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06.07.2018 | Alopezie | Nachrichten

Netzwerk-Metaanalyse

Laserlicht scheint Haarausfall am besten zu stoppen

Autor:
Thomas Müller

Bei androgenetischer Alopezie ist Laserlicht möglicherweise am wirksamsten. Ein indirekter Vergleich per Netzwerk-Metaanalyse findet für dieses Verfahren die stärksten Therapieeffekte.

Hinweis: Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Wer nicht unbedingt ein Toupet oder eine Haartransplantation bevorzugt, kann heute unter vielen Therapien gegen androgenetisch bedingten Haarausfall wählen. Dazu zählen hormonmodifizierende 5-Alpha-Reduktaseblocker wie Finasterid und Dutasterid – sie hemmen die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron – oder Minoxidil, das vermutlich die Blutzirkulation unter den Follikeln ankurbelt. Etabliert hat sich auch die Behandlung mit plättchenreichem Plasma (PRP): Das mit Wachstumsfaktoren angereicherte Plasmakonzentrat wird in die Kopfhaut injiziert und soll die Angiogenese und damit auch das Haarwachstum anregen. Schließlich scheint niedrig dosiertes rotes Laserlicht (Low-Level-Laser-Therapie, LLLT) das Haarwachstum anzukurbeln – und dies offenbar mit größerem Erfolg als die anderen Verfahren. Darauf deutet jedenfalls eine Netzwerk-Metaanalyse von Forschern um Dr. Aditya Gupta vom Studienzentrum Mediprobe aus dem kanadischen London sowie Forschern der Universität in Toronto.

Solche Netzwerk-Metaanalysen stellen allerdings nur eine Notlösung zur vergleichenden Beurteilung von Wirksamkeit und Sicherheit dar, wenn randomisiert-kontrollierte Vergleiche eher Mangelware sind. Dabei werden aus den vorhandenen Studien sämtliche Vergleiche zwischen einzelnen Arzneien sowie zwischen den Arzneien und Placebo in einem Netzwerk dargestellt und relative Effekte von allen möglichen Therapiepaaren berechnet – auch wenn sie nicht direkt gegeneinander getestet wurden. Netzwerk-Metaanalysen können direkte Vergleichsstudien natürlich nicht ersetzen, aber anhand der vorhandenen Daten die Wahrscheinlichkeit abschätzen, mit der eine Therapie wirksamer oder sicherer ist als eine andere. 

Laserlicht mit hoher Wahrscheinlichkeit am wirksamsten

Die Forscher um Gupta suchten in der vorhandenen Literatur nach Studien, in denen Alopeziemittel gegeneinander oder gegen Placebo verglichen wurden. Sie fanden 78 Untersuchungen zu den sechs gängigsten nichtchirurgischen Therapien bei androgenetischer Alopezie. 22 davon lieferten vergleichbare Angaben zur Änderung der Haardichte und konnten für die Netzwerkanalyse herangezogen werden. An diesen hatten über 2400 Personen teilgenommen, zwei Drittel waren Männer.

Insgesamt beurteilen die Forscher um Gupta die Studienqualität als gering bis sehr gering, Letzteres vor allem bei placebokontrollierten Studien mit LLLT, PRP und Finasterid sowie beim Vergleich von Finasterid gegen Minoxidil 2%. Eine hohe Heterogenität fiel zudem in Studien mit LLLT auf.

Auf Basis von fünf Studien nahm der Haarwuchs (hair count) unter LLLT am stärksten zu. Auf einer definierten Fläche wuchsen unter der Lasertherapie 67 Haare mehr als unter Placebo. Zwei Studien mit PRP deuteten auf einen Zuwachs von knapp 24 Haaren, fünf Studien mit Finasterid bei Männern auf 17 Haare mehr. Unter Minoxidil 5% lag der Zuwachs bei 14 Haaren, unter Minoxidil 2% bei knapp 12 Haaren, unter Dutasterid 0,5 mg bei 7,5 Haaren – jeweils verglichen mit Placebo. Frauen mit Alopezie schnitten unter Finasterid sogar leicht schlechter ab als unter Placebo.

In der Netzwerkanalyse zeigte die LLLT gegenüber allen anderen Therapien einen Vorteil. Die Wahrscheinlichkeit, dass die LLLT die wirksamste Therapie gegen androgenetische Alopezie darstellt, berechneten die Forscher mit 92%. Die PRP ist danach lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von 5% am wirksamsten, bei allen anderen Therapien geht die Wahrscheinlichkeit gegen Null.

Das Wichtigste in  Kürze

Frage: Was ist die wirksamste nichtchirurgische Therapie gegen androgenetische Alopezie?

Antwort: Eine Netzwerk-Metaanalyse deutet auf die höchste Effektstärke unter einer Laserlichtbehandlung.

Bedeutung: Laserlicht könnte das wirksamste Verfahren gegen androgenetische Alopezie sein.

Einschränkung: Nur wenige direkte Vergleichsstudien, insgesamt eine schlechte bis sehr schlechte Studienqualität.


Literatur

Weiterführende Themen