Skip to main content
main-content

06.03.2018 | Systemische Behandlung | Nachrichten

Onychomykose

Effektivste Nagelpilzbehandlung durch Terbinafin

Autor:
Alexander Joppich

Australische Forscher haben in einer Metastudie orale Fungizide zur Behandlung von Pilzinfektionen der Fußnägel verglichen. Terbinafin schnitt dabei gegenüber Azolen und Griseofulvin als wirksamer ab und punktete mit weniger Nebenwirkungen bei ähnlicher Rezidivrate.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Bei der Behandlung von Onychomykosen der Fußnägel sollte Terbinafin die erste Wahl sein, so eine Metastudie im Fachmagazin „JAMA“ (2018;319(4):397-398; doi: 10.1001/jama.2017.20160).  Forscher der University of Queensland hatten in ihrer retrospektiven Untersuchung Terbinafin, Azole und Griseofulvin miteinander verglichen und kommen zu dem Ergebnis, dass Terbinafin den beiden anderen Präparategruppen wohl in mehrerer Hinsicht überlegen ist.

Im Vergleich mit Placebo war Terbinafin fünfmal so wirksam bei der Behandlung von Nagelpilz (RR 6,00, 95%, CI 3,96-9,08); Azole punkteten dahingegen sogar mit einer mehr als 21-fachen Wirksamkeit zu Placebo (RR 22,18, 95% CI 12,63-38,95). Azole besaßen darüber hinaus eine höhere Erfolgsquote beim mikroskopischen Nachweis einer Pilzinfektion (RR 5,86 versus 4,53 bei Terbinafin).

Im direkten Vergleich stellten die australischen Forscher jedoch fest, dass die Azole bei der klinischen Behandlung Terbinafin unterlegen waren (RR 0,82, 95% CI 0,72-0,95). Auch beim mikroskopischen Pilznachweis schnitten die Azole schlechter ab (0,77, 95% CI 0,68-0,88). Griseofulvin war in beiden Fällen sowohl in der klinischen Behandlung wie auch beim Pilznachweis unterlegen. Allerdings geben die Autoren hierbei zu bedenken, dass ihre Studiendaten zu den Vergleichen mit Griseofulvin nur von niedriger bis mittlerer Evidenzqualität sind.

Empfehlung der Leitlinie bestätigt

Die Wissenschaftler aus Queensland kommen zu dem Ergebnis, dass sowohl Terbinafin wie auch Azole zur effektiven Behandlung von Onychomykose eingesetzt werden können – hierfür habe man Studien mit einer hohen Evidenzrate zugezogen. Wahrscheinlich besitzt Terbinafin gegenüber den Azolen die leicht besseren Heilungsraten bei einer gleichen Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen. Auch das Auftreten von Rezidiven war annähernd gleich zwischen Azolen und Terbinafin (1,11, 95 % CI 0,68-1,79). Der Leitlinienempfehlung für Terbinafin als Erstlinienbehandlung schließen sich die Studienautoren dementsprechend an.

Einschränkend stellen die Forscher fest, dass auch unter Terbinafin und Azolen nur zwischen 31 und 57 Prozent der Patienten eine klinische Heilung des Fußpilzes erfuhren; beim mikroskopischen Nachweis des Pilzes lag die Quote zwischen 43 und 76 Prozent. Diese Erfolgsraten sollten Ärzte unbedingt mit ihren Patienten besprechen, da diese möglicherweise eine zu hohe Erwartung an die Behandlung hätten. Weiterhin seien einige der eingeschlossenen Studien von geringer Qualität. So seien 16 der analysierten Studien nicht verblindet gewesen, wobei ein Ausschluss jener Analysen das Untersuchungsergebnis nicht verändert habe. Zudem hätten die zugezogenen Studien nicht über die Stärke der Nebenwirkungen berichtet und nur begrenzt über beteiligte Risikopatienten Aufschluss gegeben.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welches orale Medikament wirkt am besten gegen Fußpilz?

Antwort: Terbinafin und Azole werden empfohlen; wegen geringerer Nebenwirkungen und einer geringeren Rezidivrate ist Terbinafin wahrscheinlich die erste Wahl.

Einschränkung: Das Therapieversagen war auch bei den wirksameren Mitteln häufig. Einige der einbezogenen Studien hatten eine niedrige Evidenzqualität.