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10.04.2018 | Botulinumtoxin | Nachrichten

Kühlung nach Injektion sinnvoll?

Botulinumtoxin: Vorsicht vor Mythen!

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Schon seit den 1980er Jahren wird Botulinumtoxin für ästhetische Zwecke verwendet. Trotz dieser langen Nutzungsdauer gibt es immer noch Mythen, die sich um das Nervengift ranken. Zeit zur Aufklärung, dachten sich Jeffrey Dover und Kollegen und erläutern, welche Aussagen tatsächlich evidenzbasiert sind [1].

Stimmt es zum Beispiel, dass verschiedene Produkte unterschiedliche Ergebnisse erzielen? Oder dass das Injektionsvolumen eine maßgebliche Rolle spielt? In ihrem Review gehen Jeffrey S. Dover und Kollegen sieben Mythen rund um die Behandlung mit Botulinumtoxin A (BTXA) auf den Grund.

Mythos 1: Verschiedene Produkte erzielen unterschiedliche Ergebnisse

In den USA sind bisher drei BTXA-Produkte zugelassen (AbotulinumtoxinA: Dysport®, Botox® und IncobotulinumtoxinA: Xeomin®). In nur wenigen kontrollierten randomisierten Studien wurden die verschiedenen Produkte miteinander verglichen. Laut Autoren gibt es bis jetzt allerdings keine Evidenz, dass zumindest Botox® und Dysport® unterschiedlich gut wirken.

Mythos 2: Die Diffusionsprofile unterscheiden sich zwischen den BTXA-Formulierungen

Wie manche Forscher behaupten, hängt die Ausbreitung von BTXA nach Injektion vom Proteingehalt der Lösung ab. Je geringer die molekulare Masse der Proteine, desto weiter „entfernt“ sich das Nervengift von der Injektionsstelle und desto höher ist das Risiko für Nebenwirkungen. Laut Autoren existiert jedoch auch hier keine gesicherte klinische Studie, die diese Behauptung unterstützt. Auch gibt es nur eine geringe Evidenz für die unterschiedlichen Diffusionsradien der verschiedenen BTXA-Produkte. Eine größere Rolle spielt jedoch die Dosierung.

Mythos 3: Der Proteingehalt ist entscheidend

Während der BTXA-Produktion durch Bakterien wird das aktive Molekül des Nervengifts mit Neurotoxin-assoziierten Proteinen gekoppelt. Dieser Komplex schützt BTXA davor, im Gastrointestinaltrakt zerstört zu werden. In der Literatur wird teilweise behauptet, dass die Proteine die Ausbreitung und Diffusion von BTXA in benachbartes Gewebe einschränken könnten. Für diese These fehlt jedoch bis heute die Evidenz aus klinischen Studien [1,2]. Auch scheint der Proteingehalt zwischen den BTXA-Formulierungen klinisch nicht relevant zu sein.

Mythos 4: Neutralisierende Antikörper bestimmen das klinische Ergebnis

Ursprünglich wurde von BTXA-Anwendern befürchtet, dass der Proteingehalt das Risiko für die Bildung neutralisierender Antikörper erhöhen würde. Dieses Ereignis wird allerdings für BTXA-Formulierungen eher selten beobachtet. Der Proteingehalt könnte laut Autoren jedoch zumindest teilweise für die Bildung verantwortlich sein. Zudem steigert eine höhere Dosis das Risiko. Der Zusammenhang zwischen Antikörpern und dem klinischen Ergebnis ist laut Autoren enorm komplex. Anwender sollten auch andere Faktoren berücksichtigen, die ein klinisches Ansprechen verringern könnten.

Mythos 5: Die Lösung in der BTXA rekonstituiert wird, ist wichtig

Die meisten BTXA Formulierungen existieren als Puder, die je nach Empfehlung in einer sterilen Salzlösung rekonstituiert werden. Es häufen sich aber Hinweise dafür, dass die Verwendung einer konservierten Kochsalzlösung den Patientenkomfort erhöht, ohne die Effizienz zu verringern [1,3-5].

Mythos 6: Das Injektionsvolumen spielt eine entscheidende Rolle

Es gibt zwar Studien, die verschiedene Injektionsvolumina untersuchen – jedoch zeigen diese (zumindest in ästhetischen Prozeduren) keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Effizienz [1,6-8].

Mythos 7: Nachbehandlungen sind evidenzbasiert

Um Nebenwirkungen zu verhindern, erhalten Patienten nach einem ästhetischen Eingriff Hinweise für die Nachbehandlung und Pflege. Viele davon sind jedoch spekulativ: Beispielsweise die Empfehlung, den Kopf für sechs Stunden nach der Injektion in einer aufrechten Position zu halten. Dies soll ein Ptosis verhindern. Allerdings gibt es keine Evidenz dafür, dass die Neigung des Kopfes in eine horizontale Position eine Ptosis oder eine Diffusion des Giftes beeinflusst. 

Eine weitere häufige Empfehlung: Patienten sollen die Muskeln massieren oder bewegen, um die Aufnahme von BTXA zu verbessern und Dellen zu vermeiden. Manche Ärzte warnen jedoch auch davor, denn gerade bei der Behandlung von Bunny Lines kann es zu einer erhöhten Diffusion kommen.

Die Kühlung der Injektionsstelle soll die Bildung von Hämatomen verhindern und Schmerzen lindern. Jedoch könnte dies die Effizienz der Behandlung lindern [1,9].

Literatur

Weiterführende Themen

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