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22.06.2018 | Arbeitsschutz | Nachrichten

Gesundheitsschädliche Rauchgase

Mehr Schutz bei dermatologischen Eingriffen gefordert

Autor:
Dr. Christine Starostzik

Beim Lasern und bei elektrochirurgischen Eingriffen entstehen Rauchgase, die möglicherweise mit Risiken für die beteiligten Personen verbunden sind. Nicht alle wissen das und noch weniger kümmern sich offenbar darum, wie eine US-Studie nahelegt.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Beim Umgang mit Lasern oder bei der Elektrochirurgie sind Dermatologen immer wieder chirurgischen Rauchgasen ausgesetzt, die verschiedene gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Doch obwohl sich viele Dermatologen dessen bewusst sind, wird offenbar wenig zum Schutz unternommen. Corey Georgesen von der Weill Cornell Medicine, New York, und Kollegen haben 45 geeignete Veröffentlichungen zu diesem Problem analysiert.

Vielfältige Risiken

Bei der Behandlung von Patienten mit Condylomata acuminata oder Plantarwarzen mittels CO2-Laser oder Elektrokoagulation wurde beispielsweise aus dem Rauchgas HPV-DNA isoliert. Bei Ärzten,  die dem Rauchgas bei Warzenentfernungen ausgesetzt waren, wurden signifikant häufiger Warzen im Nasopharynxbereich festgestellt als in einer Kontrollgruppe (13% vs. 0,6%). Im Rahmen von Tierstudien wurde zudem über akute und chronische Inhalationsverletzungen nach CO2-Laser-Prozeduren berichtet. Georgesen und Kollegen halten dieses Risiko auch bei Menschen für realistisch. Nicht zuletzt sind chemische Inhaltsstoffe des Rauchs als gesundheitsschädlich bekannt. Acrylnitril etwa gilt als möglicherweise karzinogen und bildet Blausäure. Diese kann zusammen mit Kohlenmonoxid die Sauerstoffversorgung im Gewebe behindern. Benzol kann Kopfschmerzen, Benommenheit, Übelkeit und Schleimhautirritationen hervorrufen. In dem Rauch, der bei Gewebeabtragungen mit dem Laser freigesetzt wird, befanden sich bei In-vitro-Versuchen gleich mehrere dieser Substanzen.

Welche Schutzmaßnahmen sind hilfreich?

Mit einem exakt passenden chirurgischen Mundschutz oder einem HEPA-Filter über Mund und Nase können nahezu alle Keime aus der Umgebungsluft abgeschirmt werden. Einer möglichen Irritation der Augen durch den Rauch lässt sich durch das Tragen einer Schutzbrille vorbeugen. Mit Hilfe von Rauchabzugsanlagen in nächster Nähe zum Operationsfeld ist es möglich, die Gase unmittelbar abzusaugen.

Unterschiedliche Empfehlungen

Die Occupational Safety and Health Administration (OSHA) hat die Expositionshöchstgrenze für Blausäure auf 10 ppm und für Acetnitril auf 40 ppm festgelegt. Konzentrationen dieser Höhe werden in chirurgischen Rauchgasen häufig festgestellt, weshalb die OSHA die Verwendung von Atemschutzmasken und Absaugeinrichtungen empfiehlt. Das National Institute of Occupational Safety and Health (NIOSH) rät zu Absaugeinrichtungen mit Strömungsgeschwindigkeiten von 0,5–0,8 m/sec und einer Entfernung von weniger als 5 cm vom Operationsfeld, wenn der Operateur hohen Rauchkonzentrationen ausgesetzt ist. Die Association of periOperative Registered Nurses (AORN) wiederum empfiehlt eine Filtergröße von 0,1 µm, einen Volumenstrom (cfm) von 0,01 m2/s, eine flexible Flussrate sowie ein Geräuschlimit von 60 db. Der AORN zufolge soll die Absaugeinrichtung so nah wie möglich am Operationsfeld positioniert werden.

Und wie sieht es in der Praxis aus?

In der Praxis werden die Risiken offenbar unterschätzt. Befragungen zufolge setzen die meisten Dermatologen während einer Laserbehandlung nicht routinemäßig Absauganlagen ein. 82% von ihnen gaben bei der Elektrochirurgie sogar „selten oder nie“ zu Protokoll. Bei der Entfernung benigner Hautläsionen per Laser wählten 65% diese Antwort. Einer anderen US-weiten Umfrage zufolge betreiben nur 10% der chirurgisch tätigen Dermatologen konsequenten Rauchschutz mittels Atemschutzmaske oder Rauchabzug.

Was ist zu tun?

Obwohl nach einer weiteren Umfrage 77% der niedergelassenen Dermatologen wegen der möglichen Übertragung infektiöser Erreger durch den Rauch besorgt sind und 72% Karzinogenität fürchten, sind die Operateure offenbar dennoch nachlässig, was den Schutz der Beteiligten anbelangt. Hier könnte mehr Information im Rahmen von Aus- und Fortbildung helfen, meinen die Autoren. Ein anderer Bremsklotz seien die zusätzlich anfallenden Kosten für entsprechende Einrichtungen. Mehr Humanstudien sowie die Erstellung einer standardisierten Leitlinie zum Umgang mit chirurgischen Rauchgasen, so Georgesen und Kollegen, könnten dem Problem zu einer besseren Wahrnehmung verhelfen.

Empfehlungen für Deutschland:

https://www.bgw-online.de/DE/Arbeitssicherheit-Gesundheitsschutz/Grundlagen-Forschung/GPR-Medientypen/Downloads/chirurgische-Rauchgase_Download.pdf?__blob=publicationFile

 http://www.spectaris.de/ftp/Manuskript_Rauchgase_Version_Endfassung_250211.pdf

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welche Risiken bringen chirurgische Rauchgase mit sich? Was unternehmen Operateure zu ihrem Schutz und welche Maßnahmen sind effektiv?

Antwort: Das Problem wird offenbar allgemein unterschätzt. Viele US-Dermatologen unternehmen nichts, um die Risiken zu minimieren.

Bedeutung: Die Autoren fordern mehr Information und eine standardisierte Leitlinie für den sicheren Umgang mit Rauchgasen.

Einschränkung: Die meisten Daten des Reviews stammen aus In-vitro- und nichthumanen In-vivo-Studien.


Literatur

Weiterführende Themen

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