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29.05.2018 | Hautpflege | Nachrichten

Bessere gesetzliche Regulierungen nötig?

So gefährlich sind Baby-Körperpflegeprodukte

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Kosmetika und andere Körperpflegeprodukte sind nicht frei von Schad- und Konservierungsstoffen. Besonders kritisch wird dies, wenn es sich um Produkte speziell für Babys handelt. Eine Auswertung der FDA-Datenbank offenbarte zahlreiche Nebenwirkungen. Einige davon waren sogar schwerwiegend.

Immer wieder gibt es Diskussionen um Kosmetik- und Körperpflegeprodukte für Kinder und Babys. Seit 2015 sind in der EU Propylparaben und Butylparaben in Erzeugnissen, die im Windelbereich zum Einsatz kommen, verboten. Dazu gehören beispielsweise Windelschutzcremes [1,2]. Babypuder wurden bereits in Studien mit Ovarialkarzinomen in Verbindung gebracht. Phtalate, die sich ebenfalls in Kosmetika finden, können sich auf die Reprodutkionsfähigkeit auswirken, wie Versuche an Tieren zeigen [1]. 2014 gab es über 21.000 Beschwerden von Kunden aufgrund eines Haarpflegemittels, das Haarausfall und eine Kopfhautdermatitis bei Kindern ausgelöst hatte [1].

Eine kürzlich erschienene Studie identifizierte Babyprodukte sogar als diejenige Klasse unter den Kosmetika, die am häufigsten mit schweren Nebenwirkungen assoziiert ist [1,3].

In den USA gibt es mehrere Versuche, die Regulierung von Kosmetika durch die Food and Drug Administration (FDA) zu modernisieren. 2016 wurde daher das CAERS (Center for Food Safety and Applied Nutrition’s Adverse Event Reporting System) öffentlich zugänglich gemacht. Beschwerden über Produkte und aufgetretene Nebenwirkungen können hier gemeldet werden. In einer neuen Studie wurden nun die neuesten Ergebnisse (2004 bis 2016) aus dieser Datenbank veröffentlicht [1].

Die Autoren kategorisierten die Pflegemittel in sechs Kategorien:

  • Babyreinigungstücher
  • Babylotionen
  • Babyseifen- und Shampoo
  • Babyöl
  • Babypuder
  • andere

Mehr Nebenwirkungen zwischen 2014 bis 2016 …

Zwischen 2004 und 2016 wurden an die FDA 166 Nebenwirkungen, die im Zusammenhang mit der Verwendung von Babyprodukten auftraten, gemeldet. In den Jahren 2014 bis 2016 gab es dabei einen Anstieg der Meldungen um 750% im Vergleich zu den Jahren 2011 bis 2013.

Hauptsächlich waren Anzeigen aus den Kategorien „Babypuder“ und „Babyreinigungstücher“ dafür verantwortlich (79% der Meldungen zwischen 2014 und 2016). Dabei stiegen die Nebenwirkungen in der Kategorie „Babypuder“ von einer (2011-2013) auf 52 Anzeigen (2014-2016) an. Bei den Babyreinigungstüchern waren es 42 Meldungen zwischen 2014 bis 2016 im Vergleich zu drei in den drei Jahren davor. Eine einzelne Firma für Babyreinigungstücher war für 28 von 50 Meldungen (56%) mit mindestens drei Produktsubtypen verantwortlich.

Nur bei 61% der gemeldeten Nebenwirkungen war das Alter des jeweiligen Betroffenen angegeben. Im Mittel betrug dieses 21,2 Jahre (Median: 5 Jahre, Range: 1 Monat bis 95 Jahre).

… und einige davon waren schwerwiegend

77 von 166 angezeigten Nebenwirkungen (46%) mussten behandelt werden. Davon führten sieben zu einer Einweisung in eine Klinik, acht in eine Notaufnahme und 70 zu einem Gesundheitsdienstleister. 80 Nebenwirkungen waren schwerwiegend. Davon führten vier zum Tode und weitere vier zu einer Behinderung.

Ein Hautausschlag war die häufigste Komplikation (n = 65). Darauf folgten Neoplasien (n = 48), andere Haut- (n = 23) und Augenreaktionen (n = 14) sowie systemische Effekte (n = 13). Ein Hautausschlag wurde am häufigsten bei der Verwendung von Babylotionen und -tüchern beobachtet. Neoplasien, speziell Ovarialkarzinome, waren am häufigsten mit den Babypudern assoziiert. Allerdings gaben hier nur 23% der „Melder“ das Alter an – alle Neoplasiefälle, die inklusive Altersangabe gemeldet wurden, traten im Erwachsenenalter auf.

Fazit

Die größte Limitation der CAERS Datenbank besteht laut den Autoren darin, dass die Hersteller von Babyprodukten rechtlich nicht dazu gezwungen sind, Nebenwirkungen an die FDA zu melden. Daher konnten die Autoren auch nur 166 Meldungen ausmachen – obwohl die Industrie von Babypflegeartikeln ein Milliardengeschäft ist. Des Weiteren gibt es keine Informationen über die Dauer und Häufigkeit der Nutzung. Oft fehlte auch eine Altersangabe.

Die Autoren fordern, kosmetische Produkte besonders für Kinder und Babys besser zu überwachen bzw. zu regulieren. Dazu seien zum einen weitere Daten über Nebenwirkungen nötig, zum anderen müssen die Meldungen detaillierter werden. Außerdem sollten Firmen dazu verpflichtet sein, Berichte über unerwünschte Wirkungen an die FDA weiter zu geben.

Literatur

Weiterführende Themen

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