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01.09.2015 | Hautalterung | Übersichtsartikel | Onlineartikel

aus: Der Hautarzt 9/2015

Kontaktallergien bei Senioren

Zeitschrift:
Der Hautarzt

Autor: Prof. Dr. V. Mahler

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

Abstrakt

Die Gruppe der Senioren (> 65 Jahre) nimmt in der Allgemeinbevölkerung zu. Das Sensibilisierungsprofil dieser Gruppe wird potenziell beeinflusst durch lebenslang kumulierte berufliche und außerberufliche Expositionen und vermehrt auftretende Komorbiditäten, die Lokal- oder Systembehandlung erfordern. Aktuelle Auswertungen zur „Hitliste“ der am häufigsten nachgewiesenen Kontaktsensibilisierungen bei über 65-Jährigen im IVDK (Informationsverbund Dermatologischer Kliniken)-Kollektiv (2009 bis 2013: N = 14.841) zeigen deutliche Unterschiede im Vergleich zur Altersgruppe bis einschließlich 65 Jahre. Die 10 am häufigsten erkannten Kontaktallergene sind bei über 65-Jährigen Duftstoff-Mix, Perubalsam, Nickel(II)-sulfat, Duftstoff-Mix II, Kolophonium, Propolis, Chlormethylisothiazolinon/Methylisothiazolinon (3:1), Wollwachsalkohole, Amerchol L 101, tert.-Butylhydrochinon. Nickelsensibilisierung ist signifikant seltener, Sensibilisierungen auf Duftstoff-Mix I und Perubalsam sind signifikant häufiger als im IVDK-Vergleichskollektiv bis 65 Jahre. Der Patientenanteil mit am Bein lokalisierter Dermatitis betrug im untersuchten Kollektiv der über 65-Jährigen 25,9 % (vs. 5,8 % im Vergleichskollektiv). Die Auswertung der Subgruppen der über 65-Jährigen mit und ohne Ulkus/Stauungsdermatitis/chronisch venöse Insuffizienz zeigte wesentliche Unterschiede bezüglich der Sensibilisierungshäufigkeiten auf Salbeninhaltsstoffe (Wollwachsalkohole, Amerchol L 101 und tert. Butylhydrochinon). Bei entsprechender Komorbidität ist daher die Testung der DKG-Testreihe Externa-Inhaltsstoffe parallel zur Standardreihe sinnvoll.
Die Gruppe der über 65-Jährigen nimmt in der Allgemeinbevölkerung zu. Am Ende des Arbeitslebens hat ein Individuum zahlreiche berufliche und außerberufliche Expositionen durchlaufen, die sich mit Eintritt der Altersrente in der Regel zugunsten der außerberuflichen verschieben. Neben diesen kumulierten Expositionen gegenüber Kontaktallergenen beeinflussen individuelle Faktoren die Suszeptibilität für Kontaktallergien. Der vorliegende Artikel gibt einen aktuellen Überblick über Kontaktallergien bei Senioren und die „Hitliste“ der am häufigsten nachgewiesenen Kontaktsensibilisierungen bei über 65-Jährigen im IVDK (Informationsverbund Dermatologischer Kliniken)-Kollektiv und darauf basierende Epikutantestempfehlungen.

Individuelle Suszeptibilitätsfaktoren

Genetische Faktoren (z. B. TNF-308 G/A-Polymorphismus, IL-16-295 C-C-Polymorphismus, GSTT1*0-Polymorphismus, „NAT2 rapid acetylator phenotype“) und HLA-Typ (z. B. HLA-B35 und DQA1*061 für Nickelallergie), weibliches Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit (in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontaktallergen), Einnahme von ACE-Inhibitoren, Einnahme von Opioiden (v. a. bei weiblichem Geschlecht), vorbestehende Barriereschädigung [z. B. durch irritatives Kontaktekzem, Begleiterkrankungen (z. B. Stauungsdermatitis), reduzierte Barrierefunktion in Altershaut], psychologischer Stress wurden als begünstigende Faktoren für die Entstehung einer allergischen Kontaktdermatitis beschrieben, während für hohes Lebensalter und Einnahme immunsuppressiver Medikamente [Mycophenolat-Mofetil, Methotrexate, 5-Fluorouracil: Sensibilisierung (↓); Mitoxantron, Cyclophosphamid: Sensibilisierung und Elizitation (↓)] protektive Effekte berichtet wurden [ 5, 10]. Es wurde eine Abnahme der Langerhans-Zell-Dichte in Altershaut und lichtgeschädigter Haut beschrieben [ 10].

Charakterisierung des ausgewerteten Patientenkollektivs der Senioren und des Vergleichskollektivs

Im Zeitraum 2009 bis 2013 wurden in 53 der 56 dermatologischen Abteilungen, die dem IVDK angeschlossen sind [ 14], n = 14.841 Patienten über 65 Jahre (J) epikutan nach den Empfehlungen der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe [ 7, 13; http://​dkg.​ivdk.​org/​] getestet (> 65–69 J: 27,2 %, 70–79 J: 53,7 %, 80–89 J: 17,6 %, 90–99 J: 1,5 %).
Im selben Zeitraum wurden 49.179 Patienten bis einschließlich 65 Jahre (J) in 54 der Zentren epikutan getestet (0–9 J: 0,5 %, 10–19 J: 4,9 %, 20–29 J: 15,2 %, 30–39 J: 15,0 %, 40–49 J: 23,6 %, 50–59 J: 27,4 %, 60–65 J: 13,4 %).
Die Testergebnisse wurden in standardisierter Weise erfasst und in anonymisierter Form an die Zentrale des IVDK an der Universität Göttingen übermittelt und der Qualitätskontrolle unterzogen [ 19].
Um mögliche Verzerrungen bei der Auswertung der Altersgruppen durch bestehende Komorbiditäten [Stauungsdermatitis, chronisch venöse Insuffizienz (CVI), Ulzera] zu berücksichtigen, wurden 4 Gruppen gebildet:
1.
Patienten (gesamt) > 65 Jahre, n = 14.841 [9828 (66,2 %) weiblich und 5014 (33,8 %) männlich],
 
2.
Patienten > 65 Jahre ohne Stauungsekzem/Ulcus cruris, CVI oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk, n = 12.002 [8005 (66,7 %) weiblich und 3997 (33,3 %) männlich],
 
