoren

Für die keratinozytären Hauttumoren sind je nach Tumorentitiät verschiedene Lokaltherapeutika möglich ( Tab. 8).
Tab. 8
Übersicht der Therapeutika zur Behandlung aktinischer Keratosen
Wirkstoff/Konzentration
Präparat
Indikation
Anwendungshäufigkeit
Anwendungsdauer
Therapieerfolg
Ansprechrate
5-FU
5 % 5-FU
®Efudix
AK
Morbus Bowen
2-mal täglich
Ca. 2 bis 4 Wochen
Nach Abheilen der Entzündungsreaktion
LR: 79,5 %
KA: 50 % [ 1]
sBCC
Mindestens 3 bis 6 Wochen
0,5 % 5-FU + 10 % Salicylsäure
®Aktikeral
AK
1-mal täglich
6 bis 12 Wochen
Imiquimod
(5 %)
®Aldara
sBCC
5-mal wöchentlich
6 Wochen
4 Wochen nach Therapie
LR: 59,1 %
KA: 45,1 % [ 15]
AK
3-mal wöchentlich
4 Wochen
(3,75 %)
®Zyclara
AK
1-mal täglich
2 Zyklen: je 2 Wochen Therapie, gefolgt von 2 Wochen Pause
LR: 82 %
KA: 36 % [ 9]
Diclofenac in Hyaluronsäure
Diclofenac in Hyaluronsäure
®Solaraze
AK
2-mal täglich
60 bis 90 Tage
1 Monat nach Therapie
KA: 39,1 % [ 19]
Ingenolmebutat
0,05 % (Stamm/Extremitäten)
®Picato
AK
1-mal täglich
2 Tage
8 Wochen nach Therapie
LR: 42,2 % KA: 42,2 % [ 17]
0,015 % (Gesicht/Kopfhaut)
1-mal täglich
3 Tage
AK aktinische Keratose, sBCC oberflächliches Basalzellkarzinom LR Läsionsreduktion, KA komplettes Abheilen.
Bei allen Präparaten ist vor Therapiebeginn eine sorgfältige Aufklärung notwendig.
Ansonsten ist mit einer hohen Therapieabbruchrate aufgrund der aus therapeutischer Sicht beabsichtigten Entzündungsreaktionen zu rechnen. Grundsätzlich gilt, dass vor dem Auftragen der Präparate die Läsionen gereinigt werden müssen. Die Präparate sollten anschließend flächig aufgetragen werden. Nach der Applikation muss ein gründliches Händewaschen erfolgen. Klinische Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um das Ansprechen beurteilen und die Therapie individuell anpassen zu können. Alle Patienten müssen über die Notwendigkeit der wichtigsten Präventionsmaßnahme, adäquater Sonnenschutz, informiert werden. Ein konsequenter und ausreichend hoher Lichtschutz, bestehend aus textilem Sonnenschutz in Kombination mit der Verwendung von Lichtschutzpräparaten (Lichtschutzfaktor 50 +/UVA) ist zu empfehlen.

Diclofenac in Hyaluronsäure

Diclofenac ist ein nichtsteroidales Antiphlogistikum, das in topischer Anwendung in Kombination mit Hyaluronsäure zur Behandlung von aktinischen Keratosen zugelassen ist (2-mal täglich flächig; Solaraze Gel®). Während der Therapie sollte auf ausreichende Anwendung eines Sonnenschutzes geachtet werden. Eine Okklusionstherapie sollte nicht erfolgen. Bei der Behandlung kann es zur Verfärbung der Haare kommen, Kontaktallergien und phototoxische Reaktionen werden beobachtet. Dies kann eine differenzialdiagnostische Schwierigkeit zu der gewollten Entzündungsreaktion bedeuten.

5-Fluorouracil

Das topische Zytostatikum 5-Fluorouracil (5-FU) wird als Monotherapie in Form von 5 %iger Creme (Efudix®) oder als Lösung, bestehend aus einer Kombinationstherapie mit 0,5 % 5-FU plus 10 % Salicylsäure (Actikerall®), angewandt. Man trägt das Präparat 1-mal (Actikerall®) bzw. 2-mal täglich (Efudix®) flächig auf. Die Therapie wird so lange durchgeführt, bis es zu Erosionen kommt. Eine Kontrolle des Therapieerfolges ist wichtig. Hierfür sollte sich der Patient 2 und 3 Wochen nach Therapiebeginn vorstellen und die Therapie je nach Ansprechen angepasst werden. Die normale Therapiedauer beträgt 3 Wochen. Bei der Applikation der Cremeform sollten Handschuhe oder Fingerlinge getragen werden. Efudix® gibt es in der Kombinationspackung mit Fingerlingen. Die maximale Fläche, die behandelt werden darf, beträgt 500 cm 2 (ca. 23 × 23 cm). Eine okklusive Anwendung von Efudix® ist möglich und erhöht die Wirkung. Actikerall® wird mit einem Pinsel appliziert, hier beträgt die maximale Fläche 25 cm 2 (5 × 5 cm). Eine systemische Wirkung ist bei Beachtung der Maximaldosis unwahrscheinlich. Dennoch muss eine Therapie mit Brivudin oder einem Analogon mindestens 4 Wochen vorher wegen möglicher Wechselwirkungen abgesetzt werden.

