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01.02.2015 | Botulinumtoxin | Übersichtsartikel | Onlineartikel

aus: Der Hautarzt 2/2015

Der zufriedene Patient in der ästhetischen Dermatologie

Konsensusarbeit zur Patientenzufriedenheit in der Behandlung mit Botulinumtoxin A

Zeitschrift:
Der Hautarzt

Autoren: Dr. O.P. Kreyden, B. Rzany, P. Becker-Wegerich, C. Boudny-Frey, P. Carrozza-Merlani, M. Hess-Schmid, B. Schlagenhauff, Swiss Group of Esthetic Dermatology and Skincare (SGEDS)

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

Abstrakt

Patientenzufriedenheit ist ein entscheidender Faktor für den Therapieerfolg. Zahlreiche Konsensuspublikationen zur korrekten Behandlung mit Botulinumtoxin A (BTX-A) in der ästhetischen Dermatologie wurden veröffentlicht, wobei der Schwerpunkt der meisten Arbeiten technischer Art war und das wichtige Thema der Patientenzufriedenheit häufig lediglich einen Teilaspekt ausmachte. Die Swiss Group of Esthetic Dermatology and Skincare (SGEDS) ging diesen Fragen in einem zweitägigen Konsensusmeeting nach. Patienten der ästhetischen Dermatologie haben als Gesunde höhere Ansprüche als kranke Patienten der medizinischen Dermatologie. An den Arzt, das Praxispersonal sowie an die Praxisbedingungen müssen besondere Ansprüche gestellt werden, um den besonderen Bedürfnissen der ästhetischen Patienten entgegenzukommen. Große Bedeutung haben Vorgespräch und Aufklärung des Patienten, aber auch die Praxisabläufe sowie Betreuung vor, während und nach der Behandlung mit BTX-A. Ziel dieser Publikation ist es, Wege aufzuzeigen, wie der Anteil der zufriedenen Patienten in der Praxis erhöht werden kann.
Angesichts der zahlreichen Publikationen zur Behandlung mit Botulinumtoxin A (BTX-A) wurde das Thema Patientenzufriedenheit bei der Behandlung vergleichsweise selten angesprochen. Die nachfolgend gegebenen Ratschläge sollen dazu dienen, den Anteil zufriedener Patienten bei ästhetischen Behandlungen mit BTX-A zur erhöhen.
Der Patient ist umso zufriedener, je stärker er, bezogen auf seine Erwartungen, positiv überrascht wird und somit die wahrgenommenen Leistungen besser ausfallen als vorher antizipiert [ 1].
Zur Therapie mit BTX-A sind bereits mehrere Expertenpaper und Konsensusveröffentlichungen erschienen [ 28]. In diesen Publikationen wurden in erster Linie Indikationen, Dosierungen, Injektionstechniken sowie – daraus resultierend – klinische Resultate und Sicherheit der Behandlung behandelt. Dagegen liegen kaum Arbeiten über die Patientenzufriedenheit im allumfassenden Sinne vor, die ein wesentliches Ziel jeder ärztlichen Tätigkeit bedeuten sollte, die Sicherheit des entsprechenden Verfahrens vorausgesetzt [ 915]. Zudem wurde häufig nur die Zufriedenheit im Vergleich zur Nichtbehandlung untersucht.
Durch zufriedene Patienten können am besten Rechtsstreitigkeiten vermieden werden [ 16]. Die Patientenzufriedenheit trägt auch maßgeblich zum kommerziellen Erfolg der Praxis bei [ 17]. Im Rahmen eines zweitägigen Treffens wurden die nachfolgend aufgeführten Beschlüsse zum Erreichen der Patientenzufriedenheit von einer Expertengruppe, bestehend aus 7 Mitgliedern der SGEDS (Swiss Group of Esthetic Dermatology and Skincare), unter der Leitung des Erstautors gefasst, wobei alle Teilaspekte vollständig akzeptiert wurden. Alle Teilnehmer haben eine langjährige Erfahrung in der Behandlung ästhetischer Indikationen mit BTX-A.

