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22.11.2017 | Botulinumtoxin | Nachrichten

Drei Botulinumtoxine im Vergleich

Synkinese-Therapie: Welches Gift wirkt am besten?

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Eine Synkinese wird häufig mit Botulinumtoxin therapiert. Unklar ist, ob es Unterschiede in der Effizienz zwischen den verschiedenen dafür verfügbaren Toxinen gibt.

Eine Gesichtslähmung kann zu Komplikationen wie einer Synkinese führen, die nur schwer behandelbar ist [1-3]. Bei der Synkinese des Gesichts bewegen sich bei einer Muskelbewegung andere Gesichtsteile unfreiwillig mit. Beispielsweise kann es in manchen Fällen bei Muskelkontraktionen im Mundbereich zum Schließen eines Auges kommen. Die Therapie besteht aus einer Kombination aus Biofeedback, Physiotherapie und dem Einsatz von Botulinumtoxin A. Auf dessen Basis stehen mehrere Medikamente zur Verfügung, unter anderem Onabotulinumtoxin A, Abotulinumtoxin A und Incobotulinumtoxin A.

Welches davon in der Behandlung der Synkinese am effektivsten ist, untersuchte das Team um Andrew J. Thomas. Für ihre randomisierte klinische Studie wurden 28 Patienten (acht Männer und 20 Frauen, mittleres Alter 49 Jahre) mit einer Synkinese des Gesichts rekrutiert. Die Teilnehmer wurden dabei zufällig der Injektion im Gesicht mit Onabotulinumtoxin A, Abotulinumtoxin A oder Incobotulinumtoxin A zugeordnet. Vor der Behandlung mussten die Probanden einen Fragebogen (Synkinesis Assessment Questionnaire, SAQ) ausfüllen, um die vom Patienten wahrgenommene Schwere der Synkinese festzustellen. Eine, zwei und vier Wochen nach der Therapie füllten die Teilnehmer den SAQ erneut aus. Je niedriger der Wert, desto weniger schlimm war die Synkinese. Sechs Patienten erhielten dabei mehrere Sessions (zehn), insgesamt bekamen die 28 Probanden daher 38 Behandlungen. Davon wurden 15 mit Onabotulinumtoxin A, 13 mit Abotulinumtoxin A und zehn mit Incobotulinumtoxin A durchgeführt.

Die Toxine sind unterschiedlich effizient

Zwischen den SAQ-Scores vor der Behandlung gab es keinen Unterschied (mittlere Scores: 79,56; 70,9 und 69,56).

Nach der Therapie mit Onabotulinumtoxin A und Abotulinumtoxin A reduzierte sich der Score nach einer, zwei und vier Wochen signifikant gegenüber dem Ausgangsscore (Scores Onabotulinumtoxin A: 45,93 nach einer Woche, 45,19 nach zwei Wochen und 46,37 nach vier Wochen, p<0,001; Scores Abotulinumtoxin A: 38,80 nach einer Woche; 37,61 nach zwei Wochen; 40,34 nach vier Wochen, p<0,001). Über den gesamten Studienverlauf verbesserten sich die Scores für Onabotulinumtoxin im Mittel um 41% und für Abotulinumtoxin A um 42%.

Nach der Injektion von Incobotulinumtoxin A verbesserte sich der SAQ-Score signifikant sowohl nach der ersten Woche (Score: 51,33) als auch nach der zweiten Wochen (Score: 49,78). Nach vier Wochen war das Ergebnis jedoch nicht mehr signifikant (Score: 58), hier reduzierte sich der Wert lediglich um 17%.

Die Autoren schlussfolgern, dass alle drei Toxine in den ersten beiden Wochen nach der Behandlung vergleichbar wirksam sind. Vier Wochen nach der Behandlung wies allerdings Incobotulinumtoxin A eine geringere Effizienz als die beiden anderen Toxine auf. Hier vermuten die Autoren, dass möglicherweise höhere Dosen von Incobotulinumtoxin A notwendig sind, um eine Synkinese des Gesichts zu behandeln.

Literatur