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05.08.2016 | Microneedling | Nachrichten

Neue ästhetische Verfahren

Microneedling, Lasertherapie und Filler im Fokus

Autor:
Angelika Bauer-Delto

Die ästhetische Dermatologie war einer der Schwerpunkte der Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München, die in diesem Jahr vom 23. bis 29. Juli ihr 25. Jubiläum feierte. Zu den Highlights zählte ein praktischer Kurs organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Ästhetische Dermatologie und Kosmetologie (ADK), der einen guten Überblick über neue Behandlungsansätze bot.

Anliegen des Kurses war es, ein breites Spektrum neuer Entwicklungen in der ästhetischen Dermatologie vorzustellen, so Prof. Dr. Claudia Borelli, Leiterin der Einheit für Ästhetische Dermatologie und Laser der Universitäts-Hautklinik Tübingen und 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ästhetische Dermatologie und Kosmetologie e.V. (ADK). Präsentiert wurden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie eigene Erfahrungen, und die praktische Anwendung wurde anschaulich demonstriert.

Microneedling bessert Aknenarben

Zur ästhetischen Behandlung von Narben wird herkömmlich vor allem ein Skin resurfacing mittels Laser oder eine Dermabrasion eingesetzt. Immer mehr Patientinnen und Patienten möchten die damit einhergehenden langen Ausfallzeiten jedoch nicht in Kauf nehmen, berichtete Borelli aus ihrer Praxis. Ein neues Verfahren, das zu einer nur kurzen Ausfallzeit am Behandlungstag führt, sei das Microneedling. Die Gefahr von Nebenwirkungen sei gering. Weitere Vorteile sind, dass die Behandlung ganzjährig und auch bei dunkleren Hauttypen möglich ist.
Im Beratungsgespräch sollte über den zu erwartenden Erfolg und auch über alternative Behandlungsverfahren informiert werden. Eine schriftliche Aufklärung, und zwar schon vor dem Behandlungstag, sei zwingend, betonte Borelli. Auch die Nachbehandlung ist ausführlich zu erläutern. In ihrer Praxis wird nach dem Microneedling ein Verband aufgelegt, der bis zum nächsten Morgen verbleibt. Über dessen Notwendigkeit könne man jedoch durchaus diskutieren. Ab dem ersten Tag nach der Behandlung ist Make up erlaubt. Wichtig ist eine strenge Sonnenkarenz.
Das Microneedling wird unter topischer Lokalanästhesie durchgeführt. Die Behandlung erfolgt nach ausführlicher Desinfektion und mit sterilen Handschuhen. Borelli benutzt in der Regel die Nadellänge 1,5 mm. Die Anwendung sei einfach, sollte jedoch mit Fingerspitzengefühl erfolgen.
Die Haut muss bluten, so die Hautärztin. Das Microneedling führt zu Mikroverletzungen, die Wundheilungsvorgänge initiieren. Es kommt zu einer Neogenese von Kollagen- und Elastinfasern. Das Gewebe wird geschmeidiger und elastischer und durch die Neubildung von Kapillargefäßen wird die Durchblutung verbessert.
Anwendungsgebiete des Microneedling sind vor allem Aknenarben, aber auch Narben anderer Genese wie beispielsweise durch Selbstverletzungen, leichte Faltenbildung sowie Dehnungsstreifen. Für frische Narben, hypertrophe Narben sowie Keloide ist das Verfahren nicht geeignet.
Werden Patienten darauf hingewiesen, dass Verbesserungen erst nach der zweiten bis dritten Behandlung sichtbar werden, sei die Compliance gut, so die Dermatologin. Sinnvoll ist eine Fotodokumentation des Behandlungsfortschritts.
Bei einer neuen Technologie wird das Microneedling unter Einsatz von Radiofrequenz durchgeführt. Die Hauterneuerung nach der Anwendung wurde in histologischen Untersuchungen an der Haut von Schweinen aufgezeigt [1]. Vorteil sei, dass dieses Verfahren ohne Lokalanästhesie angewendet werden kann, sagte Borelli. Auch ausgeprägte Aknenarben an größeren Arealen wie beispielsweise am Rücken lassen sich damit gut behandeln.