3.
Patienten > 65 Jahre mit Stauungsekzem/Ulcus cruris als Diagnose und/oder CVI als Kofaktor und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk, n = 2839 [1823 (64,2 %) weiblich und 1016 (35,8 %) männlich],
 
4.
Vergleichsgruppe, alle Patienten ≤ 65 Jahre, n = 49.179 [31.239 (63,5 %) weiblich und 17.940 (36,5 %) männlich].
 

MOAHLFA-Index – Vergleich Senioren vs. Vergleichsgruppe

Mittels MOAHLFA-Index [M = männlich, O = Berufsdermatose, A = atopische Dermatitis, H = Handdermatitis, L = Leg (Bein)-Dermatitis, F = Face (Gesichts)-Dermatitis und A = Alter mindestens 40 Jahre; [ 15]] wurden die oben genannten 4 Gruppen des IVDK-Kollektivs in Bezug auf Geschlecht sowie zum Vorliegen des Anteils von Berufsdermatosen, atopischer Dermatitis sowie Hand-, Bein und Gesichtsdermatitis untersucht (Tab.  1).
Tab. 1
Charakteristika der untersuchten IVDK-Kollektive 2009 bis 2013 (MOAHLFA-Index)
   
> 65 Jahre
Gesamt
( n)
> 65 Jahre
Gesamt
%
> 65 Jahre
Ohne
( n)
> 65 Jahre
Ohne %
> 65 Jahre
Mit
( n)
> 65 Jahre
Mit
%
 ≤ 65 Jahre
( n)
 ≤ 65 Jahre
%
Männlich
M
5013
33,8
3997
33,3
1016
35,8
17.940
36,5
Berufsdermatose
O
92
0,6
87
0,7
5
0,2
9968
20,3
Atopische Dermatitis
A
1238
8,3
1129
9,4
109
3,8
12.283
25,0
Handdermatitis
H
1160
7,8
1141
9,5
18
0,6
16.301
33,1
Leg-Dermatitis
L
3850
25,9
1185
9,9
2672
94,1
2876
5,8
Face-Dermatitis
F
2101
14,2
2094
17,4
7
0,2
8086
16,4
Alter ≥ 40 Jahre
A
14.841
100
12.002
100
2839
100
31.667
64,4
Senioren Gesamtkollektiv (> 65 Jahre), Senioren (> 65 Jahre) mit vs. ohne Stauungsekzem/Ulcus cruris, chronisch venöse Insuffizienz und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk im Vergleich zur Vergleichsgruppe (≤ 65 Jahre).
Wie in Tab.  1 ersichtlich, unterscheidet sich das getestete Gesamtkollektiv der Senioren über 65 Jahre bezüglich des Männeranteils nicht wesentlich von der Vergleichsgruppe bis einschließlich 65 Jahre. Signifikante Unterschiede bestehen erwartungsgemäß bezüglich eines höheren Anteils an Berufsdermatosen (20,3 vs. 0,6 %; χ 2-Test, p < 0,0001) und Handdermatitis (33,1 vs. 7,8 %; p < 0,0001) im Vergleichskollektiv bis 65 Jahre und bezüglich eines signifikant höheren Anteils an Beindermatitis (25,9 vs. 5,8 %; p < 0,0001) bei den Senioren. Gesichtsdermatitis war in beiden Kollektiven ähnlich häufig [14,2 % (Senioren) vs. 16,4 % (bis einschließlich 65-Jährige)], wobei auch dieser Unterschied bei der Größe der Stichprobe Signifikanzniveau erreichte ( p < 0,0001).
Der Vergleich der über 65-Jährigen mit Stauungsekzem/Ulcus cruris, CVI oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk mit über 65-Jährigen ohne diese Charakteristika zeigte bei jenen – neben dem zu erwartenden signifikant höheren Anteil an Beindermatitis (94,1 vs. 9,9 %; p < 0,0001) – einen signifikant geringeren Anteil an atopischer Dermatitis (3,8 vs. 9,4 %; p < 0,0001), Handdermatitis (0,6 vs. 9,5 %; p < 0,0001) und Gesichtsdermatitis (0,2 vs. 17,4 %; p < 0,0001).

Lokalisation der Hauterscheinungen

Die Hauterscheinungen, die zur allergologischen Abklärung und zur Abschlussdiagnose führten, sind bei den Senioren mit und ohne Komorbidität – im Gegensatz zur Vergleichsgruppe ≤ 65 Jahre, in der die häufigste Lokalisation die Hand/Hände (22,8 %) sind – nicht vorrangig an den Händen lokalisiert. Während bei den Senioren ohne oben genannte Komorbidität generalisierte Hauterscheinungen (16,1 %), Beteiligung von Gesicht (9,9 %) und Mundschleimhaut (8,7 %) am häufigsten angegeben werden, stehen bei Senioren mit oben genannten Komorbiditäten erwartungsgemäß Lokalisationen an der unteren Extremität im Vordergrund (Unterschenkel 78 %, Bein/Beine 13,8 %, Sprunggelenk (1,6 %) (Abb.  1; Tab.  2).
Tab. 2
Häufigste definierte Lokalisationen der Hauterscheinungen der führenden Abschlussdiagnose in den unterschiedlichen Kollektiven
 
Senioren > 65 Jahre (gesamt)
Senioren > 65 Jahre (ohne Komorbidität)
Senioren > 65 Jahre (mit Komorbidität)
Vergleichsgruppe ≤ 65 Jahre
1
Unterschenkel (14,9 %)
Generalisiert (16,1 %)
Unterschenkel (78,3 %)
Hand/Hände (22,8 %)
2
Generalisiert (13,1 %)
Gesicht (9,9 %)
Bein/Beine (13,8 %)
Generalisiert (11,5 %)
3
Gesicht (8,1 %)
Mundschleimhaut (8,7 %)
Sprunggelenk (1,6 %)
Gesicht (9,6 %)
4
Mundschleimhaut (7,0 %)
Periokulär/Lider (6,1 %)
Fuß/Füße (1,2 %)
Handinnenfläche (5,7 %)
5
Bein/Beine (5,8 %)
Hand/Hände (5,9 %)
Generalisiert (0,6 %)
Periokulär/Lider (5,4 %)
6
Periokulär/Lider (4,9 %)
Knie (5,1 %)
Fußrücken (0,4 %)
Mundschleimhaut (4,1 %)
7
Hand/Hände (4,8 %)
Rumpf/Stamm (4,2 %)
Hand/Hände (0,3 %)
Rumpf/Stamm (2,6 %)
8
Knie (4,2 %)
Bein/Beine (3,9 %)
Fußsohle (0,3 %)
Unterschenkel (2,5 %)
9
Rumpf/Stamm (3,4 %)
Behaarte Kopfhaut (3,3 %)
Arm/Arme (0,2 %)
Behaarte Kopfhaut (2,5 %)
10
Behaarte Kopfhaut (2,7 %)
Arm/Arme (2,1 %)
Gesicht (0,2 %)
Handrücken (2,0 %)
Senioren (Gesamtkollektiv (> 65 Jahre), Senioren (> 65 Jahre) mit vs. ohne Stauungsekzem/Ulcus cruris, chronisch venöse Insuffizienz und oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk) im Vergleich zur Vergleichsgruppe (≤ 65 Jahre).

