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12.04.2018 | Brustvergrößerung | Nachrichten

TRAM, DIEP oder SIEA

Brustrekonstruktion: Welche Methode ist die Beste?

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Patientinnen nach Mastektomie stehen verschiedene Techniken zur Rekonstruktion der Brust zur Verfügung. Die Methoden haben jedoch unterschiedliche Raten an möglichen Komplikationen – und auch die Zufriedenheit der Patientinnen variiert je nach Eingriff.

Als Alternative zur Brustrekonstruktion mit Implantaten ist die Wiederherstellung mit autologen Methoden möglich. Zur Auswahl stehen hier verschiedene Techniken, unter anderem der gestielte TRAM (transverser rectus abdominis)-Lappen, der freie TRAM-Lappen, die DIEP (deep inferior epigastric perforator)-Methode sowie der SIEA (Superficial Inferior Epigastric Artery)-Lappen.

Die Ergebnisse der verschiedenen Prozeduren wurden zwar in Studien untersucht – diese waren allerdings meist limitiert, z.B. durch ihr retrospektives Design oder fehlende Kontrollen. Auch gibt es bisher keine direkten Vergleiche der genannten Techniken. Zudem liefern zahlreiche Untersuchungen widersprüchliche Ergebnisse [1]. Das Team um Jessica Erdmann-Sager verglich daher in der prospektiven multizentrischen „Mastectomy Reconstruction Outcomes Consortium Study“ die verschiedenen autologen Brustrekonstruktionsops hinsichtlich Komplikationen und Ergebnissen aus Patientensicht [1].

Die fünfjährige Studie schloss Patientinnen über 18 Jahre mit ein, die sich zum ersten Mal einer unilateralen oder bilateralen Brustrekonstruktion nach Matektomie unterzogen. Von 720 Probandinnen gab es Follow-up-Daten. Davon hatten sich 89 einer gestielten TRAM, 115 einer freien TRAM, 445 einer DIEP und 71 einer SIEA Lappen-Rekonstruktion unterzogen. 587 Patientinnen vollendeten ein zweijähriges Follow- up (78 gestielte TRAM, 92 freie TRAM, 355 DIEP, 62 SIEA).

SIEA-Lappen mit höheren Risiken verbunden

Die Rate an Nebenwirkungen an der Spenderstelle betrug zwei Jahre nach Op. 27,3 Prozent. Die beiden TRAM-Methoden schnitten dabei besser ab  (gestielt: 18%; frei: 15,2%) als DIEP (27,9%) und SIEA (53,2%).

Auch nach Multivariat-Analyse waren die SIEA-Lappen mit signifikant höheren Raten an Komplikationen assoziiert als DIEP-Lappen (OR, 2.73; p = 0.001). Gestielte (OR, 0.63; p = 0.18) und freie TRAM-Lappen (OR, 0.52; p = 0.06) zeigten einen Trend zu weniger Komplikationen im Vergleich zu DIEP-Lappen. Gegenüber den SIEA-Flaps waren freier (OR, 0.23; p < 0.001) und gestielter TRAM-Lappen (OR, 0.19; p < 0.001) signifikant überlegen. Serome, Wunddehiszenzen und Wundinfektionen wurden am häufigsten bei Patientinnen mit SIEA-Lappen festgestellt (30,7%, 27,4% und 14,5%). Dahingegen traten Ausbuchtungen an der Abdominalwand/Schlaffheit/Hernien vermehrt in der gestielten TRAM-Lappen (9%) bzw. in der freien TRAM-Lappen Gruppe (5,4%) auf. Rauchende Probandinnen und Diabetikerinnen hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für Komplikationen der Spenderstelle.

Die Autoren untersuchten zudem die Raten der Komplikationen, die an der Brust auftraten. Diese betrug zwei Jahre nach Op. insgesamt 29,6 Prozent. Bei den freien TRAM-Lappen lag sie nur bei 19,6 Prozent und war damit geringer als bei den anderen Methoden (gestielter TRAM-Lappen: 32,1%; DIEP: 31%; SIEA: 33,9%). Die Multivariat-Analyse zeigte jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Techniken. Ein höherer Body-Mass-Index und Rauchen war mit einer höheren Rate an solchen Komplikationen assoziiert.

Größeres Wohlbefinden mit SIEA

Die Probandinnen wurden zusätzlich nach ihrer Zufriedenheit befragt. Patientinnen mit SIEA-Lappen hatten ein Jahr nach Op. hinsichtlich des Wohlbefindens an der abdominalen Seite einen besseren Score als Probandinnen mit DIEP-Flaps. Der Unterschied war allerdings zwei Jahre nach dem Eingriff nicht mehr signifikant.

Die Werte für die gestielte und die freie TRAM-Gruppe waren zwei Jahre nach Op. geringer als die im DIEP-Arm. Verglichen mit SIEA waren die Scores der gestielten TRAM-Flaps signifikant geringer (p = 0,03) und auch die freien TRAM-Lappen zeigten zumindest diesen Trend (p = 0,09).

Patientinnen mit bilateraler Brustrekonstruktion hatten allgemein einen niedrigeren Wohlfühl-Score.

Fazit

Zwar fühlten sich die Patientinnen, die sich der DIEP und der SIEA-Methode unterzogen hatten, besser als die Probandinnen mit TRAM-Lappen – jedoch zeigten die erst genannten Ops eine höhere Komplikationsrate. Ärzte sollten ihre Patientinnen daher hinsichtlich der unterschiedlichen Komplikationsraten und den möglichen Einschränkungen, die auch Jahre nach der Op. auftreten können, aufklären. Besondere Aufmerksamkeit bei der SIEA-Methode sollte auf der abdominalen Spenderstelle liegen, da hier die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen besonders hoch ist. Die Autoren geben zu bedenken, dass zwei Jahre Follow-up-Zeit möglicherweise nicht ausreichen, um die klinischen Ergebnisse tatsächlich zu beurteilen. Längere Follow-up Studien könnten möglicherweise besser die Physis und die Patientenzufriedenheit bewerten.

Literatur
Bildnachweise