Problematik

Wenngleich es sich beim Leistungsempfänger in der ästhetischen Dermatologie streng genommen nicht um einen Patienten, sondern um einen gesunden Klienten handelt, wurde für diese Evaluation der Begriff „Patient“ gewählt. Als gesunder Selbstzahler ist die Anspruchs- und Erwartungshaltung von ästhetischen Patienten in der Regel höher als bei Hilfe suchenden kranken Patienten der medizinischen Dermatologie. Viele ästhetische Patienten wünschen die Behandlung eines störenden Makels mit einer spezifischen Methode (Forderungsprinzip), während der kranke Patient auf die Empfehlung des Arztes angewiesen ist und diese mit Hoffnung auf Heilung gerne annimmt (Hilfeleistungsprinzip). Diese Voraussetzung (Klient vs. Patient) muss zwingend für einen vollumfassenden Behandlungserfolg berücksichtigt werden. Gelingt es dem ästhetisch tätigen Arzt aufgrund seiner spezifischen Aus- und Weiterbildung, den ästhetischen Patienten durch kompetente und qualitativ hochwertige Beratung vom Forderungsprinzip zum Hilfeleistungsprinzip zu bringen und das Kräfteverhältnis zwischen Arzt und ästhetischem Patienten auszugleichen, sind gute Voraussetzungen für einen Behandlungserfolg geschaffen (Abb.  1ac). Denn Bedingung für eine für alle Parteien zufriedenstellende Behandlung ist, dass der betreuende Arzt die Therapie gemäß seiner Beurteilung (Anamnese und Untersuchung mit entsprechender Diagnosestellung), seinen Fähigkeiten (Aus- und Weiterbildung) sowie seinen Möglichkeiten (technische Ausrüstung) nach eigener Entscheidung durchführen kann.
Da das Resultat einer jeglichen medizinischen Behandlung und insbesondere eines ästhetischen Eingriffes von den primären Voraussetzungen abhängt, erscheint eine grobe Einteilung der ästhetischen Patienten sinnvoll [ 18]:
  • Alter des Patienten (25 bis 40 Jahre, 40 bis 60 Jahre, > 60 Jahre),
  • präventive vs. korrektive Behandlung,
  • psychologische Charakteristika des Patienten bis zum psychiatrischen Patienten,
  • technisch anspruchsvolle Patienten.
Bei einer jungen Person kann mit wenigen Einheiten BTX-A ein sehr gutes Resultat erreicht werden (präventive Behandlung), wohingegen bei der Behandlung von älteren Patienten ggf. eine Zusatzbehandlung nötig wird, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen (korrektive Behandlung).
Ferner hält es die Konsensusgruppe für wichtig, eine Patienteneinteilung zwischen Patienten mit starkem respektive mangelndem Vertrauen gegenüber dem Therapeuten zu erwähnen. Zur letzten Gruppe gehören Patienten, die aufgrund einer Vorbehandlung schlechte Erfahrungen gemacht haben, durch andere Quellen Vorurteile aufgebaut haben, oder per se kritisch eingestellte Patienten, die aus Überzeugung „nicht arztgläubig“ sind. Falsch oder zumindest „nicht richtig“ informierte Patienten zählen ebenfalls zu dieser Gruppe.
Wichtig ist, Patienten mit einer übersteigerten Erwartungshaltung im Vorfeld zu erkennen. In extremis sind dies Patienten mit einem psychiatrischen Leiden, z. B. einer „body dysmorphic disorder“. Diese Patienten sollten nicht einer ästhetischen Behandlung zugeführt werden. Ferner ist die Konsensusgruppe der Meinung (4/7), dass Männer schwieriger zu behandeln sind als Frauen. Dies liegt darin begründet, dass Männer später zur Therapie kommen und somit häufig schwierigere, zeit- und kostenintensivere Behandlungen beanspruchen und insgesamt kritischer der ästhetischen Dermatologie gegenüber eingestellt sind.
Der Umgang mit technisch schwierigen Patienten sollte dem ausgewiesenen, gut ausgebildeten und erfahrenen Facharzt nur wenige Schwierigkeiten bereiten. Der behandelnde Arzt ist hier gefordert, eine genaue Analyse seiner technischen und fachlichen Möglichkeiten anzufertigen, sodass seine Grenzen für ihn klar erkennbar sind.