Abschlussdiagnosen in den unterschiedlichen Kollektiven

Bei ca. 25 % der Patienten über 65 Jahre – Gesamtkollektiv mit und ohne oben genannte Komorbiditäten – wie auch bei der Vergleichsgruppe der bis 65-Jährigen wurde als Abschlussdiagnose ein allergisches Kontaktekzem diagnostiziert (Tab.  3). Bis auf die Gruppe der Senioren mit Stauungsekzem/Ulcus cruris als Diagnose und/oder CVI als Kofaktor und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk, bei der die häufigste Abschlussdiagnose Stauungsekzem/Ulcus cruris (53,9 %) war, war in den anderen Gruppen (Senioren gesamt, Senioren ohne Komorbidität und Vergleichsgruppe bis 65 Jahre) ein allergisches Kontaktekzem die häufigste Abschlussdiagnose. Bezüglich der vermuteten Kontaktstoffgruppen und identifizierten häufigen Kontaktallergene unterscheiden sich jedoch die Altersgruppen (über 65 Jahre vs. bis 65 Jahre) und Senioren mit und ohne Komorbidität.
Tab. 3
Häufigste definierte Hauptabschlussdiagnosen in den unterschiedlichen Kollektiven
 
Senioren > 65 Jahre (gesamt)
Senioren > 65 Jahre (ohne Komorbidität)
Senioren > 65 Jahre (mit Komorbidität)
Vergleichsgruppe ≤ 65 Jahre
1
Ekzem, kontaktallergisch (24,4 %)
Ekzem, kontaktallergisch (23,9 %)
Stauungsekzem/Ulcus cruris (53,9 %)
Ekzem, kontaktallergisch (24,5 %)
2
Ausschluss einer Sensibilisierung ohne Hauterscheinungen (10,5 %)
Ausschluss einer Sensibilisierung ohne Hauterscheinungen (12,2 %)
Ekzem, kontaktallergisch (26,3 %)
Ekzem, atopisch (11,6 %)
3
Stauungsekzem/Ulcus cruris (10,3 %)
Arzneimittelunverträglichkeit (8,8 %)
Ekzem, nicht klassifiziert (5,0 %)
Dermatitis, irritativ chronisch (8,8 %)
4
Ekzem, nicht klassifiziert (7,9 %)
Ekzem, nicht klassifiziert (8,5 %)
Ausschluss einer Sensibilisierung ohne Hauterscheinungen (3,1 %)
Ekzem, nicht klassifiziert (7,2 %)
5
Arzneimittelunverträglichkeit (7,2 %)
Ekzem, atopisch (4,2 %)
Dermatitis, irritativ chronisch (1,3 %)
Ausschluss einer Sensibilisierung ohne Hauterscheinungen (6,9 %)
6
Ekzem, atopisch (3,6 %)
Ausschluss Zahnprothesenallergie (3,7 %)
Exsikkationsekzem (0,8 %)
Arzneimittelunverträglichkeit (6,4 %)
7
Dermatitis, irritativ chronisch (3,0 %)
Dermatitis, irritativ chronisch (3,4 %)
Ekzem, dysregulativ-mikrobiell (nummulär) (0,8 %)
Ekzem, dyshidrotisch (4,1 %)
8
Ausschluss Zahnprothesenallergie (3,0 %)
Sensibilisierung ohne assoziierten aktuellen klinischen Befund (2,0 %)
Ekzem, atopisch (0,7 %)
Ekzem, hyperkeratotisch (3,2 %)
9
Sensibilisierung ohne assoziierten aktuellen klinischen Befund (1,7 %)
Ekzem, hyperkeratotisch (1,7 %)
Arzneimittelunverträglichkeit (0,7 %)
Dermatitis, irritativ akut (2,1 %)
10
Dermatitis, irritativ akut (1,5 %)
Dermatitis, irritativ akut (1,7 %)
Dermatitis, irritativ akut (0,7 %)
Ausschluss Zahnprothesenallergie (1,6 %)
Senioren Gesamtkollektiv (> 65 Jahre), Senioren (> 65 Jahre) mit vs. ohne Stauungsekzem/Ulcus cruris, chronisch venöse Insuffizienz und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk im Vergleich zur Vergleichsgruppe (≤ 65 Jahre).

