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27.10.2017 | Körperkonturierung | Nachrichten

Schluss mit Storchenbeinen!

Endlich wohlgeformte Waden

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Wadenvergrößerungen erfolgen häufig aus ästhetischen Gründen. Aber auch die Rekonstruktion der Waden nach einer Krankheit ist möglich. Langzeitergebnisse bezüglich Sicherheit und Patientenzufriedenheit gibt es wenige – eine Studie liefert dazu nun neue Daten.

Wenn es um Schönheit geht, steht nicht immer nur das Gesicht im Mittelpunkt – auch die Beine, gerade die Waden, ziehen vermehrt Aufmerksamkeit auf sich. Eine Wadenvergrößerung ist vor allem für Menschen mit dünnen Beinen oder für Profi-Bodybuilder interessant. Teilweise werden Waden aber auch nach Krankheiten wie Poliomyelitis oder Klumpfuß, die die Beine deformieren, in Anspruch genommen.

Bisher gibt es nur wenige Langzeitstudien über die Ergebnisse von Wadenvergrößerungen durch Silikonimplantate [1-3]. Die Studie rund um das Team von Igor Niechajev liefert nun weitere Langzeitergebnisse hinsichtlich Sicherheit und Patientenzufriedenheit [4].

Langzeit-Follow-up zwischen sechs Monaten und 20 Jahren

Zwischen 1991 und 2016 wurden 60 Wadenkorrekturen an 50 Patienten (31 Frauen und 19 Männer im Alter zwischen 17 und 59 Jahren) durchgeführt. Davon waren sechs Patienten Bodybuilder, 23 ließen sich aus ästhetischen Gründen operieren. Bei 21 Patienten wurden die Waden aufgrund einer Beindeformation nach einer Krankheit, beispielsweise einem Klumpfuß in acht der 21 Fälle, rekonstruiert. Alle Patienten konnten nach fünf bis zehn Tagen normale Aktivitäten ausüben und nach einem Monat wieder sportlich aktiv sein. Die Bodybuilder konnten nach sechs Wochen wieder Gewichte heben.

Bei 37 der 50 Patienten gab es ein Langzeit-Follow-up zwischen sechs Monaten und 20 Jahren. Bei 17 Patienten war das Follow-up länger als fünf Jahre. Davon wurden neun länger als zehn Jahre beobachtet.

Gute Resultate, wenig Komplikationen

Laut des behandelnden Chirurgen wurden mit den Operationen in 30 von 37 Fällen langfristig gute bis exzellente Resultate erzielt. Bei fünf Patienten waren die Ergebnisse „gut“, bei einem „zufriedenstellend“ und bei einem „katastrophal“.

In den Bewertungen aus Patientensicht gab es größere Unterschiede: 18 bewerteten das Ergebnis als „sehr gut“, zehn als „gut“ und sieben als „akzeptabel“. Zwei Patienten gaben an, mit dem Ergebnis nicht zufrieden zu sein (Bewertung: „schlecht“).  

Zwischen den drei Gruppen (Korrektur aus ästhetischen Gründen, Bodybuilder und Wadenoperation nach einer Krankheit) waren die Ergebnisse hinsichtlich Patientenzufriedenheit unterschiedlich. Bei den aus ästhetischen Gründen durchgeführten Korrekturen korrelierten die Bewertungen der Chirurgen mit denen der Patienten. Viele Patienten waren glücklich über das Ergebnis und fühlten sich zum ersten Mal wohl, ihre Beine auch in der Öffentlichkeit und in Shorts zu zeigen. Die Gruppe der Bodybuilder war dabei nicht ganz so leicht zufrieden zu stellen: Einer wünschte sich noch größere Waden und eine Patientin bedauerte, sich nicht für kleinere Implantate entschieden zu haben. Ein dritter änderte die Größe der Implantate dreimal in elf Jahren.

Schwierigkeiten gab es auch bei den Fällen mit der Wadenrekonstruktion nach einer Krankheit. Vier männliche Patienten konnten nicht akzeptieren, dass das Ergebnis nicht gleichmäßig war und wünschten sich eine weitere Op. mit größeren Implantaten, die jedoch abgelehnt wurde. In fünf Fällen wurde bei der anderen, gesunden Wade eine Liposuktion durchgeführt, um die Symmetrie zu verbessern. Immerhin konnte bei elf Patienten die Wadenkontur fast perfekt rekonstruiert werden.

Bei einem Profi-Bodybuilder gab es schwere Komplikationen: In einem Bein blieb ein akutes, anteriores Kompartmentsyndrom bestehen. Die Implantate wurden daher 16 Stunden nach der Op. wieder entfernt. Trotzdem entwickelte der Patient eine Ischämie, die zur Muskelnekrose führte. Nach mehreren chirurgischen Eingriffen konnte er jedoch seine Bodybuilding-Aktivitäten wieder aufnehmen.

Das Fazit der Autoren

Die Vergrößerung der Waden stellt, wenn sie richtig und sauber durchgeführt wird, eine sichere, effiziente und ästhetisch zufriedenstellende Operation dar. Besonders bei Operationen aus ästhetischen Gründen liefert die Wadenvergrößerung schnelle und gute Ergebnisse. Eine größere Herausforderung scheint zu sein, wenn die Operation als Folge einer krankheitsbedingten Deformation erfolgt. Auch Bodybuilder, die sich die Waden vergrößern lassen, sind nicht so leicht zufrieden zu stellen. Die Möglichkeit der Entwicklung eines akuten Kompartmentsyndroms sollte im Hinterkopf behalten werden. Gerade Bodybuilder haben ein höheres Risiko, ein solches Syndrom zu entwickeln – denn einige nehmen Steroide oder Kreatin zu sich, was die Wasseraufnahme der Muskeln und somit den Druck erhöht.

Literatur
Bildnachweise