Ansprüche an Arzt, Personal und Praxis

Für eine zufriedenstellende ästhetische Behandlung muss der behandelnde Arzt noch mehr als in der klassischen Dermatologie folgende Fähigkeiten mitbringen:
  • fachliche Kompetenz (Aus- und Weiterbildung in klassischer sowie ästhetischer Dermatologie),
  • soziale Kompetenz (Kommunikationsfähigkeit und Empathie),
  • Führungskompetenz (Führungsqualitäten und Organisationsmanagement).
Eine entsprechend hervorragende medizinische Aus- und Weiterbildung sowie im Speziellen in ästhetischer Dermatologie sollte vorliegen. Hierzu gehören neben Studium von Anatomie sowie Pathophysiologie und Wirkungsmechanismus von BTX auch spezifische Fachliteratur, der Besuch von Weiterbildungsveranstaltungen und der Austausch mit anderen in diesem Feld tätigen Fachärzten. Eine regelmäßige Behandlung von Patienten bringt die nötige Erfahrung. Die Konsensusgruppe hält es für außerordentlich wichtig herauszustreichen, dass auch in der ästhetischen Dermatologie (gleich der klassischen Dermatologie) keine Behandlung ohne vorangegangene fachärztlich kompetente Beurteilung und Festlegung einer exakten Diagnose stattfinden darf.
Zudem sollte der ästhetisch tätige Arzt ein hohes Maß an sozialer Kompetenz mitbringen. Empathie, Kommunikationsfähigkeit und das Vermögen, die Wünsche und Vorstellungen der Patienten zu verstehen, sind entscheidende Voraussetzungen für eine hohe Patientenzufriedenheit. Führungsqualitäten und Organisationsmanagement sind zur Führung des Personals und für einen reibungslosen Praxisablauf zudem eminent wichtig. Außerdem muss er Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit besitzen, Komplikationen adäquat zu behandeln. Letzteres ist besonders wichtig, da erfahrungsgemäß harmlose Nebenerscheinungen, wie beispielsweise eine vorübergehende Schwellung oder ein kleines Hämatom, vom ästhetischen Patienten viel schneller als schwerwiegende Komplikation betrachtet werden. Ein präsenter Arzt kann selbst in solchen Situationen zu einer ausgeprägten Erhöhung der Patientenzufriedenheit führen.
Als erster und meist auch als letzter Kontakt für den Patienten ist das Personal die Visitenkarte der Praxis. Somit ist es äußerst wichtig, dass sich ein offenes und herzliches Verhältnis zwischen Patient und Assistentin entwickeln kann. Hierfür sind neben den fachlich erlernten Fähigkeiten auch profunde Kenntnisse der Behandlungsabläufe, der Techniken, der Indikationen, aber auch der Risiken und Verhaltensmaßnahmen nach einer Therapie sowie der finanziellen Hintergründe nötig. Das Fachpersonal muss somit regelmäßig vom Arzt, aber auch von externen Schulungen (Kommunikation, Telefonschulung, Management, Therapiekurse) profitieren können.
Das äußerlich gepflegte Personal sollte möglichst wirtschaftlich orientiert arbeiten und die Arbeit motiviert und mit höchster Diskretion durchführen. Sicherheitsaspekte müssen dennoch stets beachtet werden.
Die Gewichtung der Praxisumgebung wird von der Konsensusgruppe unterschiedlich beurteilt. Man ist sich einig, dass allgemeingültige Ansprüche wie beispielsweise Hygiene, Sauberkeit und professionelles Erscheinungsbild selbstverständlich sind. Sogenannte weiche Faktoren wie Internetauftritt, Präsenz in Internetforen, Werbung, Public Relation (PR) sowie Annehmlichkeiten in der Praxis (Lektüre, Angebot an Erfrischungen u. a. m.) werden generell als hilfreich, aber nicht als notwendig erachtet. Der Konsensus ist, dass dies individuell geregelt werden sollte.

