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27.02.2018 | Implantatchirurgie | Nachrichten | Onlineartikel

Brustimplantate aus männlicher Sicht

aus: Journal für Ästhetische Chirurgie 2/2018

Zeitschrift:
Journal für Ästhetische Chirurgie

Autoren: K. Grundmann, Dr. K. Hoffmann, Prof. Dr. E. Kasten

Verlag: Springer Medizin

Abstrakt

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Einstellungen von Männern zu Brustimplantaten bei Frauen. Methode: Es wurde ein Fragebogen selbst konzipiert mit 6 Fragen zu persönlichen Angaben und 16 Items zur Einstellung zu Brustimplantaten und zur Partnerschaft. Außerdem wurde die Ausprägung der Persönlichkeitsdimension Extraversion erfasst. Ergebnisse: Die Daten von 81 jungen Männern konnten ausgewertet werden. Die meisten Männer (75 %) haben eine Vorliebe für große Brüste, rund 10 % der befragten Männer fanden große Brüste eher abstoßend. 31–44 % der Männer haben negative Einstellungen zu Brustimplantaten. Nur rund 25 % der Männer finden Brustimplantate angenehm bzw. geschmackvoll, diese Quote wächst aber auf bis zu 40 % hinsichtlich der Attribute „attraktiv“ und „erotisch“. Beziehungsstatus und Dauer der Partnerlosigkeit haben keinen Einfluss, eher bewerteten Langzeitsingles Brustimplantate negativer als die anderen Gruppen. Die Selbsteinstufung der eigenen Attraktivität wie auch die Persönlichkeitsdimension Introversion/Extraversion des Mannes hatten keinen Einfluss. Insgesamt gibt es bei rund 45 % der Befragten noch deutliche Vorurteile gegen eine künstlich vergrößerte Brust von Frauen.
Die Brust einer Frau ist bekanntlich nicht nur ein funktioneller Körperteil, sondern symbolisiert seit Urzeiten erotische Attraktivität, Weiblichkeit, Sinnlichkeit, Fruchtbarkeit und die Kraft, Leben zu nähren. Sie steht im Zusammenhang mit Identität und Selbstwertgefühl. In fast allen Kulturen gilt eine große Brust als besonders attraktiv. Bereits 3000 v. Chr. wurden einfache Büstenhalter und Korsetts genutzt, um die Brust optisch zu vergrößern und zu stützen. Schon im 18. Jahrhundert wurde davon berichtet, dass Frauen sich zu diesem Zweck Materialien implantieren ließen. Frauen mit einer nicht-makellosen Brust empfinden oft einen hohen Leidensdruck; Operationen im Bereich der weiblichen Brüste gehören dadurch mit zu den häufigsten Eingriffen der ästhetischen Chirurgie. Beweggründe sind unter anderem zu kleine bzw. zu große Brüste, unterschiedlich geformte und hängende Brüste durch Stillen, Alter oder nach starker Gewichtsabnahme. Für das Jahr 2011 zählte die American Society for Aesthetic Plastic Surgery etwa 1,6 Mio. Eingriffe im Bereich der ästhetischen Chirurgie, hierbei stand die Mammaaugmentation mit 329.000 Operationen auf einem der vordersten Plätze.
Brustkrebs ist eine der wesentlichen Indikationen, aber das Bedürfnis nach einer Verschönerung der Brust ist fast ebenso wichtig [ 5, 7]. In einer Studie von Nicolik und Mitautoren [ 14] wurden als Hauptmotive angegeben: sich mehr feminin zu fühlen (82,2 %), mehr Selbstvertrauen zu haben (75,5 %) und sich attraktiver zu fühlen (73,3 %), Männern gegenüber weniger schüchtern zu sein (64,4 %), das Sexualleben zu verbessern (46,5 %), Hänseleien aufgrund der Brüste (42,2 %), leichter einen Partner (11,1 %) und einen Job zu finden (2,2 %).
Eine ästhetische Operation dieses Körperteils hat das Ziel, eine Frau an ihr Schönheitsideal anzupassen und damit den Leidensdruck einer Patientin zu reduzieren [ 15]. Derzeit informieren sich Frauen vermehrt im Internet über die Möglichkeiten einer operativen Brustveränderung [ 16]; selbst Heranwachsende zeigen hier vermehrtes Interesse [ 4, 9, 10, 12], wobei man in dieser Altersgruppe allerdings auch auf die potenzielle Möglichkeit einer körperdysmorphen Störung achten muss [ 7].
