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22.08.2018 | Alopezie | Nachrichten

WAY-316606 hemmt SFRP1 & steigert Haarschaftproduktion

Wnt-Signalweg: Neue Strategie gegen Haarausfall

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Ein effektives Haarwuchsmittel ohne Nebenwirkungen – könnte das bald Realität werden? Zumindest sind die Forscher um R. Paus dem einen Schritt näher gekommen. In einer Studie untersuchten sie den zugrunde liegenden Mechanismus von Cyclosporin A, das bei Patienten eine Hypertrichose auslöst, und fanden heraus, dass der Wnt-Signalweg dabei eine entscheidende Rolle spielt.

Für die Therapie von Haarausfall sind bisher wenige Mittel zugelassen (z.B. Minoxidil, Finasterid). Diese sind jedoch weder universal einsetzbar, noch ist ihre Effizienz in jedem Fall gesichert. Auch Nebenwirkungen sind nicht selten. Es besteht daher ein großer Bedarf an neuen, effektiven und sicheren Präparaten, die Betroffenen zu vollerem Haar verhelfen.

Cyclosporin A ist dafür bekannt, bei Patienten eine Hypertrichose auszulösen. Wie Studien zeigen, kann die Substanz bei telogenen Haarfollikeln (HF) ein anagenes Wachstum auslösen [1,2]. Das Medikament kommt wegen seiner Nebenwirkungen jedoch nicht für die Therapie bei Haarausfall infrage. Der zugrunde liegende Mechanismus, der bis heute noch nicht vollständig geklärt ist, könnte aber interessant sein, um neue Mittel für die Behandlung von Haarausfall zu finden.

WAY-316606 verstärkt die Haarschaftproduktion

Das dachten sich auch die Autoren einer neuen Studie, die anagene VI humane Skalp HFs mit  Cyclosporin A behandelten und die Effekte hinsichtlich Genexpression untersuchten [1]. Die Forscher fanden mittels Microarray-Analyse unter anderem heraus, dass SFRP1 (secreted frizzled related protein 1) in den dermalen Papillen der behandelten Zellen herunterreguliert ist und somit eine Zielstruktur von Cyclosporin A darstellt. SFRP1 ist Teil des Wnt-Signalwegs. Mittels weiterer Analysen stellten die Autoren fest, dass SFRP1 die intrafollikuläre canonische Wnt/β-Catenin-Aktivität im Haarbulbus reguliert.

Um neue Therapiestrategien zu finden, überprüften die Forscher, ob ein anderer SFRP1-Inhibitor, WAY-316606, nach den gleichen Prinzipien wie Cyclosporin A funktioniert – und damit als potenzielles Mittel gegen Haarwachstum in Betracht zu ziehen ist. Die Inhibition von SFRP1 durch WAY-316606 führte tatsächlich unter anderem zu einer verstärkten Haarschaftproduktion und einer vermehrten Keratinexpression. Außerdem verblieben sechs Tage nach der Behandlung mehr HF in Anagen VI.

Fazit

Die Autoren ziehen folgende Schlussfolgerungen:

  • Cyclosporin A hemmt SFRP1 (Wnt-Signalweg) in den behandelten HF-Zellen, was potentiell zu vermehrtem Haarwachstum führt.
  • WAY-316606 ist eine Substanz, die ebenfalls SFRP1 inhibiert.
  • Die Behandlung von HF mit WAY-316606 steigert die Haarschaftproduktion und die Keratinexpression.
  • Im Gegensatz zu Cyclosporin A ist das neue potentielle Haarwachstumsmittel, WAY-316606, spezifisch gegen SFRP1 gerichtet und bietet somit eine gezieltere und damit sicherere Therapiestrategie. Bisher sind keine off-target-Effekte von WAY-316606 bekannt.

Das Wichtigste in  Kürze

Frage: Gibt es neue Substanzen, die ein Haarwachstum fördern können?

Antwort: Ja. Mittels Microarray Analyse von mit Cyclosporin A behandelten Haarfollikeln fanden die Autoren eine Herunterregulierung von SFRP1. Da Cyclosporin A nicht für die Behandlung von Haarausfall infrage kommt, testeten die Autoren neue Substanzen, die eine ähnliche Wirkung wie Cyclosporin A haben. Die Behandlung mit WAY-316606 führte ebenfalls zu einer SFRP1-Inhibition, zu einer erhöhten Haarschaftproduktion sowie zu einer vermehrten Keratinexpression.

Bedeutung: Die Studie trägt dazu bei, neue Substanzen gegen Haarausfall zu finden. Im Gegensatz zu Cyclosporin A ist das neue potentielle Haarwachstumsmittel, WAY-316606, spezifisch gegen SFRP1 gerichtet und bietet somit eine gezieltere und damit sicherere Strategie. Bisher sind keine off-target-Effekte von WAY-316606 bekannt.

Einschränkung: Kleine

Literatur
Bildnachweise