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15.05.2017 | Rosazea | Nachrichten

Nurses’ Health Study

Viel Alkohol, erhöhtes Risiko für Rosazea

Autor:
Thomas Müller

Je mehr Alkohol Frauen trinken, umso höher ist die Gefahr, an Rosazea zu erkranken. Ob das tatsächlich am Alkohol liegt, ist jedoch fraglich.

Es gibt wohl kaum eine Krankheit, deren Zusammenhang mit einer bestimmten Lebens- und Ernährungsweise nicht schon retrospektiv in der Nurses’ Health Study untersucht worden ist – denkt man. Bis dann wieder eine Publikation auftaucht. Dieses Mal geht es um den Alkoholgenuss der US-Krankenschwestern und die Rosazea-Inzidenz. Wie ein Team um Dr. Suyun Li aus Jinan in China und aus Boston in den USA berichtet, ergibt sich hier in der Tat eine dosisabhängige Korrelation: Je mehr die Schwestern bechern, umso höher ist ihr Erkrankungsrisiko. Vor allem mit Weißwein sollten sie vorsichtig sein – sofern es überhaupt eine kausale Beziehung gibt. Die können die Forscher natürlich nicht belegen. 

Bis zu 53% erhöhtes Risiko

Für ihre Analyse haben sie Angaben zu knapp 83.000 Krankenschwestern ausgewertet, die zwischen 1991 und 2003 regelmäßig die Lebensstilfragebogen ausfüllten und dabei auch ihren Alkoholkonsum angaben. Im Jahr 2005 wurden die Frauen zusätzlich gefragt, ob bei ihnen schon mal eine Rosazea diagnostiziert worden ist, und, falls ja, wann. Die Forscher um Li schauten nun, wie viel die Frauen in den Jahren vor der Diagnose getrunken hatten.

Zu Beginn der Studie im Jahr 1991 waren die Teilnehmerinnen im Schnitt 36 Jahre alt, 40% tranken zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben keinen Alkohol, fast ebenso viele so gut wie keinen (1–4 g/d), 14% zwischen 5 und 14 g und nur 3,6% konsumierten 15 g oder mehr. 15 g Alkohol sind etwa in einem kleinen Bier (0,33 l) oder einem Achtel Wein enthalten. Der Alkoholkonsum war – sofern man den Angaben überhaupt traut – also äußerst gering. Zum Vergleich: In Deutschland lag der durchschnittliche Konsum zu Beginn der 1990er-Jahre bei 27 g am Tag – vom Säugling bis zum Greis. Bei Erwachsenen im mittleren Lebensalter dürften es also deutlich über 30 g gewesen sein. Wenn 80% der US-Krankenschwestern nach eigenen Angaben weniger als 5 g/d tranken, klingt das recht wenig.

Nichtsdestotrotz ergaben sich signifikante Zusammenhänge zwischen selbstberichtetem Alkoholkonsum und Rosazea-Inzidenz. So kam es im Laufe von 1,1 Millionen Personenjahren zu knapp 5000 Rosazea-Diagnosen, was auf ein Erkrankungsrisiko von 0,45% pro Jahr hinausläuft. Dabei trat die Erkrankung bei geringem Konsum (0–4 g/d) etwa 10% häufiger auf als bei Abstinenz, die Differenz wuchs dosisabhängig bis auf 53% bei den wenigen Frauen mit einem Konsum von mehr als 30 g/d. Berücksichtigt wurden bei der Berechnung neben Alter, BMI, Ethnie und Gebrauch von Hormonpräparaten auch die Zahl der in der Vergangenheit sowie aktuell gerauchten Zigaretten. 

Deutlichstes Gefahr unter Weißwein

Schauten die Forscher um Li nach der Art der Getränke, so ergab sich ein klarer dosisabhängiger Bezug nur für Weißwein und Hochprozentiges, was wohl daran gelegen haben könnte, dass solche alkoholischen Getränke von den Krankenschwestern bevorzugt wurden. Da jedoch vor allem Rotwein und weniger Weißwein als Trigger für die Flushsymptome bei Erkrankten gilt, überrascht es, dass für Rotwein kein Dosisbezug festgestellt wurde. So war die Erkrankungsrate bei einmal wöchentlichem Rotweingenuss deutlich höher als bei fünfmal wöchentlichem.

Das Team um Li diskutiert dennoch primär Alkohol als Ursache für den beobachteten Zusammenhang. Sie sehen vor allem die alkoholbedingte Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine und Katecholamine am Werk. Sie könnten die faziale Vasodilatation bei Rosazea begünstigen.

Allerdings stehen solche Vermutungen auf äußerst wackeligen Beinen. So dürfte Stress ein wesentlich potenterer proinflammatorischer Faktor als Alkohol sein. Da Menschen unter Stress mehr rauchen und trinken, könnte dies die Beobachtungen vollständig erklären. Zu denken gibt etwa der Raucheranteil, der mit der Alkoholdosis wesentlich stärker steigt als die Rosazea-Inzidenz: Von 8,5% bei den Abstinenzlern auf 36% bei den Frauen mit einem Konsum von über 30 g/d. Hier wäre zu fragen, ob nicht vielmehr die Probleme, die Frauen zum Glas und zum Glimmstängel greifen lassen, etwas mit der Rosazea-Inzidenz zu tun haben. Diese nahe liegende Erklärung hat das US-chinesische Team jedoch nicht einmal erwähnt.

Literatur

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