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08.08.2016 | Kinn- und Ohrenkorrekturen | Nachrichten

Verbesserte Kontur

Gallensäurespritzen straffen Doppelkinn

Autor:
Dr. Robert Bublak

Desoxycholsäure hat in der Phase-3-Studie REFINE-2 mancher durch submentale Fettansammlung gerundeten Kinnkontur wieder zu strafferem Aussehen verholfen.

Desoxycholsäure, eine sekundäre Gallensäure, hat therapeutisch einstmals vor allem dazu gedient, Gallensteine aufzulösen und als Choleretikum den Gallensaft in Fluss bringen. Die Säure bewirkt aber auch eine Adipozytolyse im Subkutanfett. Dies stimuliert eine lokale Gewebereaktion: Makrophagen wandern ein und räumen die Zelltrümmer ab, Fibroblasten werden aktiviert und die Produktion von Kollagen kommt in Gang.

Seit einiger Zeit wird Desoxycholsäure deshalb eingesetzt, subkutane Fettpolster speziell am Kinn aufzulösen. Die Bezeichnung für die patentierte injizierbare Form der Säure lautet auf ATX-101. Eine entsprechende Zulassung durch die FDA in den USA erging im vergangenen Jahr, Handelsname des Präparates ist Kybella.

Für eine Studie der Effekte von ATX-101 hat eine Arbeitsgruppe um Shannon Humphrey von der University of British Columbia in Vancouver 516 Freiwillige rekrutiert, allesamt unzufrieden mit ihrem mäßig bis schwer ausgeprägten Doppel- oder Mehrfachkinn. Die Hälfte von ihnen wurde einer Spritzenkur mit ATX-101 zugelost, je nach Erfolg bestehend aus bis zu sechs Sitzungen mit bis zu 50 Injektionen von bis zu 100 mg ATX-101 in das Fettgewebe vor dem Platysma. Die übrigen Probanden erhielten statt ATX-101 Placebo (phosphatgepufferte Salzlösung mit Benzylalkohol 0,9% als Konservierungsmittel).

Erfolgsquote von 66%

Zwei Drittel der Probanden aus der Verumgruppe erzielten eine Verbesserung ihrer Kinnkontur um mindestens eine Stufe. Das heißt: Statt extrem war das Doppelkinn nun höchstens noch markant, statt markant noch prominent, statt prominent noch minimal oder statt minimal gänzlich verschwunden. Dasselbe Ergebnis erzielten auch 22% der Probanden in der Placebogruppe. Um zwei oder mehr Stufen verbesserten sich 18,6% bzw. 3%.

Die Reduktion des submentalen Fettpolsters wurde bei 225 Patienten magnetresonanztomografisch untersucht. Von den mit ATX-101 Behandelten erreichten 40% eine Reduktion von 10% und mehr. In der Placebogruppe waren es 5%.

Nebenwirkungen waren meist lokaler Natur, wie Schwellungen, Schmerzen oder blaue Flecken. Zu Paresen des Mandibularnervs kam es bei 4% nach ATX-101- und 1% unter Placeboinjektionen. Meist waren sie leicht bis mäßig, in einem Fall schwer. bei allen betroffenen verschwanden die Lähmungserscheinungen nach ein einigen (maximal zwölf) Wochen.

Zudem waren zwei Tote zu beklagen. In der Verumgruppe kam ein Proband bei einem Verkehrsunfall um Leben, ein Teilnehmer der Placebogruppe starb an einer Heroindosis. Die an der Untersuchung beteiligten Forscher sind sicher, dass die Todesfälle nichts mit der Studienmedikation zu tun haben.

Literatur

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