Generell lässt sich sagen, dass eine kosmetische Mammaaugmentation bei den Betroffenen signifikant zur Erhöhung der wahrgenommenen Lebensqualität beitragen kann. Badura [ 2] befragte 27 Patientinnen mit Fehlbildung der Mammae vor und eineinhalb Jahre nach der Brustoperation. Vor der Operation gaben alle Patientinnen einen niedrigen Selbstwert an und fühlten sich im Körpererleben stark herabgesetzt. Bei einigen wurde zudem eine depressive Verstimmung deutlich. Nach der Operation zeigten sich hochsignifikante Veränderungen in den genannten Items in eine positive Richtung. Bruck, Kleinschmidt und Ottomann [ 3] untersuchten den Zusammenhang zwischen Mammaaugmentation und einer Verbesserung der Lebensqualität. 58 Frauen wurde präoperativ und 6 Monate postoperativ ein standardisierter Patientenfragebogen zur Lebensqualität (FBeK) vorgelegt. Insbesondere für die Bereiche Attraktivität, Selbstvertrauen und sexuelle Zufriedenheit konnte die Studie postoperativ signifikante Verbesserungen der eigenen Wahrnehmung erfassen.
Der BREAST-Q ist ein patientenorientierter Fragebogen, der speziell entwickelt wurde, um die Zufriedenheit von Patientinnen nach Brustoperationen erfassen zu können [ 18]. Kalaaiji und Koautoren untersuchten im Jahr 2013 die Charakteristika von Patientinnen mit Brustimplantationen und konnten Verbesserungen der Lebensqualität sowohl in psychosozialer wie auch in kosmetischer Hinsicht nachweisen; es kam zur Verringerung von Depressivität und zu einem Anstieg der Alltagsaktivitäten [ 11]. Auch Saariniemi et al. [ 17] berichteten, dass das Selbstbewusstsein und die Zufriedenheit von Frauen mit ihrem Körper sich nach einer entsprechenden Operation steigerten, während sich das Risiko für Essstörungen absenkte. Guimaraes und Mitarbeiter [ 8] führten in Brasilien eine Studie an 76 Patientinnen durch, an denen eine ästhetische Operation gemacht worden war. Die Teilnehmerinnen wurden vor dem operativen Eingriff und 6 Monate danach mit der weiblichen Version der „sexual quotient-scale“ (QS-F) untersucht. Die Autoren konnten eine bedeutsame Verbesserung der Sexualität in diesem Test nachweisen. Auch Aldermann, Pusic and Murphy fanden 2016 [ 1], dass Brustimplantate eine effektive Möglichkeit sein können, die Lebensqualität zu steigern. Die Autoren stellten signifikante und stabil bleibende Verbesserung der Zufriedenheit und des psychosozialen Wohlgefühls nach einer Brustaugmentation mit Implantaten fest.
Die weibliche Brust spielt allerdings nicht nur für die Frau eine besondere Rolle, sondern auch für deren Betrachter. Die wesentliche Frage, der in dieser Studie nachgegangen wurde, war, wie Männer darauf reagieren, wenn sie feststellen würden, dass die Brust ihrer Partnerin nicht echt ist, sondern mit einem Implantat aufgefüllt wurde. Die zugehörigen Hypothesen wurden wie folgt formuliert:
H1:
„Männer haben eine Vorliebe für große Brüste.“
H2:
„Männer haben eine negative Einstellung zu Brustimplantaten bei Frauen.“
H3:
„Männer ohne Partnerin sind eher bereit, Brustimplantate zu akzeptieren, als Männer in Partnerschaft“, sowie H3a: „Je länger die Partnerlosigkeit dauert, umso höher die Akzeptanz von Brustimplantaten.“
H4:
„Je höher die Selbsteinstufung eigener Attraktivität, umso höher die Ablehnung künstlicher Brüste bei der Partnerin.“
H6:
„Extravertierte Männer haben eine ablehnende Haltung gegenüber Brustimplantaten bei Frauen.“