Imiquimod

Als Immunmodulator gibt es 2 zugelassene Präparate: Aldara®, eine 5 %ige Creme, und Zyclara® mit einer geringeren Imiquimod-Konzentration von 3,75 %. Die Anwendung variiert je nach Indikation und Präparat ( Tab. 8). Auch hier treten gewolltermaßen Entzündungsreaktionen auf. Diese können teilweise sehr stark ausgeprägt sein, sodass eine Therapiepause von einigen Tagen erfolgen muss. Das geringer konzentrierte Produkt Zyclara® zeichnet sich durch eine bessere Verträglichkeit aus. Es eignet sich daher besonders gut für größere Flächen. Da das Immunsystem bei dieser Therapie aktiviert wird, ist die Therapie unter großer Vorsicht bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen anzuwenden.

Ingenolmebutat

Der Wirkstoff Ingenolmebutat (Picato®) wird aus dem Milchsaft der Garten-Wolfsmilch Euphorbia peplus gewonnen und bedingt zytotoxische und immunmodulierende Effekte. Es gibt 2 verschiedene Konzentrationen: 0,015 % (für Gesicht und Kopfhaut) und 0,05 % (Extremitäten und Rumpf). Auch hier kommt es zur Ausbildung von Erythemen bis hin zu Erosionen. Diese beginnen nach dem ersten Tag der Anwendung, erreichen das Maximum nach 1 Woche und sollten im Gesicht nach 2 und am Stamm nach 4 Wochen abgeheilt sein.

Kutane Lymphome

Die Therapie der kutanen Lymphome (CL) unterscheidet sich je nach Tumorsubtyp und Tumorstadium.
Aktuell werden weltweit zur topischen Therapie von CL Glukokortikoide, topische Zytostatika mit alkylierenden Substanzen wie Mechlorethamine (Stickstoff-Lost, HN-2) und Carmustin (Bis-Chlorethyl-Nitroso-Urea, abgekürzt BCNU) sowie topische Retinoide wie Bexaroten eingesetzt.

Glukokortikoide

Glukokortikoide der Klasse III und IV sind als First-line-Therapie im Stadium Ia der Mycosis fungoides (MF) und bei MF-Sonderformen zugelassen. Empfohlen werden sehr stark wirksame Glukokortikoide, wie z. B. 0,05 % Clobetasol (2-mal täglich auf die betroffenen Hautareale aufzutragen). Ein Therapieansprechen kann normalerweise innerhalb von 3 Monaten beobachtet werden.

Bexaroten

Bexaroten ist als Zweitlinientherapie zur topischen Anwendung im Stadium IA der MF und bei MF-Sonderformen zugelassen. Es wird 4-mal täglich als 1%iges Gel auf die Hautläsionen aufgetragen. Als Nebenwirkungen werden Erythem- und Blasenbildung, Pruritus sowie Schmerzen beobachtet.

Topisches Stickstoff-Lost HN-2/Mechlorethamin und topisches BCNU/Carmustin

Mechlorethamin gehört zu den Stickstoff-Lost-Derivaten, BCNU zur Gruppe der Nitrosoharnstoffe, und beide wirken als Alkylanzien. Sie werden zur Erstlinientherapie bei MF im Stadium I bis III sowie HN-2 zusätzlich beim Sézary-Syndrom eingesetzt. In den USA sind dies häufig angewandte Produkte. Es gibt die Wirkstoffe in 2 verschiedenen Darreichungsformen, als Salbe oder als wässrige Lösung. Sie werden 1-mal täglich auf den ganzen Körper aufgetragen. Bei Patienten mit nur solitären Hautveränderungen kann es auch nur auf die betroffenen Hautveränderungen gegeben werden. Bei einer HN-2-Anwendung sollte die Therapie 2 bis 6 Monate lang nach Abheilen aller Hautveränderungen fortgeführt werden. Bei Patienten mit langsamem Therapieansprechen kann HN-2 auch 2-mal täglich appliziert werden. Da BCNU auch bei lokaler Anwendung systemische Wirkung bzw. Nebenwirkung erzielen kann, ist die Anwendung auf 6 Monate limitiert. Eine adjuvante Erhaltungstherapie sollte nicht erfolgen. Als systemische Nebenwirkung kann es zu einer Knochenmarkdepression kommen. Dahingegen kommt eine systemische Wirkung bei topischer Anwendung von HN-2 nicht vor.
Sonstige Nebenwirkungen sind vor allem kutane Hypersensitivitätsreaktionen (bei BCNU seltener als bei HN-2), Xerosis, Hyperpigmentierung und Urtikaria. Durch eine Kombinationstherapie mit topischen Glukokortikoiden kann das Ausmaß der Nebenwirkungen jedoch reduziert werden.

