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04.02.2014 | Rosazea | Nachrichten

Verdacht entkräftet

Keine Rosazea durch Kalziumantagonisten?

Autor:
Dr. Robert Bublak

Kalziumantagonisten stehen im schlechten Ruf, wegen ihrer erythematogenen Eigenschaften die typischen Hauterscheinungen der Rosazea auszulösen. Offenbar zu Unrecht, wie eine Schweizer Studie gezeigt hat.

Kalziumantagonisten, vor allem jene vom Dihydropyridintyp, erweitern die Gefäße, Betablocker verengen sie – theoretisch ist es nachvollziehbar, wenn Erstere unter Verdacht stehen, Rosazea zu triggern. Letztere hingegen gelten als Off-Label-Medikation für die Rosazea-typischen Effloreszenzen. Praktische Belege für diese Effekte, Schaden wie Nutzen, sind allerdings spärlich gesät. Pharmakologen um Prof. Christoph Meier, Chefapotheker des Universitätsspitals Basel, haben der Verbindung zwischen der Einnahme verschiedener Antihypertensiva und der Rosazeainzidenz nun im Zuge einer Fall-Kontroll-Studie nachgespürt.

Kein negativer Einfluss feststellbar

Meier und Mitarbeiter stellten knapp 54.000 Rosazea-Patienten ebenso viele merkmalsgleiche Kontrollprobanden gegenüber. Die Forscher berechneten, wie viele Patienten vor der Diagnose ihrer Hauterkrankung welche Antihypertensiva eingenommen hatten – und wie lange. Das Ergebnis verglichen sie mit den Verordnungen für die Mitglieder der Kontrollgruppe.

Es zeigte sich, dass Theorie und Praxis nicht übereinstimmen. 6,7% der Rosazeapatienten hatten vor der Diagnose Kalziumantagonisten eingenommen. Der Anteil von Kontrollprobanden, die solche Präparate verwendet hatten, lag ebenfalls bei 6,7%. Berücksichtigte man in beiden Gruppen nur die langzeitig (40 und mehr Verordnungen) mit Kalziumantagonisten Behandelten, ergab sich sogar ein Übergewicht aufseiten der Kontrollen: 1,6% von ihnen, aber nur 1,3% der Rosazeapatienten hatten Kalziumantagonisten dieses Typs über eine so lange Zeit eingenommen.

„Betablocker senken das Risiko leicht“

Bei den Betablockern zeigten sich etwas geringere Einnahmeraten für Atenolol und Bisoprolol unter den Hautpatienten. Für Propranolol wie für Betablocker allgemein lag die Quote leicht höher. Langzeitige Therapie mit Betarezeptorenblockern war bei den Hautgesunden wiederum häufiger. Für ACE-Hemmer und Angiotensinrezeptorblocker waren keine Unterschiede zwischen den Gruppen festzustellen.

„Unsere Daten widersprechen der Ansicht, wonach Kalziumantagonisten der Rosazea Vorschub leisten“, schlussfolgern Meier und seine Kollegen. Betablocker seien mit einem etwas reduzierten Risiko verbunden, wobei sich der Effekt bei Patienten mit erythematös-teleangiektatischer Rosazea etwas stärker bemerkbar machen könnte.

Literatur