Methoden

Es wurde ein Fragebogen entwickelt, der zunächst Fragen zu den Bereichen Alter, Bildungsgrad, Partnerschaft und Dauer der Partnerschaft stellte. Es folgten dann Fragen zum Empfinden großen Brüsten gegenüber sowie zu Brustimplantaten, die jeweils auf einer 11-stufigen Skala beantwortet werden sollten. Es folgten dann 10 spezifischere Fragen z. B. zum Ausmaß des Wunsches nach einer „naturbelassenen“ Brust, zur Partnerschaft und zur Einschätzung der eigenen Attraktivität. Darüber hinaus wurden Fragen zur Erfassung der Persönlichkeitsdimension Introversion/Extraversion (FPI, [ 6]) gestellt.
Die Einstellungen der Männer wurden mit bipolaren Skalen auf 11 Abstufungen erfasst, z. B.:
„Ich finde, dass ich ein attraktiver Mann bin“
Stimmt gar nicht 0–10–20–30–40–50–60–70–80–90–100 stimmt genau
Oder zur zweiten Hypothese:
„Brustimplantate empfinde ich als …“
Unangenehm −5 −4 −3 −2 −1 0 +1 +2 +3 +4 +5 Angenehm
Zum besseren Vergleich der oben genannten Zahlenwerte von 0 bis 100 mit diesen Werten, wurde die von −5 bis +5 laufende Skala mit 10 multipliziert, d. h. läuft im folgenden Text von −50 bis +50.

Ergebnisse

Es konnten 109 Männer befragt werden, allerdings mussten 28 Fragebögen aufgrund inkonsistenter oder unvollständiger Antworten aussortiert werden, sodass die Angaben von 81 jungen Männern im Altersbereich 20 bis 30 Jahre verblieben.
Hinsichtlich der Frage, ob große Brüste als eher abstoßend oder eher anziehend beurteilt werden, lagen lediglich 14,8 % der befragten jungen Männer mit ihrer Bewertung im Mittelwertebereich (weder/noch). Addiert man die Anzahl der Männer, die große Brüste eher als „abstoßend“ empfanden (Skalenbereich −50 bis −10), erhält man einen Prozentsatz von 9,8 %. Insgesamt 75,4 % der Männer gaben dagegen an, große Brüste eher „anziehend“ zu finden (Skalenbereich +10 bis +50; detaillierte Werte s. Abb.  1). Mithilfe des U‑Tests wurde ein statistischer Vergleich des Anteils über vs. unter dem Mittelwert durchgeführt. Mit einem p = 0,007 findet sich hier ein hochsignifikanter Unterschied der beiden Gruppen.
Die Einschätzung der Brustimplantate geschah mit 5 Items (angenehm/unangenehm, eklig/geschmackvoll, abstoßend/anziehend, unattraktiv/attraktiv und unerotisch/erotisch). Auf die erste Frage, ob Brustimplantate als „unangenehm bis angenehm“ empfunden werden, lagen 32,1 % der befragten Männer im Mittelbereich; 44,4 % tendierten zu einer Einstufung in Richtung „unangenehm“ und 23,4 % bewerteten in Richtung „angenehm“ (Abb.  2). Im U‑Test ergab sich hier keine signifikante Differenz im Vergleich der Gruppen über und unter dem Mittelwert ( p = 0,11). Das zweite Item fragte die Teilnehmer, ob sie Brustimplantate „eklig“ bis „geschmackvoll“ fänden. 29,6 % kreuzten auch hier den Nullpunkt an. 44,4 % bewerteten Brustimplantate eher in Richtung „eklig“ und 25,8 % als eher „geschmackvoll“ (Abb.  3). Der U‑Test ist auch hier nicht signifikant ( p = 0,21). Auf die Frage, ob ein Mann Brustimplantate „abstoßend“ bis „anziehend“ betrachtet, kreuzten 32,1 % den Mittelwert an, 30,8 % fanden Brustimplantate eher „abstoßend“ und 37,0 % eher „anziehend“ (Abb.  4). Auch hier fand sich keine Signifikanz im U‑Test ( p = 0,59). Auf die Frage, ob Männer Brustimplantate „unattraktiv“ bis „attraktiv“ einstufen, antworteten 17,3 % weder noch, 44,4 % tendierten zu „unattraktiv“ und 38,3 % zu „attraktiv“ (Abb.  5). Mit p = 0,67 ist die Differenz zwischen den Männern, die unter bzw. über dem Mittelwert liegen fernab von jeder Signifikanz. Das letzte Item fragte nach einer Einstufung zwischen „unerotisch“ und „erotisch“. 16,0 % gaben weder/noch an. 43,2 % tendierten in Richtung „unerotisch“, 40,6 % in Richtung „erotisch“ (Abb.  6). Der Wert des U‑Tests liegt bei p = 0,92 und ist gleichfalls nicht signifikant (Tab.  1).
Tab. 1
Anteil der Männer ( n = 81), die hinsichtlich ihrer Einschätzung zu Brustimplantaten unter oder über dem Mittelwert liegen
 