Zufriedenheit vor der Behandlung

Der erste Telefonkontakt mit der Assistentin zur Vereinbarung eines Termins sollte freundlich, empathisch und professionell in einer möglichst straffen Zeiteinheit mit Weiterleitung sämtlicher wichtiger Informationen vollzogen werden. Der zu vereinbarende Besprechungstermin mit dem Arzt sollte für den Patienten terminlich gut liegen und zeitnah vereinbart werden.
Das ärztliche Erstgespräch dient dem beidseitigen Informationsaustausch (Patientenwunsch respektive Facharztinformation) und ist zur Festlegung des idealen Behandlungsplans, zur vollumfassenden Aufklärung des Patienten sowie zur exakten Zeitplanung des Eingriffes für den Arzt und Patienten äußerst wichtig. Zudem dient dieses Gespräch zum Aufbau einer Vertrauensbasis. Wie in der klassischen Dermatologie sollte dieses Erstgespräch in Anamnese, Untersuchung und Diagnose gegliedert werden. Anhand der Analyse des Problems kann der ästhetisch ausgebildete Arzt ein Behandlungskonzept erstellen und dieses dann dem Patienten erläutern. Er informiert den Patienten vollumfänglich über Behandlungsablauf, mögliche Nebenwirkungen, etwaige Komplikationen und deren Behandlungsmöglichkeiten. Zudem werden bereits jetzt finanzielle Aspekte geklärt und alternative Behandlungen diskutiert. Hilfsmittel zur Aufklärung wie Spiegel, Scales, Vorher-Nachher-Bilder oder Videoanimationen werden in ihrer Wichtigkeit unterschiedlich beurteilt, und die Konsensusgruppe einigt sich darauf, dass derartige Feinheiten der individuellen Praxisgestaltung unterliegen sollten. Die Konsensusgruppe ist sich aber einig, dass eine gute Aufklärung beim Erstgespräch entscheidend für eine hohe Patientenzufriedenheit ist. Deswegen sollte jeder Arzt auf die Durchführung einer Erstkonsultation vor dem Eingriff bestehen. Nur in Einzelfällen sollten Ausnahmen im oben beschriebenen Vorgehen gemacht werden [Zweitbehandlungen, langer Anfahrtsweg, Behandlung einer(s) Bekannten einer(s) bereits behandelten Patientin(en) u. a. m].
Bei der Aufklärung unerwünschter Ereignisse muss eine Verhältnismäßigkeit gewahrt werden. Daher sollten bestimmte, ggf. individuell relevante Themen der BTX-Therapie, z. B. Antikörper, Unterschiede der zugelassenen Produkte, Informationen über Albumingehalt, eventuelle Tierschutzaspekte, nur dann erwähnt werden, wenn Patienten spezifisch danach fragen.
Am Ende der Konsultation sollte zwischen Arzt und Patient Einigkeit über die Problemstellung und deren Lösung im Sinne der Behandlung bestehen. Eine schriftlich dokumentierte Einwilligung und eine standardisierte Fotodokumentation sind Selbstverständlichkeiten.
Die Tab.  1 zeigt wesentliche Faktoren vor der Behandlung im Überblick.
Tab. 1
Maßnahmen vor der Behandlung
Anamnese
 Vorherige Therapien? Arztwechsel? Weshalb?
 Wichtige medizinische Zusatzinformationen (Antikoagulation, Allergien, kardiovaskuläre Probleme, Anfallsleiden, psychiatrische Nebendiagnosen)
Analyse
 Objektivierte Problemanalyse
 Realistische Problemlösung (Mittel? Skills?)
Aufklärung
 Was ist zu erwarten? – und wichtiger: Was ist nicht realisierbar?
 Jede Information vor dem Eingriff ist eine Aufklärung, nach dem Eingriff eine Entschuldigung
Professionelle Zuwendung
Fotodokumentation, Einverständniserklärung u. a. m.