Vielfältiger Einsatz der fraktionierten ablativen Lasertherapie

Die fraktionierte ablative Lasertherapie hat ihr Anwendungsgebiet ebenfalls in der Behandlung von Narben sowie insbesondere auch von Zeichen der Hautalterung und Lichtschäden wie Falten und Pigmentflecken. Als fraktionierte ablative Systeme stehen CO2- sowie Erbium:YAG-Laser zur Verfügung.
Ob zur Kollagenstimulation und Hautglättung beispielsweise ein Microneedling, eine Ultraschall- oder Radiofrequenz-Behandlung oder ein fraktionierter Laser eingesetzt wird, hänge nicht zuletzt auch von den Erfahrungen und den Vorlieben des Anwenders ab, sagte Priv.-Doz. Dr. Maja Hofmann, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité Berlin. Es liegen zwar histologische Untersuchungen bei Schweinen vor, die zeigen, dass der fraktionierte CO2-Laser tiefer eindringt als der fraktionierte Erbium:YAG-Laser oder Radiofrequenz [2]. Vergleichsstudien zu den Ergebnissen, die sich beispielsweise mittels Microneedling, Radiofrequenz und fraktionierter ablativer Lasertherapie erzielen lassen, sind jedoch nicht verfügbar.
Aknenarben und flächige Narben ebenso wie Fältchen im Gesichtsbereich lassen sich mit fraktionieren ablativen Lasersystemen gut behandeln, so Hofmann. Es sei mit einer Ausfallzeit von drei bis vier Tagen zu rechnen. Im Hals- und Dekolleté-Bereich riet die Dermatologin zur Vorsicht, um eine Narbenbildung und postinflammatorische Hyperpigmentierungen zu vermeiden. Eine mögliche Komplikation sind auch Infektionen, insbesondere mit Herpes simplex. Bei einer großflächigen Ablation empfiehlt Hofmann eine Prophylaxe und eine engmaschige Kontrolle.
Sind bei ästhetisch störenden Alterungszeichen Kombinationsbehandlungen sinnvoll, bevorzugt Hofmann, diese in verschiedenen Sitzungen durchzuführen. Botulinumtoxin kann auch unmittelbar nach der Laserbehandlung injiziert werden, bei Fillern sollte besser die Wundheilung abgewartet werden. Bei Patienten, die mit Botulinumtoxin oder auch natürlichen Fillern wie Hyaluronsäure vorbehandelt sind, sollte bis zur Laserbehandlung ein Abstand von drei bis vier Wochen eingehalten werden. An Arealen mit synthetischen Fillern sollte keine Laserbehandlung erfolgen, riet die Hautärztin. Eine vorherige Mikrodermabrasion kann die Ergebnisse der Behandlung mit dem fraktionierten Laser noch verbessern.
Ein weiteres Einsatzgebiet des fraktionierten ablativen Lasers ist die Prävention von Operationsnarben. Eine frühe Behandlung mit dem Farbstofflaser mindert eher Rötungen, während der fraktionierte CO2-Laser hinsichtlich der Texturverbesserung überlegen ist [3].
Interessant sei auch eine Laser-assistierte Drug Delivery, sagte Hofmann. Mit Hilfe eines fraktionierten ablativen Lasersystems kann die Penetration topisch applizierter Substanzen durch das Stratum corneum verbessert werden. So kann beispielsweise die Effektivität der photodynamischen Therapie (PDT) durch eine Vorbehandlung mit einem fraktionalen ablativen Laser gesteigert werden, da hierdurch der Photosensibilisator besser eindringen kann.

Filler differenziert einsetzen

Nicht-resorbierbare Fillersubstanzen wie Acrylate, Silikon oder Calciumhydroxylapatit sind nahezu obsolet, sagte Dr. Alexandra Ogilvie, Hautärztin in München. Zu bevorzugen seien resorbierbare Filler, die ein wesentlich besseres Sicherheitsprofil aufweisen. Heute steht ein breites Portfolio an Hyaluronsäure-Fillern mit unterschiedlicher Haltbarkeit, Hebekraft, Gewebeintegration und biostimulatorischer Kapazität zur Verfügung. Dies erlaubt je nach anatomisch-morphologischen Anforderungen eine gezielte Auswahl geeigneter Produkte für einen differenzierten Einsatz im Gesicht, am Hals und am Dekolleté sowie an den Händen. Die Dermatologin empfahl, auf zugelassene Produkte seriöser Hersteller zu setzen, deren Effektivität und Sicherheit durch Studiendaten belegt sind.
Zu den neueren Behandlungsmethoden zählt das Skinboosting, bei dem stabilisierte, wenig quervernetzte Hyaluronsäure in feinen Tröpfchen großflächig mittels kurzer linearer Technik, Fächer- oder Criss-Cross-Technik injiziert wird. Ziel ist nicht die lokale Faltenkorrektur oder der Volumenaufbau, sondern eine Verbesserung der Hautstruktur.
Die Effekte auf die Hautqualität belegen wissenschaftliche Untersuchungen [4]: Es kommt zu einer Dehnung der extrazellulären Matrix und einer indirekten Stimulation der Fibroblasten, die in der Folge vermehrt Kollagen bilden. Die messbar gesteigerte Bildung von Typ 1-Prokollagen im Behandlungsareal war auch nach einem Jahr noch nachweisbar. Damit verbessern sich Elastizität und Struktur der Haut nachhaltig. Die Patienten sollten aber darauf hingewiesen werden, dass wiederholte Behandlungen sinnvoll und für nachhaltige Effekte erforderlich sind.
Das Skinboosting eignet sich für eine Hautauffrischung im Gesicht, an Hals und Dekolleté sowie an den Händen. Gut geeignet sind Skinbooster Ogilvie zufolge auch für problematische Areale wie Oberlippenfältchen, wenn keine Veränderung in Volumen und Form der Lippen gewünscht wird. Herabgezogene Mundwinkel werden ebenfalls gebessert, eine zusätzliche Volumengabe zur Behandlung einer Nasolabialfalte oder eine Behandlung des Musculus depressor anguli oris mit Botulinumtoxin A kann aber sinnvoll sein. Die Behandlung sollte schrittweise erfolgen, um möglichst natürliche Ergebnisse zu erzielen, empfahl Ogilvie.

Literatur

[1] Gershonowitz A., Gat A.: J Cosmet Laser Ther 2015; 17 (1): 9-14
[2] Shin MK et al.: J Cosmet Laser Ther 2014; 16 (6): 317-323
[3] Kim DH et al.: Dermatol Surg 2014; 40 (9): 973-978
[4] Quan T et al.: J Invest Dermatol 2013; 133 (3): 658-667 

Literatur

Weiterführende Themen