Kaposi-Sarkom

Auch bei der Behandlung des Kaposi-Sarkoms werden topische Therapien eingesetzt. Zunächst sei hier die mechanische Kompressionstherapie mittels Kurzzugbinden genannt. Sie dient der Beseitigung bzw. Prophylaxe des Lymphödems. Die topische Behandlung mit einem 0,1 %igen Alitretinoin-Gel (Panretin®) kommt bei lokalisierten, HIV-assoziierten Befunden zur Anwendung. Es verhindert die Proliferation der Tumorzellen. Die Applikation sollte 2-mal täglich auf die betroffenen Areale erfolgen, bei Bedarf kann es bis zu 4-mal täglich wiederholt werden. Tritt nach 12 Wochen noch keine Reduktion der Tumormasse ein, soll die Therapie beendet werden. Auf einen ausreichenden Kontrazeptionsschutz bei Frauen im gebärfähigen Alter ist zu achten. Als Nebenwirkung können toxische Reaktionen mit Erythemen bis hin zu Blasenbildung, trockene Haut und Parästhesien auftreten. In einer placebokontrollierten Studie konnte ein Ansprechen bei 31 % der Patienten gesehen werden [ 3]. Bei kosmetisch störenden Läsionen sollte die Camouflage nicht vergessen werden.

Hypertrophe Narben und Keloide

Zur Verhinderung von hypertrophen Narben und Keloiden sollte möglichst früh, aber erst nach vollständigem Wundschluss mit der Therapie begonnen werden.
Die Therapiedauer beträgt mehrere Monate.
Grundsätzlich lassen sich hypertrophe Narben leichter behandeln als Keloide. Konservative Therapiemethoden sind Kompressionstherapie, Massage, Silikonpräparate und Narbensalben. Sie sind oft bei der Behandlung von hypertrophen Narben ausreichend. Mit der Zeit kann es auch zur spontanen Rückbildung kommen. Die Keloidbehandlung stellt eine größere Herausforderung dar. Hier müssen meist invasivere Behandlungsformen, wie z. B. intraläsionale Injektionstherapien beispielsweise mit Glukokortikoiden, Kryotherapie oder Laserbehandlungen zur Anwendung kommen [ 2].

Silikon

Es gibt viele verschiedene Applikationsformen, wie z. B. Pflaster, Folien, Sprays und Gele (z. B. Kelo-cote®, ScarSil®, Strataderm®, Scarban®). Silikone haben eine geringere Wasserverdampfungsrate als die Haut. So wird der Feuchtigkeitsverlust der Narbe verhindert. Es kommt zur Reduktion der Kollagensynthese. Die Narben werden flacher, kleiner, und die Rötung nimmt ab. Silikon ist ein sehr sicherer und gut verträglicher Wirkstoff.

Narbencremes

Sie enthalten Wirkstoffe, wie z. B. Heparin oder Dexpanthenol, die entzündungshemmend, hydratisierend und wundheilungsfördernd sind (z. B. Contractubex®, Mederma®, Kelofibrase®). Generell sollten sie mehrmals täglich in das Narbengewebe einmassiert werden. Bei älteren Narben wird eine okklusive Behandlung über Nacht empfohlen. Nebenwirkungen sind vor allem Unverträglichkeiten der Inhaltsstoffe.

Hyperkeratosen

Hyperkeratosen entsprechen einem verdickten Stratum corneum und treten bei einer Reihe von Dermatosen als Proliferations- oder Retentionshyperkeratosen, viralen Hautveränderungen (Warzen), aber auch reaktiv durch mechanische Belastung (z. B. Clavus) auf. Die keratolytische Therapie kann Voraussetzung für die Wirksamkeit einer krankheitsspezifischen Therapie sein.

