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27.06.2018 | Implantatchirurgie | Nachrichten

Nach Brustrekonstruktion

Risikofaktoren für die Entfernung von Implantaten

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Nach einer Brustrekonstruktion kann es immer noch vorkommen, dass Gewebeexpander und Implantate wieder entfernt werden müssen. Die Gründe dafür sind vielseitig – das Alter, der Body Mass Index (BMI) und Infektionen scheinen dabei einen Einfluss zu haben, wie eine neue Studie zeigt.

Trotz technischer und materieller Verbesserungen sind die Langzeitergebnisse einer Brustrekonstruktion mit Implantaten eingeschränkt. Komplikationen treten oft auf, mitunter kann es passieren, dass die Implantate oder Gewebeexpander aufgrund von Infektionen, Nekrosen oder Seromen entfernt werden müssen. Welche Risikofaktoren dabei besonders häufig zum Tragen kommen, untersuchten nun die Autoren um Cemile Nurdan Ozturk in einem neuen retrospektiven Review.

Stringente Einschlusskriterien

Die in die Studie aufgenommenen Patienten erfüllten folgende Kriterien:

  1. Die Teilnehmer hatten sich einer prothetischen Brustrekonstruktion unterzogen, inklusive
    • direkter oder verzögerte Gewebeexpanderplatzierung und direkter Implantatplatzierung (Stadium I) 
      oder
    • Austausch des Gewebeexpanders gegen ein permanentes Implantat oder Ersatz des Implantats durch ein größeres/kleineres bzw. durch ein Implantat mit unterschiedlicher Form (Stadium II).
  2. Bei den Probanden wurde das Implantat/ der Expander nicht sofort wieder entfernt.
  3. Die Entfernung fand aufgrund einer Komplikation statt. Eine Flap-Rekonstruktion wurde als erhaltendes Verfahren eingesetzt.

Die Autoren definierten die Explantation als „früh“, wenn sie 0 bis 30 Tage nach der Rekonstruktion und als „spät“ wenn sie mehr als 30 Tage danach stattgefunden hatte. Die Patienten waren im Schnitt 49 Jahre alt und hatten einen mittleren BMI von 28,7. Die Mehrheit der Explantationen fand nach einer therapeutischen Mastektomie statt.

Häufigster Grund: Infektionen

Während der Studienperiode wurden 551 Expander und Implantate eingesetzt. Davon wurden 55 (43 Patienten) wieder entfernt. Bei 43 Materialien handelte es sich um Gewebeexpander, 12 waren Implantate.

Der häufigste Grund für eine Entfernung waren Infektionen (n = 32, 58,2%), gefolgt von der Explantation auf Wunsch des Patienten (n = 12, 21,8%) und aufgrund von Komplikationen an der Wunde (n = 11, 20%). Letztere umfassten Hautnekrosen, eine verzögerte Heilung, eine Dehiszenz und die Exposition des Implantats/des Expanders. Es gab keine Entfernungen aufgrund von Deflation, Rissen, Seromen oder Hämatomen.

Eine frühe Explantation (Entfernung auf Patientenwunsch ausgeschlossen) gab es bei 14 Teilnehmern (18 Implantate/Expander), bei 22 Patienten (25 Implantate/Expander) wurden die Materialien erst spät entfernt. Im Schnitt fand die Explantation nach 123,9 Tagen (Median: 62 Tage) statt. Patientinnen mit einer größeren Brust zeigten einen Trend zu einem früheren chirurgischen Eingriff.

Am häufigsten wurden die Rekonstruktionsmaterialien nach Stadium I entfernt (n = 30, 83%). Auch hier waren die Explantationen auf Patientenwunsch von der Analyse ausgeschlossen. Ältere Patienten (p = 0,01) und solche mit einem höheren BMI (p = 0,02) hatten ein höheres Risiko für einen Eingriff nach Stadium I. Bei beiden Stadien waren Infektionen der Hauptgrund für eine Entfernung.

Bakterienkulturen wurden bei 39 Prozeduren angefertigt. Elf davon zeigten kein Mikroorganismenwachstum. Bei drei Entfernungen wurden Bakterien festgestellt, obwohl eine Komplikation der Wundheilung als Explantationsgrund angegeben wurde.

Die am häufigsten kultivierten Organismen waren S. epidermidis (n = 6, 10,9%), S. aureus (n = 6, 10,9%) und P. aeruginosa (n = 6, 10,9%). Fluoroquinolone und Trimethoprim-Sulfamethoxazol (oral) bzw. eine Kombination aus Vancomycin oder Daptomycin mit Piperacillin-Tazobactam oder Imipenem/Carbapenem (i.v.) schienen dabei gute Therapiemöglichkeiten zu sein.

Fazit

Infektionen sind der häufigste Grund für eine Entfernung von Implantaten oder Expandern. Da die meisten Explantationen nach Stadium I und oft erst nach mehr als 30 Tagen erfolgen, sollten die Patientinnen laut Autoren für eine längere Zeit sorgfältig beobachtet werden.

Literatur
Bildnachweise