Kontaktstoffgruppe

Bis zu 3 Nennungen von Kontaktstoffkategorien, in denen die Exposition zu den jeweilig relevanten Kontaktallergenen vermutet wird, sind pro Fall möglich.
Sowohl im untersuchten Gesamtkollektiv der über 65-Jährigen als auch im Vergleichskollektivs (bis 65 Jahre) und bei den Senioren ohne Stauungsekzem/Ulcus cruris, CVI oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk waren die 3 am häufigsten vermuteten Kontaktstoffkategorien Kosmetika/Cremes/Lichtschutzmittel, gefolgt von Medikamenten äußerlich und Medikamenten innerlich, wobei Unterschiede bezüglich der relativen Häufigkeiten bestehen.
Im Einzelnen handelt es sich im Gesamtkollektiv der Senioren über 65 Jahre um folgende 10 definierte Kontaktstoffgruppen, in denen die auslösenden Kontaktallergene am häufigsten vermutet wurden (Prozent von n = 14.841):
  • Kosmetika/Cremes/Lichtschutzmittel: 42,7 %,
  • Medikamente (äußerlich): 28,9 %,
  • Medikamente (innerlich): 12,3 %,
  • Implantate/Osteosynthesematerialien: 9,4 %,
  • Zahnprothesen/-brücken/-spangen: 7,5 %,
  • Seife/Duschgel/Shampoo/Zahncreme: 6,4 %,
  • Gummi: 4,5 %,
  • Desinfektionsmittel: 3,9 %,
  • Zahnfüllungsmaterialien: 3,7 %,
  • Kleidung/Textilien: 2,7 %.
Bei den Senioren über 65 Jahre ohne Stauungsekzem/Ulcus cruris, CVI oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk sind die 10 am häufigsten vermuteten Kontaktstoffgruppen (Prozent von n = 12.002):
  • Kosmetika/Cremes/Lichtschutzmittel: 38,4 %,
  • Medikamente (äußerlich): 21,8 %,
  • Medikamente (innerlich): 14,5 %,
  • Implantate/Osteosynthesematerialien: 11,3 %,
  • Zahnprothesen/-brücken/-spangen: 9,2 %,
  • Seife/Duschgel/Shampoo/Zahncreme: 6,6 %,
  • Zahnfüllungsmaterialien: 4,6 %,
  • Gummi: 3,2 %,
  • Kleidung/Textilien 2,7 %,
  • Parfüm, Deo, Rasierwasser 2,7 %.
Deutliche Unterschiede bestehen im Hinblick auf die vermuteten Kontaktstoffkategorien bei Senioren über 65 Jahre mit Stauungsekzem/Ulcus cruris, CVI und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk (Prozent von n = 2839):
  • Kosmetika/Cremes/Lichtschutzmittel: 60,7 %,
  • Medikamente (äußerlich): 59,0 %,
  • Gummi: 10,1 %,
  • Desinfektionsmittel: 9,9 %,
  • Seife/Duschgel/Shampoo/Zahncreme: 5,6 %,
  • medizinisches Hilfsmaterial: 3,9 %,
  • Medikamente (innerlich): 3,0 %,
  • Kleidung/Textilien: 2,5 %,
  • Parfüm/Deo/Rasierwasser: 2,4 %,
  • Schuhe/Stiefel (Leder, Gummi, Stoff) 1,8 %,
  • Implantate/Osteosynthesematerialien: 1,3 %.
Demgegenüber waren in der Vergleichsgruppe (bis 65 Jahre) die Kontaktstoffgruppen, in denen die Kontaktallergene am häufigsten vermutet wurden, folgende:
  • Kosmetika/Cremes/Lichtschutzmittel: 37,2 %,
  • Medikamente (äußerlich): 13,6 %,
  • Medikamente (innerlich): 9,8 %,
  • Handschuhe (Leder, Gummi, Stoff etc.): 9,0 %,
  • Desinfektionsmittel: 8,6 %,
  • Gummi: 7,0 %,
  • Seife/Duschgel/Shampoo/Zahncreme: 6,3 %,
  • Friseurstoffe (Dauerwelle, Farbe, Gel etc.) 5,1 %,
  • Zahnprothesen/-brücken/-spangen: 4,2 %,
  • Kühlschmierstoffe: 3,7 %,
  • Kleidung/Textilien: 3,4 %,
  • Implantate/Osteosynthesematerialien: 3,4 %,
  • Zahnfüllungsmaterialien: 3,3 %,
  • Parfüm/Deo/Rasierwasser: 3,2 %.

Allergenhitlisten im Altersvergleich

Die sog. Allergenhitlisten (Tab.  4) bilden, basierend auf der absoluten Häufigkeit (Anzahl) der Positiven, die am häufigsten erkannten Kontaktallergene in Testkollektiven ab (Tab.  4, 5, 6, 7, 8). Demgegenüber gibt die Rohrate-% den Anteil der Positiven pro Anzahl der Getesteten wieder. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Testungen auf bestimmte Kontaktallergene außerhalb der Standardreihe insgesamt weniger häufig, jedoch bei konkretem Verdacht durchgeführt werden, was aufgrund der Selektionskriterien zu vergleichsweise hohen Rohraten-% führen kann (z. B. Polyvidoniod und Tolubalsam; Tab.  5).
Tab. 4
Hitliste der 10 häufigsten Kontaktallergene im Gruppenvergleich, Liste der an Tag 3 (bzw. Tag 4) positiven Substanzen
 
