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24.11.2017 | Faltenbildung | Nachrichten

Marine Moleküle für die Haut

Schönheit kommt aus dem Meer

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Der Markt für neue Kosmetikprodukte wächst stetig. Die Nachfrage geht zurzeit in Richtung natürlicher Inhaltsstoffe – auch solche aus der marinen Flora und Fauna sind beliebt, denn sie schützen die Haut vor Schäden, verlangsamen ihre Alterung und spenden Feuchtigkeit.

Ein Beispiel sind Komponenten der Makroalgen, wie Carotinoide und Polyphenole, die einen Anti-Aging-Effekt und antientzündliche Eigenschaften aufweisen. Auch marine, extremophile Bakterien produzieren bioaktive Moleküle, von denen manche bereits kommerzialisiert wurden.

Antioxidative Moleküle

Mit dem Alter verliert unsere Haut zunehmend die Fähigkeit, die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS), die zum Beispiel durch UV-Licht entstehen, zu regulieren. Das marine Exopolysaccharid (EPS) Deepsane, das Forscher vom Tiefsee-Polychaeten Alvinella pompejana isolierten, kann die epidermalen Keratinozyten und Langerhanszellen vor inflammatorischen Mediatoren wie UV-Licht schützen. Auch mycosporinähnliche Aminosäuren, Carotinoide wie Zeaxanthin und Polyphenole wie Flavonoide, die aus marinen Organismen stammen, wirken antioxidativ.

Substanzen gegen Hyperpigmentierung

Auch eine Hyperpigmentierung kann durch UV-Strahlung oder Hautalterunsprozesse entstehen. Dabei produzieren die Melanozyten durch eine Serie oxidativer Reaktionen Melanin. Die Tyrosinase katalysiert diesen Prozess. Die Hemmung dieses Enzyms verhindert die Hyperpigmentierung. Bisherige marine Tyrosinase-Inhibitoren hatten diesbezüglich nur einen moderaten Erfolg [1]. Kürzlich demonstrierte eine Untersuchung, dass Flavonoide und Tannine aus dem Halophyten Pistacia lentiscus in in vitro-Versuchen die Tyrosinase erfolgreich inhibieren [2]. Auch phenolische Extrakte von 50 marinen Algen zeigten diesen Effekt auf epidermale Melanozyten. Das höchste Potenzial und eine 100% höhere Inhibition als der kommerzielle Inhibitor Arbutin wies dabei das Flavonoid Luteolin-7-Sulfat auf, das aus dem Seegras Phyllospadix iwatensis gewonnen wurde [3].

Antiaging-Effekte

Obwohl der Effekt von Kollagen auf die Hautalterung vernachlässigbar ist, nutzen viele Kosmetikprodukte diesen Inhaltsstoff. Studien zeigen, dass marines Kollagen in Zellassays eine geringere Zytotoxizität bei einer gleichzeitig höheren Zellviabilität besitzt als bovines Kollagen [4]. Es könnte also in Zukunft eine größere Rolle in kosmetischen Anwendungen spielen.

Ein neu entdecktes Enzym, Zonease, isoliert aus den Eiern des atlantischen Lachses (Salmo salar), zeigte in einer Studie ebenfalls einen hautverjüngenden Effekt [5]. Die topische Anwendung von Lachseierextrakt reduzierte Falten sowie Pigmentierungen und verbesserte die kutane Hauthydratation.

Feuchtigkeitsspendende Moleküle

Sogar gegen trockene Haut haben Meeresorganismen etwas zu bieten. Zum Beispiel der Tiefseebarsch (Hoplostethus atlanticus), dessen Öl der Haut Feuchtigkeit spendet und dessen Wirksamkeit in einer Studie vergleichbar zu der von Petroleum-basierten Produkten war [6]. Allerdings ist der Fisch, aufgrund seiner späten Maturität und seines langsamen Wachstums keine gute, nachhaltige Quelle für die Gewinnung des Öls.

Weitere Feuchtigkeitsspender und antientzündliche, antimikrobielle Substanzen sind zum Beispiel wasserabsorbierende Moleküle wie Polysaccharide aus Crustacea, Phaeophyta und Rhodophyta [7,8]. Kürzlich wurden marine bakterielle Exoploysaccharide aus Polaribacter sp. SM1127 und Phyllobacterium sp. 921F isoliert, die signifikante wasserabsorbierende Effekte zeigen [9,10]. Zudem demonstrierte eine Studie, dass EPS aus Vibrio diabolicus die Produktion von Hyaluronsäure und Keratinozyten stimuliert und somit die Haut feucht hält. Gleichzeitig hemmt der Extrakt einen Vorgang, der die Faltenbildung fördert [11].

Aufgrund ihrer positiven Effekte auf die Haut könnten aktive Substanzen aus marinen Organismen in Zukunft für die Kosmetikindustrie eine größere Rolle spielen. Wichtig ist es jedoch, auf die Nachhaltigkeit bei der Gewinnung dieser Moleküle zu achten.

Literatur

Weiterführende Themen

Bildnachweise