Unter Mittelwert
(%)
Mittelwert
(%)
Über Mittelwert
(%)
 
Unangenehm
44,4
32,1
23,4
Angenehm
Eklig
44,4
29,6
25,8
Geschmackvoll
Abstoßend
30,8
32,1
37,0
Anziehend
Unattraktiv
44,4
17,3
38,3
Attraktiv
Unerotisch
43,2
16,0
40,6
Erotisch
Die dritte Hypothese fragte, ob Männer, die keine Partnerin haben (47 %), Brustimplantate deutlich positiver einschätzen als Männer mit einer Partnerin (53 %). Für die 5 Items fanden sich hierbei keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (angenehm/unangenehm: p = 0,56; eklig/geschmackvoll: p = 0,56; abstoßend/anziehend: p = 0,82; unattraktiv/attraktiv: p = 0,85 und unerotisch/erotisch: p = 0,96). Um die Dauer der Partnerlosigkeit in die Analyse einfließen zu lassen, wurden vier Kategorien aufgestellt: Männer ohne Partnerin seit: weniger als 1 Jahr (29 %), seit 1 bis 2 Jahren (53 %), seit 3 bis 4 Jahren (10 %) und seit >4 Jahren (8 %). Tab.  2 zeigt, dass v. a. Männer, die lange Zeit keine Partnerin mehr hatten, hier negativ bewerteten.
Tab. 2
Anteil der Männer ohne Partnerin ( n = 38), aufgesplittet nach der Dauer des Singledaseins und Ergebnis der Bewertung von Brustimplantaten auf der oben genannten Skala von −50 bis +50
 
Single <1 Jahr
( n = 11)
Single 1 bis 2 Jahre
( n = 20)
Single 3 bis 4 Jahre
( n = 4)
Single >4 Jahre
( n = 3)
Unangenehm/angenehm
−14,0
−1,0
−10,0
−7,0
Eklig/geschmackvoll
−1,0
−2,0
−10,0
−17,0
Abstoßend/anziehend
+8,0
+4,0
−7,0
−13,0
Unattraktiv/attraktiv
+2,0
−1,0
−10,0
−30,0
Unerotisch/erotisch
−1,0
0,0
+10,0
−30,0
Mittelwert:
−1,2
0,0
−5,4
−19,4
Die folgende Hypothese beschäftigte sich mit der Frage, ob die Selbsteinstufung der eigenen Attraktivität des Mannes mit der Akzeptanz bzw. Ablehnung von Brustimplantaten in Verbindung steht. Der statistische Zusammenhang wurde durch die Berechnung des Korrelationskoeffizienten Spearman’s Rho überprüft. Es wurde die Summe von 4 Items (1. „Bei meiner festen Partnerin wünsche ich mir eine naturbelassene Brust“; 2. „Wünscht sich meine Partnerin Brustimplantate, stehe ich diesem positiv gegenüber“; 3. „Hätte meine Partnerin bereits Brustimplantate, fände ich das schön“, und 4. „Ich erwarte von meiner Partnerin natürliche Schönheit“) mit dem einzelnen Item „Ich finde, dass ich ein attraktiver Mann bin“ korreliert. Der Proband konnte bei allen Items einen Wert zwischen 0 („stimmt gar nicht“) und 100 („stimmt genau“) angeben. Der resultierende Korrelationskoeffizient von 0,12 weist auf einen geringen, nichtsignifikanten Zusammenhang hin ( p = 0,30).
Die letzte Hypothese im Rahmen dieser Arbeit untersuchte, ob extravertierte Männer eher eine ablehnende Haltung gegenüber Brustimplantaten bei Frauen haben als introvertierte. Ausschlaggebend war die Überlegung, dass extravertierte Männer leichter Kontakt aufbauen können, sie sind geselliger, impulsiver und unternehmungslustiger. Zur statistischen Analyse wurde ebenfalls mit dem Korrelationskoeffizienten Spearman’s Rho getestet. Hierfür wurde der Score für die Persönlichkeitsdimension Introversion-Extraversion aus dem Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI, [ 6]) gebildet. Für die Beurteilung von Brustimplantaten ergab sich nur ein Korrelationskoeffizient von −0,11, was einen schwachen negativen Zusammenhang bedeutet. Das Signifikanzniveau lag bei p = 0,35 (nicht signifikant). Extravertierte Männer haben also im Vergleich zu introvertierten keine ablehnendere Haltung gegenüber Brustimplantaten bei Frauen.

