Skip to main content
main-content

05.09.2017 | Tattooentfernung | Nachrichten

Nano- oder Picosekunden-Pulse

Tattoo-Entfernung: Welche Lasertechnik eignet sich besser?

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Für die Entfernung von Tattoos stehen Nano- und Picosekundenlaser zur Verfügung. Dabei bieten Picosekundenlaser offenbar nur wenig Vorteil bezüglich Effizienz und Nebenwirkungen.

Mittlerweile schmücken sich 9–12% der Bevölkerung in Deutschland mit Tattoos. Etwa sechs Prozent der Tätowierten bereuen allerdings 10–15 Jahre danach ihre Entscheidung. Dank moderner Laser-Technologie ist die Entfernung von Tattoos möglich – schon seit Jahrzenten setzen Ärzte dabei auf Nanosekundenlaser (NSL) speziell die „Neodynium-dotierter Ytrium-Aluminium-Granat-Nanosekundenlaser“ (Nd:YAG-NSL). Neu, aber auch teurer sind Laser, die Pulse im Picosekundenbereich emittieren (PSL), und die seit 2012 im Einsatz sind. Einige Beobachtungsstudien behaupten, dass diese sowohl effektiver sind als auch weniger Nebenwirkungen mit sich bringen. Experten gehen davon aus, dass die kürzeren Impulse dank höherer Lichtintensität die Farbpartikel besser zerstören. Bisher gab es jedoch keine randomisierte Studie, die den Effekt von einer Behandlung mit NSL und PSL direkt verglichen hat.

Studiendesign: Effizienz von NSL und PSL bei schwarzen Tattoos

Eine neue Untersuchung an 21 Patienten (zehn Männer und elf Frauen, durchschnittliches Alter: 33,2) mit insgesamt 30 schwarzen Tattoos wollte diesen Sachverhalt nun endgültig klären. Die Studie schloss sowohl Patienten, die zuvor mit einem NSL gelasert waren, als auch nicht vorbehandelte Patienten mit ein. Die Tattoos wurden dazu in der Mitte gedanklich geteilt: Die eine Seite erfuhr eine Behandlung mit NSL (Pulsdauer: 5 Nanosekunden), die andere mit PSL (Pulsdauer: 450 Picosekunden). 14 Tattoos befanden sich auf den oberen Extremitäten, sechs am Torso, fünf am Kopf und fünf auf den unteren Extremitäten. Die Patienten erhielten eine zweimalige Laserbehandlung in einem sechs-wöchigen Intervall.

Um die Effizienz der beiden Techniken zu vergleichen, wurden Fotos vor Beginn der Studie, direkt vor dem Behandlungsbeginn, sechs Wochen nach der ersten und sechs Wochen nach der zweiten Laserbehandlung erstellt. Zwei Personen, die nicht in die Behandlung involviert waren, prüften unabhängig voneinander die Bilder. Der Erfolg der Tattooentfernung wurde anhand der Reduktion der Farbintensität gemessen (primärer Endpunkt) und eingeteilt in: 1 = keine oder nur minimale Entfernung (< 25% des Tattoos), 2 = moderat (25–50%), 3 = gut (51–75%) oder 4 = sehr gut (75%). Als sekundäre Endpunkte erfassten die Studienautoren Nebenwirkungen sowie Schmerzen. Die Nebenwirkungen fielen in zwei Kategorien: Vorübergehende Effekte wie Blasen- und Krustenbildung, Schwellungen und Blutungen (I), sowie bleibende Nebenwirkungen wie eine Hypo- oder Hyperpigmentierung der Haut und/oder Narben (II). Die Patienten definierten die Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10 (0 = keine Schmerzen, 10 = sehr starke Schmerzen).

Beide Laser entfernen Tattoos gleich gut

Die Autoren rund um Christian Raulin von der Laserklinik Karlsruhe fanden keine signifikanten Unterschiede in der Effizienz der Tattooentfernung nach Behandlung mit NSL oder PSL. Dies galt sowohl für die schon vor der Studie gelaserten als auch für die unbehandelten Tattoos.

Beim PSL kam es zu etwas weniger Blutungen als beim NSL (p = 0,083), alle anderen Nebenwirkungen traten bei beiden Laserarten gleich häufig auf. Allerding hatten die Patienten bei der Behandlung mit dem PSL weniger Schmerzen als mit dem NSL (auf einer Schmerzskala von 0–10: 3,8 für PSL, 7,9 für NSL). Auf der mit PSL gelaserten Seite kam es viermal zu einer Hypopigmentierung. Bei den mit NSL gelaserten Stellen gab es je einen Fall von Hyper- und Hypopigmentierung. Eine Narbenbildung trat in keinem Fall auf. Die Studie ist die erste, die einen klinischen Vergleich zwischen den beiden zurzeit verfügbaren Lasern an menschlichen Tattoos zieht.

Literatur

Weiterführende Themen