Professionelle, kompetente Behandlung

In dieser Phase der Patientenbetreuung sind vornehmlich die fachlich technischen Fähigkeiten des Arztes gefragt. Diesbezüglich gibt es zahlreiche Publikationen über korrekte Injektionstechniken mit BTX-A bei verschiedenen ästhetischen Indikationen, u. a. auch mehrere Konsensuspaper [ 28].
Alle zurzeit auf dem europäischen Markt zugelassenen BTX-A-Präparate (Onabotulinum, Abobotulinum, Incobotulinum) sind wirksam und sicher. Der behandelnde Arzt sollte Erfahrung mit allen 3 Produkten haben, die spezifischen Eigenschaften, Vor- und Nachteile eines jeden Produktes kennen und das entsprechend der Indikation und ggf. auch entsprechend dem Wunsch des Patienten beste Produkt in der entsprechenden Situation verfügbar haben und es auch so anwenden.
Die Behandlung selbst sollte für den Patienten so angenehm und schmerzfrei wie möglich gestaltet sein. Es ist explizit nicht das Ziel dieser Publikation, Behandlungsempfehlungen abzugeben, da diese bereits in mehreren Konsensuspublikationen veröffentlicht sind. Dennoch möchte die Gruppe folgende Kernpunkte empfehlen:
  • zur Verminderung der Schmerzen: lokalanästhetikahaltige Creme in der Vorbereitung, Kühlung des zu behandelnden Areals während und nach der Behandlung und Verwendung von möglichst feinen Nadeln (30–32 Gauge), Wechseln der Nadel nach ca. 6 bis 7 Injektionen, Vermeidung von Periostberührungen durch die Nadel und langsame Injektionstechnik;
  • zur Verminderung der Hämatombildung: genaue Einzeichnung der Injektionspunkte mittels eines abwaschbaren Stifts, langsame Injektionstechnik, genügend lange Kompression im Falle einer Punktblutung;
  • zur Verbesserung der subjektiven Zufriedenheit: professionelles Setting und Management, Vermeidung von Hektik, umsorgende Nachbetreuung mit diversen Hilfsmitteln (Kühlung, Massage, Crèmepackungen u. a. m.).
Direkt nach der Behandlung muss der Patient – vorteilhaft mündlich und schriftlich – über das postinterventionelle Verhalten aufgeklärt werden: allgemeines Verhalten (Do’s und Dont’s), Maßnahmen bei Nebenwirkungen (Hämatombildung, Schwellung, Kopfschmerzen) oder etwaigen Komplikationen (Mitbeteiligung unerwünschter Muskelgruppen, Asymmetrien, Ptose u. a. m.). Die Experten sind mehrheitlich (5/7) der Meinung, dass nach der Behandlung keine bestimmten Verhaltensmaßregeln, wie z. B. der Verzicht auf Sport, Massage oder Sauna, erteilt werden müssen. Auf dem abgegebenen Informationsblatt muss zwingend eine Notfallnummer zur direkten Erreichung des behandelnden Arztes notiert sein. Im Fall einer Erstbehandlung wird empfohlen, einen Kontrolltermin zu vereinbaren, bei dem das Resultat gemeinsam besprochen wird und ggf. kleine Korrekturen vorgenommen werden können (z. B. leichter einseitiger Brauenhochstand). Diese Nachkontrolltermine dienen einerseits der Qualitätssicherung, erhöhen die Kompetenzvermittlung (der Patient fühlt sich aufgehoben), und andererseits dienen sie der Lernkurve des betreuenden Arztes. Korrekturarbeiten werden immer ohne Folgekosten übernommen, sofern es sich tatsächlich um ein unerwünschtes oder unzureichendes Resultat handelt. Im Fall einer beidseitigen Zufriedenheit (Arzt und Patient) dienen diese Nachuntersuchungen zudem zur Festlegung des weiteren Prozedere oder zur Beratung hinsichtlich weiterer empfehlenswerter Zusatzbehandlungen (Augmentationsverfahren, Laser, Peeling etc.).

Management von unzufriedenen Patienten

Bei Unsicherheiten aufseiten des Patienten bzw. bei Auftreten von unerwünschten Wirkungen ist eine professionelle und empathische Betreuung äußerst wichtig. Selbst wenn sämtliche Vorkehrungen für eine erfolgreiche Behandlung getroffen wurden, gibt es immer wieder unzufriedene Patienten (berechtigt, aber auch unberechtigt). Diese stellen eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar. Die Kunst ist, auch solche Patienten durch das richtige Management zufriedenzustellen, was mit folgenden Empfehlungen erreicht werden kann.
Der unzufriedene Patient muss sowohl vom Personal als auch vom Arzt wahr- und vor allem ernst genommen werden. In der Regel hat das Personal den ersten Kontakt mit unzufriedenen Patienten. Das Personal sollte derart geschult werden, dass es bei einer Nebenwirkung oder einer Komplikation oder einer durch die Behandlung entstandenen Unzufriedenheit des Patienten zwingend und umgehend den Kontakt zum behandelnden Arzt vermittelt. Ist die Patientenunzufriedenheit begründet, muss der Arzt umgehend anhand des Untersuchungsbefundes überprüfen, ob eine Verbesserung des Resultates möglich ist. Ist die Verbesserung möglich, müssen die nötigen Korrekturen möglichst zeitnah durchgeführt werden (in aller Regel in derselben Konsultation). Ist die Verbesserung nur durch zusätzliche Maßnahmen wie BTX-A-Injektionen in zusätzliche Regionen, Augmentationen, Laser oder Peeling zu erreichen (nicht alleinige Unterkorrektur), so empfiehlt die Konsensusgruppe, mit dem Patienten ein neues Aufklärungsgespräch zu führen (s. dort).
In selteneren Fällen liegt eine subjektive Unzufriedenheit vor (der Arzt ist zufrieden, der Patient ist unzufrieden). Hier liegt die Ursache in den allermeisten Fällen in einer ungenügenden Aufklärung durch den Arzt beim Beratungsgespräch begründet. Werden da Fehler gemacht, zeigen sich die Konsequenzen sehr häufig im postinterventionellen Verlauf. Hierzu gehören subjektiv empfundene mangelnde Wirkung („Selbst mein Mann sieht nichts!“), nicht nachvollziehbare Überkorrekturen (imaginäre Augenlidptose), Nebenwirkungen aufgrund falscher Kausalität (Durchfallerkrankung direkt nach den Injektionen) oder vorbestehende Asymmetrien, die auf die Behandlung zurückgeführt werden. Vorher-Nachher-Bilder sowie eine vollumfassende verständnisvolle und kompetente Betreuung mit Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten (z. B. Mikronachinjektionen) helfen, den Patienten von der Richtigkeit der Behandlung zu überzeugen. Nicht selten sind derartige Situationen auch durch Unsicherheiten des Patienten bedingt.