Senioren > 65 Jahre (gesamt)
Senioren > 65 Jahre (ohne Kormorbidität)
Senioren > 65 Jahre (mit Kormorbidität)
Vergleichsgruppe ≤ 65 Jahre
1
Duftstoff-Mix
Duftstoff-Mix
Perubalsam
Nickel(II)-sulfat, 6*H 2O
2
Perubalsam
Perubalsam
Duftstoff-Mix
Duftstoff-Mix
3
Nickel(II)-sulfat, 6*H 2O
Nickel(II)-sulfat, 6*H 2O
tert.-Butylhydrochinon
Perubalsam
4
Duftstoff-Mix II
Duftstoff-Mix II
Amerchol L 101
Kobalt(II)-chlorid, 6*H 2O
5
Kolophonium
Propolis
Duftstoff-Mix II
Duftstoff-Mix II
6
Propolis
MCI/MI
Wollwachsalkohole
MCI/MI
7
MCI/MI
Kolophonium
Kolophonium
Kolophonium
8
Wollwachsalkohole
Dibromdicyanobutan (Methyldibromo Glut.)
Cetylstearylalkohol
Methylisothiazolinon
9
Amerchol L 101
Kobalt(II)-chlorid, 6*H 2O
Nickel(II)-sulfat, 6*H 2O
Kaliumdichromat
10
tert.-Butylhydrochinon
Kaliumdichromat
Polyvidoniod
Propolis
MCI/MI (Chlor-)Methylisothiazolinon.
Tab. 5
Die 30 häufigsten Kontaktallergene im Gesamtkollektiv von Patienten über 65 Jahre (Reaktionen an Tag 3 bzw. Tag 4)
Testsubstanz
Anzahl Getestete
Anzahl Positive
Rohrate % positiv [95 %-KI]
Duftstoff-Mix
13.012
1566
12,0 [11,5–12,6]
Perubalsam
13.026
1564
12,0 [11,5–12,6]
Nickel(II)-sulfat, 6*H 2O
13.135
799
6,1 [5,7–6,5]
Duftstoff-Mix II
13.040
784
6,0 [5,6–6,4]
Kolophonium
13.045
499
3,8 [3,5–4,2]
Propolis
13.043
481
3,7 [3,4–4,0]
MCI/MI
13.037
449
3,4 [3,1–3,8]
Wollwachsalkohole
13.041
438
3,4 [3,1–3,7]
Amerchol L 101
8885
431
4,9 [4,4–5,3]
tert.-Butylhydrochinon
8827
413
4,7 [4,2–5,1]
Dibromdicyanobutan (Methyldibromo Glut.)
13.046
408
3,1 [2,8–3,4]
Kobalt(II)-chlorid, 6*H 2O
13.184
339
2,6 [2,3–2,9]
Kaliumdichromat
13.178
332
2,5 [2,3–2,8]
Polyvidoniod
2613
318
12,2 [10,9–13,5]
Ylang-ylang (I + II)-Öl
9870
312
3,2 [2,8–3,5]
Methylisothiazolinon
8104
295
3,6 [3,2–4,1]
Terpentin
13.046
286
2,2 [1,9–2,5]
Cetylstearylalkohol
13.043
249
1,9 [1,7–2,2]
Cocamidopropylbetain
9033
246
2,7 [2,4–3,1]
Tolubalsam
1398
235
16,8 [14,9–18,9]
HICC (Lyral®)
13.065
226
1,7 [1,5–2,0]
Jasmin absolut
9870
222
2,2 [2,0–2,6]
Octylgallat
8840
218
2,5 [2,2–2,8]
Thiuram-Mix
13.054
212
1,6 [1,4–1,9]
Eichenmoos absolue
3430
212
6,2 [5,4–7,0]
Propylenglycol
8830
192
2,2 [1,9–2,5]
Sandelholzöl
9868
172
1,7 [1,5–2,0]
Epoxidharz
13.066
168
1,3 [1,1–1,5]
Compositae-Mix
8282
146
1,8 [1,5–2,1]
Benzoylperoxid
2904
145
5,0 [4,2–5,8]
Die Rangfolge der sog. „Hitlisten“ basiert auf der absoluten Häufigkeit (Anzahl) der Positiven (Spalte 3).
95 %-KI 95%-Konfidenzintervall, MCI/MI (Chlor-)Methylisothiazolinon.
Tab. 6
Die 30 häufigsten Kontaktallergene bei Patienten der Vergleichsgruppe ( ≤ 65 Jahre; Reaktionen an Tag 3 bzw. Tag 4)
Testsubstanz
Anzahl Getestete
Anzahl Positive
Rohrate % positiv [95 %-KI]
Nickel(II)-sulfat, 6*H 2O
42.696
7105
16,6 [16,3–17,0]
Duftstoff-Mix
42.857
3529
8,2 [8,0–8,5]
Perubalsam
42.763
2915
6,8 [6,6–7,1]
Kobalt(II)-chlorid, 6*H 2O
42.842
2294
5,4 [5,1–5,6]
Duftstoff-Mix II
42.929
2090
4,9 [4,7–5,1]
MCI/MI
43.047
1740
4,0 [3,9–4,2]
Kolophonium
43.041
1701
4,0 [3,8–4,1]
Methylisothiazolinon
30.644
1476
4,8 [4,6–5,1]
Kaliumdichromat
42.923
1444
3,4 [3,2–3,5]
Propolis
42.805
1235
2,9 [2,7–3,0]
Dibromdicyanobutan (Methyldibromo Glut.)
43.052
1117
2,6 [2,4–2,7]
Amerchol L 101
31.260
1008
3,2 [3,0–3,4]
Thiuram-Mix
42.992
1006
2,3 [2,2–2,5]
Wollwachsalkohole
42.809
977
2,3 [2,1–2,4]
HICC (Lyral®)
42.836
941
2,2 [2,1–2,3]
Polyvidoniod
11.498
881
7,7 [7,2–8,2]
p-Phenylendiamin (freie Base: CI 76.060)
10.538
832
7,9 [7,4–8,4]
Ylang-ylang (I + II)-Öl
33.941
812
2,4 [2,2–2,6]
Epoxidharz
42.475
735
1,7 [1,6–1,9]
Terpentin
42.798
718
1,7 [1,6–1,8]
p-Toluylendiamin (freie Base)
3900
705
18,1 [16,9–19,3]
Cocamidopropylbetain
32.296
671
2,1 [1,9–2,2]
Benzoylperoxid
8859
622
7,0 [6,5–7,6]
Octylgallat
31.161
599
1,9 [1,8–2,1]
Propylenglycol
31.090
586
1,9 [1,7–2,0]
Sandelholzöl
33.928
518
1,5 [1,4–1,7]
Palladiumchlorid
5761
513
8,9 [8,2–9,7]
Formaldehyd
42.844
502
1,2 [1,1–1,3]
Eichenmoos absolue
12.750
484
3,8 [3,5–4,1]
Tolubalsam
5473
482
8,8 [8,1–9,6]
95 %-KI 95%-Konfidenzintervall, MCI/MI (Chlor-)Methylisothiazolinon.
Tab. 7
Die 30 häufigsten Kontaktallergene bei Patienten über 65 Jahre ohne Komorbidität (Stauungsekzem/Ulcus cruris, chronisch venöse Insuffizienz und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk; Reaktionen an Tag 3 bzw. Tag 4)
Testsubstanz
Anzahl Getestete
Anzahl Positive
Rohrate % positiv [95 %-KI]
Duftstoff-Mix
10.287
1226
11,9 [11,3–12,6]
Perubalsam
10.302
1181
11,5 [10,9–12,1]
Nickel(II)-sulfat, 6*H 2O
10.412
678
6,5 [6,0–7,0]
Duftstoff-Mix II
10.313
576
5,6 [5,1–6,0]
Propolis
10.317
382
3,7 [3,3–4,1]
MCI/MI
10.311
370
3,6 [3,2–4,0]
Kolophonium
10.322
351
3,4 [3,1–3,8]
Dibromdicyanobutan (Methyldibromo Glut.)
10.319
304
2,9 [2,6–3,3]
Kobalt(II)-chlorid, 6*H 2O
10.452
284
2,7 [2,4–3,0]
Kaliumdichromat
10.446
265
2,5 [2,2–2,9]
Methylisothiazolinon
6058
259
4,3 [3,8–4,8]
Ylang-ylang (I + II)-Öl
7872
240
3,0 [2,7–3,5]
Wollwachsalkohole
10.320
234
2,3 [2,0–2,6]
Amerchol L 101
6493
216
3,3 [2,9–3,8]
Terpentin
10.322
216
2,1 [1,8–2,4]
HICC (Lyral®)
10.334
210
2,0 [1,8–2,3]
Polyvidoniod
1698
209
12,3 [10,8–14,0]
Tolubalsam
1210
