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27.04.2018 | Alopezie | Nachrichten

Minoxidil kann helfen

Endokrine Therapie kostet Krebspatientinnen Haare

Autor:
Dr. Robert Bublak

Patientinnen mit Brustkrebs, die Aromatasehemmer einnehmen müssen, laufen ein gewisses Risiko, eine androgenetische Alopezie zu entwickeln. Woran das liegt und was dagegen hilft, haben US-Dermatologen untersucht.

Der Haarausfall vom männlichen Typ, von dem Frauen unter endokriner Brustkrebstherapie betroffen sein können, geht auf die – im Sinne der Krebsbehandlung ja beabsichtigte – Hemmung der endokrinen Rezeptoren und Signalwege zurück. Die Folge ist ein Anstieg der Spiegel von Dihydrotestosteron, was dann zur androgenetischen Alopezie beitragen kann.

Eine Forschergruppe unter der Leitung von Mario Lacouture, Dermatologischer Dienst am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York, hat das bisher eher anekdotisch abgehandelte Phänomen des androgenetischen Haarausfalls von Frauen unter endokriner Brustkrebstherapie im Zuge einer retrospektiven Kohortenstudie systematisch untersucht. 112 Patientinnen waren beteiligt. Bei 75 von ihnen ging die Alopezie auf den Einsatz von Aromatasehemmern – Letrozol (teils kombiniert mit Leuprorelin), Anastrozol, Exemestan – und bei 37 auf die Einnahme von Tamoxifen zurück.

Die Alopezie war bei mehr als 90% der Frauen vom Grad 1 und damit leicht ausgeprägt. Meist lag ein prominenter Rückgang im frontotemporalen Bereich vor. Von rund der Hälfte der Patientinnen lagen trichoskopische Befunde vor. Vellushaare machten 13% aller Haare aus. Die übrigen Haarschäfte waren dick oder von mittlerer Stärke. Der Haarschwund drückte deutlich auf die Gefühlslage der Patientinnen.

Verbesserungen bei acht von zehn Frauen

Mit 46 Frauen testeten die Mediziner um Lacouture, ob sich der durch endokrine Therapie bewirkten Alopezie mit topischem Minoxidil 5% beikommen lässt. Dafür wurden die Patientinnen zu Beginn, nach drei und sechs Monaten fotografiert. Die Bilder wurden anhand einer dreistufigen Skala bewertet: 0 für „nicht verbessert“, 1 für „mäßig verbessert“ und 2 für „deutlich verbessert“. Den Kategorien 1 oder 2 wurden schließlich 37 der 46 Frauen (80%) zugezählt.

„Endokrine Therapien sind bei Brustkrebspatientinnen mit einem Muster von Alopezie assoziiert, das dem androgenetischen Typ gleicht“, schreiben Lacouture und seine Mitarbeiter in ihrem Resümee. Das gehe konform mit den Wirkmechanismen der verwendeten Mittel. Obwohl die Alopezie meistens recht mild ausgeprägt gewesen sei, habe sie die Lebensqualität erheblich negativ beeinflusst.

„Den Patientinnen kann aber mit topischem Minoxidil geholfen werden“, so die Forscher weiter. Dies deute darauf hin, dass die unterstützende Behandlung der durch endokrine Therapie induzierten Alopezie eine wichtige Komponente in der Nachsorge für Frauen mit Brustkrebs darstelle. Um beurteilen zu können, ob die Alopezie reversibel oder von Dauer sei, müssten nach dem Absetzen der endokrinen Behandlung mindestens sechs Monate verstreichen.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welchen Einfluss hat die endokrine Therapie von Patientinnen mit Mammakarzinom auf das Kopfhaar?

Antwort: Aromatasehemmer und Tamoxifen können wirkungsbedingt eine androgenetische Alopezie verursachen.

Bedeutung: Zur Nachsorge für Frauen mit Brustkrebs gehört auch die Behandlung einer Alopezie, etwa mit topischem Minoxidil.

Einschränkung: Die Studie war retrospektiv angelegt, alle der relativ wenigen Patientinnen wurden in einem einzigen Zentrum behandelt.

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