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08.03.2018 | Eigenfetttransplantation zur Brustvergrößerung | Nachrichten

Brustrekonstruktion

Latissimus-Flap plus Fetttransplantation bringt gute Ergebnisse

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Die Rekonstruktion einer Brust nach Mastektomie ist bis heute eine Herausforderung. Chirurgen nutzen dazu meist abdominale Lappen. Eine Alternative bieten Flaps aus dem Latissimus. Wie eine neue Studie zeigt, bringt dabei die Kombination mit einer Fetttransplantation bessere Ergebnisse als die Verwendung von Implantaten.

Der Goldstandard der Brustrekonstruktion bei bestrahlten Patientinnen nach Mastektomie ist die Nutzung von Eigengewebe, das aus der Bauchregion entnommen wird. Ist dies nicht möglich oder ist nicht ausreichend Gewebe im abdominalen Bereich vorhanden, können die Flaps (Lappen) auch aus dem Latissimus dorsi (LD) gewonnen werden.

Die Kombination von LD-Lappen mit Implantaten (IBLD, implant-based LD) oder Expandern ist dabei mit Komplikationen aufgrund des Implantats selbst (z. B. Infektionen) oder einer Morbidität der Spenderstelle verbunden – aus diesen Gründen ist diese Methode daher nur beschränkt einsetzbar. Eine Alternative bietet die Kombination aus Fetttransplantation und LD-Lappen (FALD, fat-augmented LD) [1-4]. Die Autoren einer neuen Studie verglichen nun beide Methoden bei 47 Brustkrebspatientinnen, die sich einer unilateralen Mastektomie und anschließender Strahlentherapie unterzogen hatten [4].

Vergleichbare Voraussetzungen

Bei 23 Teilnehmerinnen kam die FALD- (Gruppe A), bei 24 die IBLD-Methode (Gruppe B) mindestens zwölf Monate nach der Strahlentherapie zum Einsatz. Die mittlere Follow-up-Zeit betrug 23,02 Monate (13-37 Monate) und war in beiden Gruppen vergleichbar (p = 0,853). Auch gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich Alter (42,34 Jahre für A, 43,04 Jahre für B), Body-Mass-Index (25,12 für A und 24,87 für B), Anzahl der Schwangerschaften (0,73 für A, 0,79 für B) und Zeitspanne zwischen dem Ende der Strahlentherapie und der initialen rekonstruktiven Prozedur (Gruppe A: 18-96 Monate; Gruppe B: 12-70 Monate).

Teilnehmerinnen aus A wurden im initialen Eingriff zwischen 130 und 380 cc (Mittelwert: 254 +/- 60,29 cc) Fett injiziert. Die Implantatgröße in Gruppe B betrug zwischen 225 und 420 cc (Mittelwert: 323 +/- 45,67 cc). Das Implantatvolumen in B war damit zwar signifikant größer – allerdings war das mittlere Volumen an Fett (inklusive zusätzlicher Lipofillings), das insgesamt in die Brüste der Frauen aus A gegeben wurde, höher (406,7; p = 0,003).

Weniger Komplikationen mit FALD

Insgesamt traten in Gruppe A weniger Komplikationen auf, als in Gruppe B. Unerwünschte Reaktionen an der Lappen-Spenderstelle umfassten die Bildung von Seromen bei zehn (Gruppe A, 43,47%) bzw. neun Patientinnen (Gruppe B, 37,5%). Es traten weder eine Wunddehiszenz, noch ästhetische Makel auf. Bei den Empfängerstellen gab es bei drei (A, 13,04%) bzw. 14 (B, 58,3%) Patientinnen Komplikationen. Bei den FALD-Probandinnen wurden mittels postoperativem Ultraschall zwei Ölzysten (8,69%) festgestellt. Zudem trat bei einer Patientin (4,34%) eine Wunddehiszenz auf, die mittels Debridement in der zweiten postoperativen Woche behandelt werden musste.

In der IBLD-Gruppe kam es bei zwei von drei Patientinnen mit einer Wunddehiszenz zu einer Implantat-Extrusion. Beide Implantate wurden entfernt und nach sechs bzw. acht Monaten ersetzt. 13 Patientinnen dieser Gruppe (54,1%)  entwickelten zudem eine schwere kapsuläre Kontraktion (Baker III oder IV) während des Follow-ups. Davon wurden acht mittels Kapsulotomie oder Kapsulektomie und Fetttransplantation behandelt.

Besseres ästhetisches Ergebnis

Zwar war die mittlere Anzahl zusätzlicher Eingriffe in Gruppe A höher als in Gruppe B – dies war jedoch meist den Lipofillings geschuldet. In B jedoch gab es die zusätzlichen Ops aufgrund von Komplikationen.

Das ästhetisch Ergebnis war in der FALD-Gruppe besser als im IBLD-Arm (p = 0,05). Die Teilnehmerinnen aus A gaben den Resultaten insgesamt bessere Scores, auch hinsichtlich der Gesamtzufriedenheit.

Die Autoren schlussfolgern, dass die FALD-Methode eine gute Alternative für die autologe Brustrekonstruktion in bestrahlten Mastektomie-Patientinnen darstellt. Obwohl zusätzliche Lipofilliings benötigt werden, bringt die Methode gute Ergebnisse bei nur wenigen Nebenwirkungen. Die Autoren geben einen zusätzlichen Tipp aus der Praxis: in ihren Augen hat die „ideale“ Patientin, die für eine solche Methode infrage kommt, eine birnenartige Figur, ist nullipar, hat kleine bis mittlere Brüste und adäquate Spenderstellen für die Fettgewinnung.

Literatur

Weiterführende Themen

Bildnachweise