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14.03.2017 | Genitalchirurgie | Nachrichten

Pro & Contra

Intimchirurgie: Schönheitsnormen für Schamlippen?

Autor:
Dr. Beate Fessler

Die Intimchirurgie gehört zu den Top 5 der ästhetisch-plastisch-chirurgischen Verfahren – an fünfter Stelle nach Fettabsaugung, Mammaaugmentation, Blepharoplastik des Oberlids sowie der Mastopexie. Was spricht dafür – und was dagegen?

Pro

Die Palette chirurgischer Eingriffe im Intimbereich ist breit und umfasst Klitorismantelstraffung und Schamlippenkorrektur ebenso wie vaginale Straffung, G-Punkt-Intensivierung und das Po-Modelling, erläuterte Dr. Marwan Nuwayhid, Leipzig. Der Gynäkologe outete sich als Befürworter solcher Eingriffe. Entscheidend sei dabei nicht, ob die Labien acht Zentimeter oder neun Zentimeter lang sind, entscheidend sei, dass die Frauen sich damit wohl fühlen, begründete er seine Position. 

Viele dieser Patientinnen hätten körperliche oder psychische Probleme. Auch soziale Isolation sei möglich, etwa wenn sie nicht mehr in die Sauna gehen würden.  Zudem betonte er, dass chirurgische Verfahren, die in der Intimchirurgie eingesetzt werden, auch bei medizinisch indizierten Eingriffen hilfreich seien, etwa bei einem Labienriss. „Hier profitieren wir von der Erfahrung“. 

Contra

Gegenargumente kamen von Dr. Daniela Rezek, Wesel, die die Frage stellte: „Wer legt eigentlich fest, was schön ist.“ Welchem Ideal also folgen die Patientinnen, wenn sie sich etwa für eine Schamlippenkorrektur entscheiden?

Häufig unterschätzt werde zudem das Risiko von Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Dellen, Granulome, Infektionen, aber auch Sensibilitätsstörungen und Dyspareunie. Wer sich für eine Straffung der Vagina entschließt, müsse mit allen Komplikationen einer herkömmlichen Kolporaphie rechnen, wie Harnverhalt oder auch Stuhlentleerungsstörungen. 

Sie führte den Hype in der Intimchirurgie auf eine zunehmende Sexualisierung der Gesellschaft und Pornografisierung des öffentlichen Raumes zurück. Die derzeit populäre Intimrasur mache zudem ein Vergleich der Genitale einfach möglich. Gegen solche Eingriffe sprechen, neben der irregeleiteten Vorstellung der Norm,  auch die übertriebenen Erwartungen an die Möglichkeiten solcher Eingriffe, etwa zur Besserung sexueller Störungen, die keinen anatomischen Hintergrund haben. Aus feministischer Sicht stelle die Ausrichtung an einem Schönheitsideal zudem eine Form der männlichen Dominanz über den weiblichen Körper dar.

Basierend auf: 2. Hauptthema: Pro- und Kontra-Diskussionen"Intimchirurgie ", FOKO Fortbildungskongress der FBA, 1. März 2018 in Düsseldorf

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