204
16,9 [14,8–19,1]
Eichenmoos absolue
2710
175
6,5 [5,6–7,4]
tert.-Butylhydrochinon
6434
172
2,7 [2,3–3,1]
Cocamidopropylbetain
6627
167
2,5 [2,2–2,9]
Octylgallat
6444
153
2,4 [2,0–2,8]
Jasmin absolut
7872
151
1,9 [1,6–2,2]
Epoxidharz
10.335
142
1,4 [1,2–1,6]
Thiuram-Mix
10.322
140
1,4 [1,1–1,6]
Benzoylperoxid
2748
131
4,8 [4,0–5,6]
Sandelholzöl
7871
116
1,5 [1,2–1,8]
Cetylstearylalkohol
10.321
105
1,0 [0,8–1,2]
Compositae Mix
6443
103
1,6 [1,3–1,9]
Propylenglycol
6433
100
1,6 [1,3–1,9]
95 %-KI 95%-Konfidenzintervall, MCI/MI (Chlor-)Methylisothiazolinon.
Tab. 8
Die 30 häufigsten Kontaktallergene bei Patienten über 65 Jahre mit Komorbidität (Stauungsekzem/Ulcus cruris als Diagnose und/oder chronisch venöse Insuffizienz als Kofaktor und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk; Reaktionen an Tag 3 bzw. Tag 4)
Testsubstanz
Anzahl Getestete
Anzahl Positive
Rohrate % positiv [95 %-KI]
Perubalsam
2724
383
14,1 [12,8–15,4]
Duftstoff-Mix
2725
340
12,5 [11,3–13,8]
tert.-Butylhydrochinon
2393
241
10,1 [8,9–11,3]
Amerchol L 101
2392
215
9,0 [7,9–10,2]
Duftstoff-Mix II
2727
208
7,6 [6,7–8,7]
Wollwachsalkohole
2721
204
7,5 [6,5–8,6]
Kolophonium
2723
148
5,4 [4,6–6,4]
Cetylstearylalkohol
2722
144
5,3 [4,5–6,2]
Nickel(II)-sulfat, 6*H 2O
2723
121
4,4 [3,7–5,3]
Polyvidoniod
915
109
11,9 [9,9–14,2]
Dibromdicyanobutan (Methyldibromo Glut.)
2727
104
3,8 [3,1–4,6]
Propolis
2726
99
3,6 [3,0–4,4]
Propylenglycol
2397
92
3,8 [3,1–4,7]
MCI/MI
2726
79
2,9 [2,3–3,6]
Cocamidopropylbetain
2406
79
3,3 [2,6–4,1]
Thiuram-Mix
2732
72
2,6 [2,1–3,3]
Ylang-ylang (I + II)-Öl
1998
72
3,6 [2,8–4,5]
Jasmin absolut
1998
71
3,6 [2,8–4,5]
Terpentin
2724
70
2,6 [2,0–3,2]
Kaliumdichromat
2732
67
2,5 [1,9–3,1]
Octylgallat
2396
65
2,7 [2,1–3,4]
Sandelholzöl
1997
56
2,8 [2,1–3,6]
Kobalt(II)-chlorid, 6*H 2O
2732
55
2,0 [1,5–2,6]
Paraben-Mix
2731
51
1,9 [1,4–2,4]
Compositae-Mix
1839
43
2,3 [1,7–3,1]
Bronopol (2-Brom-2-nitropropan-1,3-diol)
2729
41
1,5 [1,1–2,0]
Butylhydroxyanisol (BHA)
2397
39
1,6 [1,2–2,2]
Neomycinsulfat
1111
38
3,4 [2,4–4,7]
Eichenmoos absolue
720
37
5,1 [3,6–7,0]
Methylisothiazolinon
2046
36
1,8 [1,2–2,4]
95 %-KI 95%-Konfidenzintervall, MCI/MI (Chlor-)Methylisothiazolinon.
In der Gesamtgruppe der Senioren > 65 Jahre zeigten sich am häufigsten Sensibilisierungen gegenüber Duftstoff-Mix I (12,0 %) und Perubalsam (12,0 %), wenn wenigstens 8500 getestete Individuen in dieser Gruppe berücksichtigt wurden. Sensibilisierungshäufigkeiten zwischen 5 und 10 % bestanden in dieser Gruppe auf Nickel(II)-sulfat (6,1 %) und Duftstoff-Mix II (6,0 %), zwischen 3 und 5 % auf Kolophonium (3,8 %), Propolis (3,7 %), Chlormethylisothiazolinon/MI (3,4 %) und Wollwachsalkohole (3,4 %) (Tab.  5). Die gezielte Testung mit Amerchol L 101 führte zu Erkennungsquoten unter den Getesteten ( n = 8885) von 4,9 %, mit tert.-Butylhydrochinon ( n = 8827) zu 4,7 % Positiven, mit Methylisothiazolinon (MI;  n = 8104) zu 3,6 % Positiven.
In der geschlechtsspezifischen Auswertung der Gesamtgruppe der Senioren fallen wesentliche Unterschiede bezüglich der Sensibilisierungshäufigkeit auf Nickel (3,3 % der Männer vs. 8,2 % der Frauen; p < 0,0001) auf.
Werden in der Vergleichsgruppe (≤ 65 Jahre) wenigstens n = 42.000 Getestete einbezogen (Tab.  6), ist im Vergleich zum Gesamtkollektiv der Senioren festzustellen, dass in der jüngeren Vergleichsgruppe Sensibilisierungen gegenüber Nickelsulfat (16,6 %), Kobalt (5,4 %) und Kaliumdichromat (3,4 %) häufiger vorkommen, während Sensibilisierungen auf Duftstoff-Mix I (8,2 %), Perubalsam (6,8 %), Duftstoff-Mix II (4,9 %), Propolis (2,9 %) und Wollwachsalkohole (2,3 %) weniger häufig auftraten (alle Unterschiede: p < 0,0001). Die Erkennungsfrequenz von Chlormethylisothiazolinon/MI (4,0 vs. 3,4 %; p = 0,002) und Kolophonium (4,0 vs. 3,8 %; p = 0,51) unterschied sich nicht wesentlich von der des Gesamtkollektivs der Senioren.
Die gezielte Testung mit Amerchol L 101 führte in der Vergleichsgruppe zu Erkennungsquoten unter den Getesteten ( n = 31.260) von 3,2 %, mit MI ( n = 30.644) zu 4,8 % Positiven.
Auch in der geschlechtsspezifischen Auswertung der Vergleichsgruppe fallen wesentliche Unterschiede bezüglich der Sensibilisierungshäufigkeit auf Nickel (5,5 % der Männer vs. 23,3 % der Frauen; p < 0,0001) auf.
Bezüglich Sensibilisierungen auf charakteristische Berufsallergene ([ 8]; wie z. B. Kaliumdichromat, Epoxidharz, Thiurame) sind diese häufiger in der potenziell berufstätigen Vergleichsaltersgruppe (≤ 65j) nachzuweisen, jedoch auch weiterhin bei Senioren über 65 Jahre: Kaliumdichromat > 65 Jahre (gesamt): 2,5 vs. 3,4 % ( ≤ 65 Jahre; χ 2-Test; p < 0,0001); Epoxidharz > 65 Jahre (gesamt): 1,3 vs. 1,7 % (≤ 65 Jahre; p = 0,0004); Thiurame > 65 Jahre (gesamt): 1,6 vs. 2,3 % (≤ 65 Jahre; p < 0,0001), wobei die höchste Sensibilisierungsfrequenz auf Thiurame  bei den über 65-Jährigen mit oben genannten Komorbiditäten festzustellen ist [> 65 Jahre (mit Komorbidität): 2,6 % vs. > 65 Jahre (ohne Komorbidität): 1,4 %], wahrscheinlich bedingt durch außerberufliche Exposition zu Kompressionsmaterialien.

