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14.06.2017 | Alopezie | Nachrichten

Italienische Querschnittstudie

Alopezie: Rauchen und Adipositas – eine ungünstige Kombination!

Autor:
Peter Leiner

Männer und Frauen mit Adipositas, die rauchen, haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Alopezie. Ein entsprechender Zusammenhang wird aufgrund der Ergebnisse einer italienischen Querschnittstudie vermutet.

Über Hinweise, dass es einen Zusammenhang zwischen Alopezie und Rauchen bzw. Adipositas gibt, ist schon mehrfach berichtet worden. Allerdings sind die Daten nicht einheitlich und die Studien nicht aussagekräftig genug. In der aktuellen Studie wurden nun die Befunde von 351 Teilnehmern mit der Diagnose „androgenetische Alopezie“ im Durchschnittsalter von 35,6 Jahren ausgewertet. Mit einem Anteil von 67,5% waren die meisten von ihnen Männer. Die Teilnehmer mussten zudem in einem Gespräch Angaben unter anderem über ihr Rauchverhalten und ihre Ernährungsgewohnheiten machen.

Den Grad des Haarausfalls bestimmten die Epidemiologen und Dermatologen um Dr. Cristina Fortes vom Istituto Dermopatico dell’Immacolata anhand der Ludwig- und Norwood-Klassifikationen. Mithilfe der Trichoskopie wurde die Diagnose einer Alopezie bestätigt. Anhand der logistischen Regressionsanalyse wurde schließlich bestimmt, wie wahrscheinlich der Zusammenhang zwischen der Entwicklung einer Alopezie und einer Adipositas bzw. dem Rauchverhalten ist.

Entzündungsreaktionen als Ursache?

Wie Fortes und ihre Kollegen berichten, war bei Studienteilnehmern mit einem BMI von mindestens 25, die zudem Raucher waren (mehr als zehn Zigaretten pro Tag), die Wahrscheinlichkeit für eine Alopezie um mehr als das Sechsfache erhöht (Odds Ratio [OR]: 6,72; 95%-Konfidenzintervall zwischen 2,57 und 17,6). Nach einer multivariaten Berechnung, bei der mehrere Parameter wie Alter, Geschlecht, Dyslipidämie und Nahrungsergänzungsmittel berücksichtigt wurden, lag die Wahrscheinlichkeit immer noch über dem Fünffachen (OR: 5,96; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,65 und 21,6). Außer BMI und Rauchverhalten waren nur Alter und Geschlecht noch statistisch relevant.

Auf welcher Grundlage der Zusammenhang beruht, ist bisher nicht geklärt. Diskutiert werden Entzündungsreaktionen, die bei Rauchern und bei Adipösen vermehrt beobachtet werden, auch in der follikulären Umgebung. Möglich ist auch, dass toxische Substanzen im Rauch die DNA der Haarfollikel direkt schädigen, wie die Wissenschaftler berichten. Sie erinnern daran, dass auch diskutiert wird, dass Alopezie ein Indikator für ein erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen ist, vor allem für kardiovaskuläre Erkrankungen. So habe eine aktuelle Studie ergeben, dass bei unbehandelten Hypertonikern das Ausmaß der Alopezie ein Marker für Veränderungen der Herzkranzgefäße und die Rigidität der Arterien ist (J Clin Hypertens 2017; 19: 51–57). Fortes und ihre Kollegen weisen einschränkend darauf hin, dass sie in ihrer Studie keine Biopsien der Kopfhaut vorgenommen haben, um den Zusammenhang zwischen Entzündungen und Alopezie, BMI und Rauchen zu bestätigen. 

Literatur
Bildnachweise