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23.01.2018 | Alopezie | Nachrichten

Haarausfall bei Kindern

Alopecia areata: Eine Autoimmunerkrankung kommt selten allein

Autor:
Dr. Dagmar Kraus

Die Alopecia areata rangiert auf Platz drei der häufigsten Dermatosen im Kindesalter. Nichtsdestotrotz weiß man bislang wenig über Klinik und Epidemiologie. Neue Daten liefert nun eine Erhebung aus den USA. Die besagt unter anderem, dass offenbar mehr Mädchen als Jungen erkranken. 

Hinweis: Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels

Die Autoimmunerkrankung Alopecia areata kann in jedem Alter auftreten, auch bei Kindern. Welche Besonderheiten die Krankheit in jungen Jahren mit sich bringt, haben US-amerikanische Dermatologen anhand der Daten des nationalen Alopecia-Areata-Registers untersucht.

Am Anfang stand eine webbasierte Datenerhebung. Jeder Patient bzw. Angehörige konnte sich online registrieren und den dort hinterlegten Fragebogen ausfüllen. Neben Alter und Geschlecht wurde nach dem Alopecia-areata-Typ gefragt sowie nach anderen Autoimmunerkrankungen des Patienten und der Angehörigen. Anschließend wurden die 2218 Probanden eingeladen, sich in einer von fünf teilnehmenden dermatologischen Kliniken vorzustellen. Vor Ort untersucht wurden schließlich 643 Kinder.

Fast die Hälfte bekommt eine Glatze

Die ersten Symptome traten im Alter von durchschnittlich 5,9 Jahre auf. Mit einem Anteil von 59% in der Online-Befragung und 62,8% im Klinikkollektiv waren Mädchen deutlich überrepräsentiert. Allerdings zeigten Jungen weitaus häufiger eine schwere Form der Alopecia areata als Mädchen (p = 0,009). Insgesamt war über die Hälfte der Kinder (61,4%) von einer schweren Form der Alopecia areata betroffen und hatte das Haupthaar zu 76% bis 100% verloren. Eine Nagelbeteiligung wurde ebenfalls häufig berichtet, von 38,6% des Online- und 43,8% des Klinikkollektivs.

Bei einem Viertel der Kinder (25,4%) fiel die Familienanamnese positiv aus. Von 179 Kindern (8%) waren mehr als drei Verwandte erkrankt. Zu beobachten war zudem eine Assoziation der Alopecia areata mit anderen Autoimmunerkrankungen wie atopischer Dermatitis, Asthma und Heuschnupfen, wobei die atopische Dermatitis mit 32,7% den größten Anteil ausmachte.

Auf Begleiterkrankungen achten

Alopecia areata ist die dritthäufigste Dermatose bei Kindern, und ein Großteil der Betroffenen leidet an einer schweren Form, wobei häufig auch die Nägel mitbeteiligt sind, wie die US-amerikanischen Dermatologen die Ergebnisse zusammenfassen. Neben der familiären Häufung müsse vor allem die Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen bei der Beratung und Betreuung der kleinen Patienten und ihrer Angehörigen berücksichtigt werden, wie die Studienautoren betonen.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welche klinischen und epidemiologischen Charakteristika kennzeichnen die Alopecia areata bei Kindern?

Antwort: Bei einem Viertel der Kinder findet sich eine positive Familienanamnese. Jungen erkranken zwar seltener als Mädchen, dann aber meist schwerer. Die Betroffenen sind prädisponiert für weitere Autoimmunerkrankungen, allen voran die atopische Dermatitis.

Bedeutung: Bei Kindern mit Alopecia areata sollte unbedingt auf Symptome typischer Begleiterkrankungen geachtet werden.

Einschränkung: Die Analyse basiert überwiegend auf von Patienten online ausgefüllten Fragebögen.

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