Diskussion

Die weibliche Brust erhält seit jeher mehr Aufmerksamkeit von Männern als fast jede andere Körperpartie. Die Hypothese, dass Männer eine Vorliebe für große Brüste haben, konnte auch im Rahmen dieser kleinen Studie bestätigt werden. Rund 75 % der Männern gaben an, große Brüste anziehend zu finden, bemerkenswert ist immerhin, dass das für ein Viertel der Befragten nicht galt und rund 10 % große Brüste sogar negativ beurteilten und offenbar kleine Brüste bevorzugten.
Die Gründe für die Bevorzugung dieses deutlich sichtbaren weiblichen Körperteils dürften vielschichtig sein. Auch aus großer Entfernung ist die Figur der Frau v. a. an ihren Brüsten zu erkennen. Mammae haben primär mütterlich-nährende, aber auch sexuelle Funktionen. Insbesondere der Aspekt des Busens als Sexualmechanismus ist von besonderer Bedeutung. Die Anatomie der menschlichen Brust zeigt, dass sie hauptsächlich aus Fettgewebe besteht und nur ein kleiner Teil für die Milchproduktion zuständig ist. Ihre Funktion muss also weitläufiger sein als nur mütterlich-nährend. Vielmehr sendet die weibliche Brust sexuelle Signale, die vom Mann wahrgenommen werden sollen [ 13]. Je größer eine Brust, desto höher die Weiblichkeit, was für den Mann auf einer unbewusst-biologischen Ebene auch Paarungsbereitschaft signalisiert.
Die Hypothese „Männer haben eine negative Einstellung zu Brustimplantaten bei Frauen“ wurde verworfen. Es fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Männern, die unter dem Mittelwert und den Männer, die hier über dem Mittelwert geantwortet haben. Die Brust einer Frau steht seit jeher für Sinnlichkeit und Weiblichkeit, für den ersten optischen Eindruck von einer Frau mag es irrelevant sein, ob sie sich einer kosmetischen Operation unterzog – in jedem Fall fungiert die Brust als Sexualmechanismus. An dieser Stelle wäre eine Folgeforschung allerdings ratsam, um Genaueres zu explorieren. Hier sollte angemerkt werden, dass man deutlich mehr auf den Aspekt eingehen muss, inwieweit eine große Brust in das ästhetische Gesamtbild einer Frau passt: Überproportionale weibliche Formen und Rundungen können einem sportlichen und durchtrainierten Körper widersprechen, der für Jugendlichkeit und Gesundheit steht. Abb.  7 zeigt, wie wichtig es ist, dass die Brust in einem natürlichen Verhältnis zum restlichen Körper steht.
Bei der Beurteilung von Brustimplantaten fällt auf, dass zunächst nur eine vergleichsweise geringe Gruppe von rund einem Viertel der Teilnehmer zu positiven Attributen wie „angenehm“ und „geschmackvoll“ tendiert. Es erstaunt dann aber, dass der Anteil positiver Beurteilungen auf bis zu 40 % der Teilnehmer anwächst, wenn es darum geht, ob große Brüste mit Implantaten „attraktiv“ und „erotisch“ sind. Dieser Anteil geht zulasten des mittleren Bereichs, der sich bei den sexuell getönten Attributen verkleinert. Etwas mehr als 40 % der anderen Gruppe bleibt offenbar stur bei einer negativen Einschätzung von Brustimplantaten.
Der Beziehungsstatus allein beeinflusst nach den von uns gefundenen Daten die Einstellung zu Brustimplantaten nicht. Hinsichtlich der Analyse von Männern, die keine Partnerin haben, fand sich andererseits der erstaunliche Trend, dass die Ablehnung von Brustimplantaten umso stärker ausfiel, je länger der jeweilige Teilnehmer ohne Partnerin lebte. Angenommen worden war das Gegenteil, d. h. dass mit Dauer sexueller Abstinenz die Bereitschaft wächst, auch eine Frau mit operierten Brüsten als Partnerin zu akzeptieren. Während der Mittelwert hinsichtlich der Akzeptanz von Brustimplantaten für die untere Gruppe, die vergleichsweise kurz keine Freundin hatte, noch nahe bei 0 lag, stieg dieser Wert für die Langzeitsingles dann bis auf −20 an (auf der Skala −50 bis +50), was einer starken Ablehnung von Brustimplantaten entspricht. Allerdings sind diese Werte vorsichtig zu interpretieren, da die Anzahl von Teilnehmern in dieser letzten Gruppe äußerst klein ist. Eine mögliche Erklärung wäre, dass diese Männer extrem hohe Ansprüche an die körperliche Attraktivität ihrer potenziellen Partnerin haben und von daher auch künstlich vergrößerte Brüste ablehnen, aber genau aufgrund dieser übertriebenen Erwartungen keine Freundin finden.
Die Vermutung, dass die Selbsteinstufung eigener Attraktivität etwas mit der Ablehnung künstlicher Brüste bei der Partnerin zu tun hat, wurde verworfen; der Korrelationskoeffizient war winzig. Möglich ist, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Betrachtet sich ein Mann als optisch ansehnlich, wird er das auch von seiner Partnerin erwarten. Da die Mehrheit der Männer eine Vorliebe für große Brüste hat, stimmt ein attraktiver Mann möglicherweise einer Operation eher zu, falls die Partnerin von der Natur aber nur mit einer kleineren Oberweite ausgestattet wurde. Um dies zu konkretisieren wäre aber eine Folgestudie nötig.
Auch eine Verbindung zwischen der Persönlichkeitsdimension Introversion/Extraversion konnte in den hier vorgelegten Daten nicht bestätigt werden. Wie gesellig, impulsiv, unternehmungslustig oder extravertiert ein Mann ist, hat offenbar keinen Einfluss darauf, ob er eine annehmende oder ablehnende Haltung gegenüber Brustimplantaten hat.