Allergenhitlisten unter Berücksichtigung von Komorbiditäten

Die 30 häufigsten Kontaktallergene bei Patienten über 65 Jahre ohne (Tab.  7) und mit Komorbidität (Stauungsekzem/Ulcus cruris, CVI und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk; Tab.  8) weisen bemerkenswerte Unterschiede bezüglich der Sensibilisierungshäufigkeiten gegen Salbengrundlagen und -inhaltsstoffe auf, auf die Patienten mit oben genannten Komorbiditäten signifikant häufiger sensibilisiert sind als die Gleichaltrigen ohne oben genannte Komorbiditäten: tert. Butylchrochinon (10,1 vs. 2,7 %), Amerchol L 101 (9,0 vs. 3,3 %), Wollwachsalkohole (7,5 vs. 2,3 %), Cetylstearylalkohol (5,3 vs. 1,0 %), Propylenglycol (3,8 vs. 1,6 %) (alle Unterschiede p < 0,0001). Auch auf Kolophonium (5,4 vs. 3,4 %; p < 0,0001) waren die Senioren mit Komorbidität häufiger sensibilisiert, während auf Propolis (3,6 vs. 3,7 %) identische Sensibilisierungshäufigkeit vorliegt. Im Vergleich dazu waren die Senioren ohne oben genannte Komorbidität häufiger, jedoch nicht signifikant auf MCI/MI sensibilisiert (3,6 vs. 2,9 %; p = 0,08). Signifikante Unterschiede in der Sensibilisierungshäufigkeit auf Salbeninhaltstoffe und -grundlagen sind nicht primär altersbedingt, sondern treten in Verbindung mit Stauungsekzem/Ulcus cruris, CVI und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk gehäuft auf.
Weiterhin zeigen die vergleichenden Auswertungen der häufigsten positiven Kontaktallergene in den oben genannten 4 Kollektiven deutliche Unterschiede bezüglich der Sensibilisierungshäufigkeit auf Nickelsulfat [> 65 Jahre (gesamt): 6,1 %, > 65 Jahre (ohne Komorbidität): 6,5 %, > 65 Jahre (mit Komorbidität): 4,4, vs. 16,6 % (≤ 65 Jahre)].

