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22.02.2016 | Photodynamische Therapie | Nachrichten

Aktinische Keratose

Photodynamische Therapie funktioniert auch mit Weißlicht

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Zur Durchführung einer photodynamischen Therapie bei aktinischer Keratose muss der Patient weder Schmerzen in Kauf nehmen noch sich stundenlang im Freien aufhalten. Wie eine Studie gezeigt hat, erzielt man auch mit einer gewöhnlichen Weißlichtquelle gute Effekte.

Die photodynamische Therapie mit Tageslicht (DPDT, Daylight Photodynamic Therapy) ist eine bei Patienten sehr beliebte Methode zur Behandlung aktinischer Keratosen (AK). Bei dieser Variante wird wie bei der konventionellen PDT der Lichtsensibilisator (5-Aminolävulinsäure, ALA, oder Methyl-5-Amino-4-Oxopentanoat, MAOP) auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Die Wartezeit bis zur Lichtexposition beträgt jedoch nur eine halbe Stunde.

Entzündungsreaktionen werden vermieden

Für den Patienten entscheidend ist aber ein weiterer Unterschied: Die Tageslichtmethode ist mit deutlich weniger Schmerzen verbunden als die herkömmliche PDT mit kaltem Rotlicht. Dies hängt damit zusammen, dass die aktive Substanz, Protoporphyrin IX (PpIX), unter der zweistündigen Tageslichtexposition kontinuierlich gebildet und in dem Maße wieder inaktiviert wird, wie sie aus der Vorläufersubstanz entsteht; so werden Entzündungsreaktionen zu einem Großteil vermieden.

Einer der wenigen Nachteile der DPDT ist jedoch der erzwungene mehrstündige Aufenthalt im Freien. Die meist älteren Patienten empfinden diesen oft als unangenehm, besonders bei kühler, windiger Witterung. Sehr oft handelt es sich bei den betroffenen Arealen um Stirn oder Glatze; Kopfbedeckungen zum Schutz vor Kälte können während der Tageslichtexposition also nicht getragen werden.

Kunstlicht ebenso effektiv wie Tageslicht

Hier zeichnet sich jetzt eine Lösung ab: die photodynamische Therapie mit einer künstlichen weißen Lichtquelle (AWLPDT, Artificial White Light PDT). Diese erwies sich in einer randomisierten Studie als ebenso effektiv und genauso wenig schmerzhaft wie die PDT mit Tageslicht. Der Vorteil: Die Patienten müssen sich nicht Wind und Wetter aussetzen, auch nicht starker Sonneneinstrahlung, sondern können im Zimmer bleiben. Die Therapie kann zudem ganzjährig durchgeführt werden, auch bei Regen oder Schnee.

Die Dermatologen um Susan O'Gorman vom Saint Vincent’s University Hospital in Dublin haben für ihre Studie 22 Männer im Alter zwischen 47 und 85 Jahren (Durchschnittsalter 72) mit weitgehend gelichtetem Haupthaar herausgesucht. Die Kopfhaut der Teilnehmer wies deutliche lichtassoziierte Hautschäden und eine Vielzahl aktinischer Keratosen auf. Bei allen Patienten kamen nacheinander DPDT und AWLPDT zum Einsatz, und zwar auf verschiedenen, voneinander abgegrenzten Kopfhaut- bzw. Stirnarealen, wobei jeweils nur ein Areal mit einem MAOP-Präparat eingecremt wurde. Zwischen Tageslicht- und Weißlichtbehandlung lag im Mittel eine Woche. Als Lichtquelle für Letztere diente eine OP-Lampe. Die Dauer der Exposition betrug jeweils zwei Stunden.

Wie O’Gorman et al. berichten, lag die mit Tageslicht erreichte effektive Dosis, bezogen auf das Absorptionsspektrum von PpIX, im Mittel bei 21,38 J/cm2 (die Werte schwankten je nach Wetter zwischen 3,20 und 43,00 J/cm2). Auch im Hautfeld, das das Licht der OP-Lampe abbekommen hatte, waren die effektiven Dosen unterschiedlich, sie nahmen vom Zentrum zu den Rändern hin ab (von 9,00 auf 4,00 J/cm2).

Nach den Sitzungen wurden die Patienten neun Monate lang nachbeobachtet. Auf jeweils beiden Arealen waren die Stellen mit AK bereits nach einem Monat deutlich zurückgegangen, nämlich im Mittel von 20,5 auf 8,5 im DPDT-Feld und auf 7,5 im AWLPDT-Feld. Die Reduktion der aktinischen Keratosen betrug nach einem Monat 62,3% bzw. 67,7%. Die Unterschiede waren zu keinem Zeitpunkt signifikant. Der Effekt hielt auf beiden Seiten über die gesamte Beobachtungszeit an, wenngleich sich teilweise neue AK an denselben oder an anderen Stellen gebildet hatten.

Schmerzarme Methode

Schmerzen wurden auf einer 100-mm-VA-Skala gemessen (je höher der Wert, desto höher der Schweregrad). Die Scores waren in beiden Gruppen etwa gleich niedrig; das Maximum lag bei 4 bzw. 6 mm. Nach der DPDT zeigte sich auf der Kopfhaut bei 55% der Teilnehmer ein leichtes, bei 41% ein mäßiges Erythem, das bis zu sieben Tage anhielt; nach der AWLPDT waren es 32% bzw. 59%. Ein Patient hatte jeweils drei Tage nach jeder Exposition Pusteln und Erosionen entwickelt; diese konnten jedoch mithilfe von Kortikosteroiden und Emollentien schnell in den Griff gebracht werden.

Das Resümee der Autoren: Mit künstlichem Weißlicht lassen sich bei aktinischer Keratose ebenso gute Erfolge erzielen wie mit Tageslicht; beide Methoden sind nahezu schmerzfrei. Anstelle einer OP-Lampe eignet sich, wie Studienkommentator Hans Christian Wulf von der Universität Kopenhagen anmerkt, beispielsweise auch ein Dia- oder Overhead-Projektor als Lichtquelle; aber auch die für die konventionelle PDT üblichen blauen oder roten LED-Lampen können eingesetzt werden. Die Forscher empfehlen eine etwa einmal jährliche Wiederholung der Therapie zur Behandlung etwaiger Rezidive.

Literatur