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20.03.2017 | Eigenfetttransplantation zur Brustvergrößerung | Nachrichten

Bauchspeck nutzen

Weniger invasiver Brustaufbau mit Lipofilling

Autor:
Friederike Klein

Die brusterhaltende Therapie ist beim Mammakarzinom heute Standard. Dem durch Operation und Strahlentherapie entstehenden Volumenmangel kann auch durch Lipotransfer begegnet werden. Doch ist das sicher?

Die Brust mit ihrem hohen Anteil an Fettgewebe sollte eigentlich gute Voraussetzungen für ein Lipofilling bieten. Bedenken bestanden aber lange, weil Adipokine aus Fettzellen in vitro als Wachstumsfaktoren für Tumorzellen und Promotoren der Onkogenese wirkten, wie Prof. Dr. Dr. Lukas Schwentner, Ulm, berichtete. Eine Metaanalyse von 18 klinischen Studien fand aber bisher kein erhöhtes Risiko für lokoregionale Rezidive bei Lipofilling, die Rezidivrate lag zwischen 0 und 3,9% pro Jahr [1].

Es gibt allerdings noch andere Nachteile des Lipofillings, die ebenfalls relevant sind. So ist die radiologische Beurteilung der Brust nach Lipofilling eingeschränkt: Es kann zu kleinen Knötchen durch Mikroverkalkungen kommen.

Indikation: Korrektur

Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie empfiehlt denn den Lipotransfer nach brusterhaltender Therapie mit einem Plus bei einem relativ niedrigen Empfehlungsgrad D und Evidenzlevel 4. Die Arbeitsgemeinschaft für wiederherstellende Operationsverfahren in der Gynäkologie (AWOgyn) versieht das Lipofilling zur Korrektur von Deformitäten ebenfalls mit einem Plus (Empfehlungsgrad C, Evidenzlevel 3b).

Kontraindikationen sind laut AWOgyn:

  • Schwangerschaft/Stillzeit
  • Aktuelle Behandlung eines Mammakarzinoms
  • weniger als ein Jahr zurückliegende Mammakarzinomtherapie
  • bekannte BRCA-1/2-Mutation
  • unrealistische Erwartungen der Patientin.

„Bei Patientinnen, die nicht mit der primären Rekonstruktion zufrieden sind, sind immer welche dabei, die sie nicht glücklich machen können“, warnte Schwentner.

Welches Fett eignet sich am besten?

Grundsätzlich kommen zur Gewinnung des Fetts die von den Frauen oft als „Problemzonen“ empfundenen Bereiche in Frage: Bauch, Oberschenkel und Po. Technisch ist die Entnahme aus dem Bauch am einfachsten, weil keine Umlagerung notwendig ist, betonte Schwentner. Zur Liposuktion wird eine Tumeszenzlösung mit Lokalanästhetikum, Adrenalin und gegebenenfalls Natriumhydrogenkarbonat entsprechend des Absaugvolumens injiziert. Das Absaugen sollte laut Schwentner mit geringem Sog erfolgen. Die gewonnene Flüssigkeit wird je nach dem verwendeten System unterschiedlich aufbereitet, um die Fettzellen zu gewinnen. Stammzellanreicherungen werden weder von AGO noch AWOgyn empfohlen. 

Beim Einbringen in die Brust sollte die Fettzelllösung in einzelnen Kanälen verteilt und epipektoral wie subkutan eingebracht werden. Häufig müssen dafür auch Vernarbungen gelöst werden. Schwentner empfahl, die Brust gut aufzufüllen, da nicht immer das ganze injizierte Volumen erhalten bleibt. Die Vorteile des Verfahrens sind für ihn, dass wenig zusätzliche Narben entstehen, die Operationszeit kurz ist und die Patienten seiner Erfahrung nach zum Großteil sehr zufrieden sind. 

Keine Rolle spielt das Lipofilling derzeit zur alleinigen Rekonstruktion der Brust, Einsatzgebiete sind Volumendefekte ohne oder mit Implantatrekonstruktion.

Basierend auf: Symposium: Innovationen, FOKO Fortbildungskongresses, 9.-11. März 2017 in Düsseldorf

Literatur

Weiterführende Themen