Fazit der Studie

  • Die meisten Männer (75 %) haben eine Vorliebe für große Brüste, rund 10 % der befragten Männer fanden große Brüste aber sogar eher abstoßend.
  • 30–45 % der Männer haben negative Vorurteile gegen Brustimplantate.
  • Nur rund 25 % der Männer finden Brustimplantate angenehm bzw. geschmackvoll, diese Quote wächst aber auf 40 % hinsichtlich der Attribute „attraktiv“ und „erotisch“.
  • Beziehungsstatus und Dauer der Partnerlosigkeit haben keinen Einfluss, eher bewerteten Langzeitsingles Brustimplantate negativer als die anderen Gruppen.
  • Die Selbsteinstufung der eigenen Attraktivität wie auch die Persönlichkeitsdimension Introversion/Extraversion des Mannes hatten keinen Einfluss.
Abschließend sollte noch betont werden, dass die Größe der Brüste einer Frau sicherlich nicht das am meisten ausschlaggebende Argument für oder gegen eine Partnerschaft sind. Zum einen muss die Brust in das Gesamtbild des Körpers passen, zum anderen sind weitere Eigenschaften, insbesondere charakterlicher Art, auf Dauer für das Bestehen einer Partnerschaft mit Sicherheit wichtiger. Wenn man sich mag, ist es vermutlich egal, ob die Brüste naturbelassen oder künstlich sind.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

K. Grundmann, K. Hoffmann und E. Kasten geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.
Literatur

Weiterführende Themen