Konstruktiver Umgang mit Komplikationen

Generell kann gesagt werden: Was korrigierbar ist, sollte korrigiert werden! Schwieriger ist der Fall, wenn eine Überkorrektur oder eine nicht korrigierbare Komplikation, wie beispielsweise eine Augenlid- oder Augenbrauenptose, auftritt.
In aller Regel kann davon ausgegangen werden, dass die Komplikationen weniger lange andauern als der erwünschte Effekt, ein Argument, das durchaus zur Beruhigung des Patienten verwendet werden darf. In dieser Situation führt eine positive emotionale Zuwendung mit deutlicher Kompetenzvermittlung häufig zu einer wesentlichen Entspannung der Situation. In jedem Fall ist es ratsam, Unannehmlichkeiten in der Praxis zu behandeln und sich um die Patienten und ihre (verständlichen) Sorgen zu kümmern. Sehr häufig stellt sich heraus, dass der Patient weniger unzufrieden als besorgt ist und den Rat des Spezialisten sucht. Abweisung und Bagatellisierung sind in allen Fällen die schlechteste Problemlösung und können der Anstoß für eine juristische Auseinandersetzung sein. In allen Fällen einer Patientenunzufriedenheit sind eine empathische und ernst gemeinte Betreuung durch den Arzt respektive unkomplizierte Lösungsfindungen der Schlüssel zu Erfolg. Macht man das richtig, so kann man in den allermeisten Fällen aus zunächst unzufriedenen Patienten glückliche und langjährig treue Patienten machen. Die Therapie mit BTX-A ist eine Behandlung, die per se schon von einer hohen Patientenzufriedenheit begleitet wird [ 1923].
Grund für die hohe Patientenzufriedenheit ist neben der hohen Wirksamkeit sicherlich auch die emotionale Verbesserung aufseiten des Patienten nach BTX-A-Behandlung [ 2426]. So konnte gezeigt werden, dass die Behandlung der Glabellafalten mit BTX-A eine direkte positive Auswirkung auf die Stimmung der Patienten aufweist. Der positive Einfluss auf die Stimmungslage bestand unabhängig davon, ob sich die Patienten nach der Behandlung attraktiver fühlten [ 26]. Mit den hier empfohlenen Maßnahmen gelingt es, den ohnehin kleinen Anteil unzufriedener Patienten nach der Behandlung mit BTX-A zu minimieren.

Fazit für die Praxis

  • Patientenzufriedenheit ist eine wesentliche Säule für den therapeutischen Erfolg, besonders bei ästhetischen Patienten.
  • Patientenzufriedenheit ist nicht nur von der Behandlungsqualität, sondern auch von der Qualität der Betreuung durch Arzt und Praxispersonal abhängig.
  • Patientenzufriedenheit setzt ein Vorgespräch mit korrekter Diagnosestellung, Eruierung des Patientenwunsches und der Erstellung eines Therapieplans voraus.
  • Patientenzufriedenheit erfordert eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient und ein ästhetisches Empfinden vonseiten des Arztes.
  • Patientenzufriedenheit hat entscheidend mit einer guten Praxisstruktur zu tun.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

Diese Arbeit wurde mit einem wissenschaftlichen Grant der Firma Allergan unterstützt. O.P. Kreyden, B. Rzany, P. Becker-Wegerich, C. Boudny-Frey, P. Carrozza-Merlani, M. Hess-Schmid und B. Schlagenhauff geben an, dass darüber hinaus kein weiterer Interessenkonflikt besteht.
Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren.
Literatur

Weiterführende Themen