Symptomatische Therapie

Salicylsäure

Salicylsäure (Acidum salicylicum) wirkt ab einer Konzentration von > 2 % keratolytisch durch Quellung der Hornschicht und Minderung der Kohäsion. Außerdem besitzt Salicylsäure eine leicht antiseptische Wirkung [ 16]. Salicylvaseline 1–20 % kann ohne oder mit Folienokklusion 1- bis 2-mal täglich angewandt werden (NRF 11.43, 1, 2, 3, 5, 10 oder 20 %). Salicylsäure wird in Fettbasen und W/O-Emulsionen eingesetzt (Salicylsäure-Öl NRF 11.44: 2,5 oder 10 %, hydrophile Salicylsäure-Creme NRF 11.106: 5 %; ethanolhaltiges Salicylsäure-Gel NRF 11.54: 6 %).
Zur Keratolyse auf der Kopfhaut kann als Lösung Salicylsäure-Hautspiritus (NRF 11.45: 1, 2, 3 oder 5%) oder abwaschbares Salicylsäure-Öl (NRF 11.85: 2,5 oder 10%) verwendet werden. Bei sehr starker Entzündung kann hier auch noch Triamcinolonacetonid 0,1 % hinzugesetzt werden (NRF 11.134 als Öl, NRF 11.140 als abwaschbares Öl bzw. als Spiritus NRF 11.39).
In Pflastern ist bis zu 60 % Salicylsäure enthalten. Diese werden bei Warzen und Clavi eingesetzt, um druckbedingte Schmerzen zu vermindern und eine mechanische Entfernung zu erleichtern (Wechsel alle 24–48 h).
Clavi können mit einer Kombination aus Milchsäure und Salicylsäure behandelt werden (NRF 11.18). Als Keratolytikum und Antiseptikum kann der Hautspiritus NRF 11.55 verwendet werden (1, 2, 3, 5 oder 10 % Salicylsäure).
Zu beachten ist, dass Salicylsäure bei großflächiger Anwendung nephrotoxisch wirkt und zu Magenulzera führen kann. Besondere Vorsicht ist daher bei Kindern geboten.

Harnstoff

Harnstoff (Urea, Carbamid) bindet einerseits Wasser und verhindert so eine Austrocknung der Haut [ 22]. Weiterhin werden physikalisch-chemische Bindungen des Stratum corneum aufgelöst. Die Kombination von Urea mit anderen Wirkstoffen ermöglicht dadurch deren Penetration.
Bei trockener, schuppender Haut werden 5–10 % Harnstoff beispielsweise in DAC-Basiscreme 1- bis 2-mal pro Tag appliziert (NRF 11.72). Weitere Anwendungen sind je nach Hauttyp und -beschaffenheit: Harnstoff-Cetomacrogolcreme 10 % (NRF 11.73), hydrophile Harnstoff-Creme 5 %/10 % (NRF 11.71), lipophile Harnstoff-Creme 5 %/10 % (NRF 11.129), lipophile Harnstoff-Natriumchlorid-Creme (NRF 11.75) oder die Harnstoff-Wollwachsalkoholcreme 5 %/10 % (NRF 11.74).
Zum Aufweichen von pilzbefallenen Nägeln (Lack oder Salbe) wird eine Konzentration bis zu 40 % erforderlich (NRF 11.30; mit 1 % Clotrimazol NRF 11.57).
Harnstoff ist auch bei Kindern gut geeignet. Als Nebenwirkung kann Brennen (sog. Stinging-Effekt) auftreten, insbesondere wenn offene Stellen (Erosionen, Rhagaden) oder akute Hautentzündungen vorliegen.

Physikalische und chemische Methoden

Die so vorbereitete Hornschicht kann mittels physikalischer und chemischer Methoden (heiße Schmierseifenbäder und Hornhauthobel bzw. -raspel) weiter aufgeweicht und entfernt werden.

Fazit für die Praxis

  • Umschriebene Infektionen, lokal begrenzte Sekundärinfektionen, aber auch Kolonisationen mit pathogenetischem Charakter sind für eine topische Therapie gut zugänglich.
  • Eine genaue Diagnostik mit Nativpräparat und Pilzkultur stellt die Voraussetzung für eine erfolgreiche antimykotische Lokaltherapie dar.
  • Bei topischer antibiotischer Therapie sollten in erster Linie Substanzen verwendet werden, die ausschließlich topisch appliziert und nicht systemisch verwendet werden.
  • Zur Desinfektion bei erregerbedingten Hauterkrankungen können verschiedene lokale Antiseptika zum Einsatz kommen.
  • Virustatika werden zur Behandlung von Infektionen mit humanen Papillomaviren oder rezidivierender Herpes-simplex-Virus-Infektionen eingesetzt.
  • Die Hauptanwendungsgebiete topischer Antiparasitika sind die Skabies und die Pedikulosen.
  • Für die keratinozytären Hauttumoren sind je nach Tumorentität verschiedene Lokaltherapeutika möglich. Bei allen Präparaten ist vor Therapiebeginn eine sorgfältige Aufklärung notwendig.
  • Zur topischen Therapie von kutanen Lymphomen werden Glukokortikoide, topische Zytostatika mit alkylierenden Substanzen sowie topische Retinoide eingesetzt.
  • Hyperkeratosen können symptomatisch mit Salicylsäure, Harnstoff sowie physikalischen und chemischen Methoden behandelt werden.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt. A. Messerschmidt, K. Schultheis und F. Ochsendorf geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren.
Literatur