Diskussion

Bezüglich einer Zu- oder Abnahme von Häufigkeit und Suszeptibilität allergischer Kontaktekzeme mit zunehmendem Lebensalter bestehen in der Literatur zum Teil kontroverse Ergebnisse [ 10]. Eine mit zunehmendem Alter reduzierte epidermale Hautbarrierefunktion und repetitive Allergenexposition – insbesondere bei bestehender Komorbidität – können einerseits bei Senioren die Bereitschaft für die Entstehung von Kontaktallergien begünstigen, während ein schwächeres Immunsystem diese Bereitschaft reduziert [ 10].
Nach aktuellen Daten (2008 bis 2011) des in Deutschland durch das Robert Koch-Institut durchgeführten bevölkerungsbezogenen Gesundheitsmonitorings beträgt die Lebenszeitprävalenz für allergische Kontaktekzeme bei Frauen zwischen 60 und 69 Jahren durchschnittlich 9,6 %, bei Frauen zwischen 70 und 79 Jahren 7,9 % [ 4]. Bei Männern zwischen 60 und 69 beträgt die Lebenszeitprävalenz für allergische Kontaktekzeme durchschnittlich 3,5 % und zwischen 70 und 79 Jahren 3,0 % [ 4].
Auch bei Senioren über 65 Jahre sind allergische Kontaktekzeme ein häufiges Krankheitsbild.
In den aktuell 4 untersuchten Patientenkollektiven (über 65 Jahre, > 65 Jahre mit und ohne Komorbidität, ≤ 65 Jahre) machte der Anteil an allergischen Kontaktekzemen unter den Abschlussdiagnosen jeweils 25 % aus, wobei sich die Lokalisation und kontaktallergischen Auslöser von der jüngeren Vergleichsgruppe (bis 65 Jahre) unterscheiden. Die sog. Hitlisten häufiger Kontaktallergene zeigen bei Senioren mit und ohne Komorbidität (Stauungsekzem/Ulcus cruris, CVI und/oder Hauptlokalisation an Unterschenkel/Sprunggelenk) eine signifikant niedrigere Sensibilisierungshäufigkeit auf Nickel und eine signifikant höhere Sensibilisierungshäufigkeit auf Duftstoff-Mix und Perubalsam im Vergleich zum untersuchten jüngeren Vergleichskollektiv (bis 65 Jahre) und publizierten Daten zum IVDK-Gesamtkollektiv [ 7]. Diese Ergebnisse sind im Einklang mit den Ergebnissen von Untersuchungen an anderen Kollektiven höheren Lebensalters [ 1, 2, 11, 18, 20].
Bei oben genannten Komorbiditäten sind zusätzlich signifikant höhere Sensibilisierungsquoten auf Salbeninhaltsstoffe im untersuchten Patientenkollektiv festzustellen. Bei Vorliegen dieser Komorbiditäten ist es daher erforderlich, Salbeninhaltsstoffe bei der Diagnostik einzubeziehen. Die Testung mit der Standardreihe alleine ist nicht ausreichend. Zusätzlich wurde ein verzögerter Reaktionseintritt in der Patientengruppe der Senioren berichtet und eine zusätzliche Spätablesung nach 7 Tagen und Relevanzbewertung auch schwach positiver Testreaktionen in dieser Patientengruppe empfohlen [ 9]. Dies ist im Einklang mit der aktuellen Europäischen Epikutantest-Leitlinie, die eine zusätzliche Spätablesung nach 7 Tagen unterstützt [ 3].
Eine lineare Zunahme von Kontaktsensibilisierungen in Abhängigkeit der Bestandsdauer von Unterschenkelulzera wurde beschrieben [ 18]. Eine frühzeitige Behandlung der Ulkus-unterhaltenden Faktoren und Defektdeckung erscheinen daher im Hinblick auf die Prävention von Kontaktsensibilisierungen sinnvoll.
Im Gegensatz zu den Senioren sind in der Vergleichsgruppe (bis 65 Jahre) bezüglich der angeschuldigten Kontaktstoffgruppen ab vierter Stelle überwiegend berufliche Kontaktstoffe vertreten. Die Sensibilisierungshäufigkeit auf die Berufsallergene Kaliumdichromat und Thiurame ist bei der Vergleichsgruppe der unter 65-Jährigen signifikant höher, während für Epoxidharz der Unterschied kein Signifikanzniveau erreicht. Die geringere Reaktionsquote auf Berufsallergene bei Senioren kann durch unterschiedliche Selektion oder verringerte Reaktivität im Alter bedingt sein.
Die aktuellen Daten zu Kontaktallergien bei über 65-Jährigen wurden mit den Mitteln der klinischen Epidemiologie im selektionierten Patientenkollektiv der IVDK-Kliniken erhoben, welches aufgrund von Hauterscheinungen einer Epikutantestung unterzogen wurde, und bilden nicht die Sensibilisierungshäufigkeit in der Allgemeinbevölkerung ab [ 4, 12, 16, 17]. Die vorliegenden Daten zur klinischen Epidemiologie der Kontaktallergie bei Senioren mit und ohne Komorbidität sind von Bedeutung, um die häufigsten Auslöser und Risikofaktoren, sowie Daten zur Diagnostik der – sofern das auslösende Kontaktallergen unerkannt bleibt – potenziell chronisch verlaufenden Erkrankungsmanifestation zu erfassen, die nicht nur auf die Lebensqualität der Betroffenen Einfluss hat, sondern im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung auch volkswirtschaftlich von zunehmender Bedeutung ist.

Fazit für die Praxis

  • Im Gegensatz zur Vergleichsgruppe ≤ 65 Jahre, bei der Hauterscheinungen vorrangig an den Händen bestehen, stehen bei Senioren – auch ohne Komorbiditäten – andere Lokalisationen im Vordergrund.
  • Bei 25 % der 4 untersuchten selektionierten Patientengruppen wurde jeweils als Abschlussdiagnose ein allergisches Kontaktekzem diagnostiziert, wobei diese wesentlich bezüglich der Kontaktstoffgruppen und identifizierten häufigen Kontaktallergene differieren.
  • Sensibilisierungen gegenüber Nickel, Kobalt und Kaliumdichromat bestehen bei Senioren signifikant seltener als in der Vergleichsgruppe, auf Duftstoff-Mix I und Perubalsam, Duftstoff-Mix II, Propolis und Wollwachsalkohole signifikant häufiger.
  • Bei Senioren mit Stauungsekzem/Ulcus cruris/CVI/Hauterscheinungen am Unterschenkel/Sprunggelenk sind Sensibilisierungen auf tert.-Butylchrochinon Amerchol L 101, Wollwachsalkohole, Cetylstearylaklkohol, Propylenglycol und Kolophonium signifikant häufiger.
  • Allergieprävention beginnt bei einer frühzeitigen suffizienten Behandlung dieser Grunderkrankungen.
  • Bei Bestehen dieser Komorbiditäten sollen in Ergänzung zur Standardreihe weitere Salbengrundlagen und -inhaltsstoffe bei der Epikutantestung berücksichtigt werden.

Danksagung

Die Autorin dankt den Mitgliedern der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe für die Patientenbetreuung und standardisierte Datenerfassung in den 54 Zentren, die Daten zur vorliegenden Arbeit beigetragen haben [in alphabetischer Reihenfolge: Aachen, Aarau (CH), Augsburg, Basel (CH), Berlin (Charité), Bern (CH), Bielefeld, Bochum (Hautklinik und BGFA), Bremen, Dessau, Detmold, Dortmund, Dresden (Hautklinik Universitätsklinikum und Krankenhaus Friedrichstadt), Erlangen, Essen, Falkenstein, Freudenberg, Gera, Göttingen, Graz (A), Greifswald, Halle, Hamburg (Eppendorf, Dermatologikum, BGUK), Hannover, Heidelberg (Hautklinik und Abt. Klin. Soz. Med.), Heilbronn, Homburg/Saar, Jena, Kiel, Lausanne (CH), Leipzig, Lübeck, Mainz, Mannheim, Marburg, Minden, München (LMU, TU und Schwabing), Münster, Nürnberg, Oldenburg, Osnabrück, Rostock, Stuttgart, Tübingen, Ulm, Würzburg, Zürich (CH), Zwickau]. Besonderer Dank gebührt Johannes Geier (IVDK) für die Datenauswertung.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

V. Mahler ist Vorsitzende der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe, einer wissenschaftlichen Non-Profit-Organisation, die in den letzten 5 Jahren Spenden der Firmen Almirall-Hermal und SmartPractice Germany erhalten hat. V. Mahler hat Referentenhonorare von Fa. Almirall-Hermal und SmartPractice erhalten.
Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren.
Literatur
Bildnachweise