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31.07.2014 | Botulinumtoxin | Nachrichten

Aufklärung gegen die Angst

Wie Sie die sechs häufigsten Vorurteile gegen Botulinumtoxin entkräften

Autor:
Dr. Christine Starostzik

"Alles, nur kein Botox“, sagen immer wieder Patienten, die zu einer ästhetischen Behandlung in die dermatologische Praxis kommen. Dann geht es darum, Vertrauen aufzubauen und Überzeugungsarbeit zu leisten, um den Patienten die Angst zu nehmen.

Das Schwierigste beim Patientenerstgespräch zu Botox seien Psychologie und Patientenführung, sagte Dr. Said Hilton, Düsseldorf, bei der 24. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München. Die Patienten hätten vor allem Angst vor dem vermeintlichen Gift. Tatsache sei aber, so Hilton, dass in den letzten Jahren in Deutschland kein einziger Arzt nach einer Botoxbehandlung verklagt wurde.

Auf Patientenängste solle man „proaktiv“ eingehen, ermunterte Hilton. Man solle erklären, dass tiefe mimische Falten mit Hyaluronsäure allein nicht wegzubekommen seien. Denn damit werde nur die Folge des jahrelangen Zusammenziehens der Haut behandelt, die Ursache aber, die Hyperkontraktilität, bleibe weiter bestehen. Hierfür müsse man Botox einsetzen. Doch die Angst nährt sich aus Vorurteilen, zu deren Entkräftung Hilton die jeweilige Gegenargumentation bereithielt:

 

Vorurteil 1: Botox ist ein Nervengift.

Hilton: „Eine hohe Dosis wirkt wie ein Gift, eine kleine wie ein Therapeutikum. Die Dosis, die wir für das Gesicht verwenden, ist so gering, dass man damit keine Vergiftung auslösen kann. Bei Kindern etwa, die wegen Spasmen behandelt werden, wird die 40-fach höhere Dosis Botox eingesetzt. Die eigentlich gefährliche Dosis im Gesicht wäre eine Menge von eineinhalb Litern. Wenn es ein Gift wäre, wäre es zudem weder in Deutschland noch irgendwo sonst auf der Welt zugelassen.“

Vorurteil 2: Man bekommt ein Maskengesicht.

Hilton: „Botox macht keine Maskengesichter. Es liegt an der Expertise des Arztes, die Mittel so einzusetzen, dass danach die Falten entweder geglättet oder schwächer sind und dass es trotzdem natürlich aussieht.“

Vorurteil 3: Es gibt keine Langzeitstudien.

Hilton: „In der Ästhetik blicken wir auf 15 Jahre, in der Neurologie auf Studien von weit über 20 Jahren zurück. Bei allen Studien ist Konsens: Botox ist resorbierbar und nie von lang anhaltender Wirkung. Es gibt also keine Langzeiteffekte und keine Langzeitnebenwirkungen, weil sich Botox abbaut.“

Vorurteil 4: Die Muskeln werden dünner.

Hilton: „Dies ist eine Sorge, die wir tatsächlich anfangs hatten. Die Praxis zeigt aber: Botulinumtoxin, das in der normalen Gesichtsmuskulatur eingesetzt wird, führt nicht zu Atrophien. Nach Abbau des Toxins hat der Muskel die gleiche Kraft, und die Muskeldicke verändert sich nicht. Ausnahmen sind die Behandlung des Masseter – hier wollen wir ganz bewusst eine Atrophie erzielen – sowie Behandlungen, die zur Körperformung eingesetzt werden. Warum die Corrugatoren nicht atrophisch werden, der Masseter aber schon, wissen wir nicht.“

Vorurteil 5: Nach mehrmaliger Behandlung werden die Falten schlimmer, weil die Haut ausleiert.

Hilton: „Das Gegenteil ist der Fall. Nach mehrfacher Anwendung von Botox kommen die Falten nie mehr so stark zurück, wie sie zu Beginn waren. Weil Botox eine pädagogische Wirkung am Patienten zeigt, die Frequenz der Muskelkontraktionen über die Zeit zu verringern.“

Vorurteil 6 : Die Behandlung muss ein Leben lang alle sechs Monate wiederholt werden.

Hilton: „Die Abstände zwischen den Sitzungen werden in der Regel immer länger. Junge Patienten, bei denen sich die Gewohnheit der Muskelkontraktion noch nicht so stark eingegraben hat, haben häufig schon nach zwei oder drei Sitzungen jahrelang Ruhe. Die geringere Kontraktionshäufigkeit führt dazu, dass die Falten weniger stark sind oder manchmal gar nicht mehr wiederkommen.“

Insgesamt sollte man vermeiden, negative Begriffe wie „Nervengift“ zu verwenden, so Hilton. Auch solle man nicht davon sprechen, die Stirn zu „lähmen“, sondern diese zu „entspannen“. Über „Begleitreaktionen“ wie Rötungen oder Schwellungen muss im Vorfeld aufgeklärt werden. „Bei der Behandlung der Stirn etwa können wir nie zu 100% garantieren, ob die Augenbrauen oder die Lider nicht doch kurzzeitig ein klein wenig absacken“, warnt Hilton. Hier könne man erklären, dass die Stirn besonders nach der ersten Behandlung über ein bis vier Wochen eventuell etwas schwerer erscheint.

Als bestes Überzeugungs-Tool haben sich eigene Vorher-Nachher-Fotos bewährt. Wichtig sei auch, dass dem Patienten Zeit gegeben werde, sich zu entscheiden. Bevor er eine Botoxbehandlung wählt, müsse Vertrauen aufgebaut werden. Man könne mit Hyaluronsäure starten, so Hilton, aber gleichzeitig erklären, dass dies nicht die Therapie der Wahl sei. Ist dann das nötige Vertrauen da, sollte man mit der erfolgversprechendsten Indikationen – der Glabella – beginnen.

Literatur

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