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07.03.2018 | Ästhetische Dermatologie | Nachrichten

Kontraindikationen und Komplikationen

Tattoos auf kranker Haut – ist das möglich?

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Nicht nur gesunde Menschen lassen sich ihre Haut mit Tattoos verzieren. Auch Patienten mit chronischen Hauterkrankungen gehen diesem Trend immer öfter nach. Dass dies mit speziellen Komplikationen verbunden sein kann, ist eigentlich klar – doch wie können diese verhindert werden bzw. wie sind die Patienten aufzuklären? Ein Review liefert dazu Informationen.

Die Haut mit bunten Bildern zu verzieren, ist schon fast zur Normalität geworden. Besonders Menschen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren lassen sich immer öfter tätowieren – darunter befinden sich auch Patienten mit chronischen Hauterkrankungen. Da dies nicht selten mit Risiken wie Infektionen und Allergien verbunden ist, sind besondere Vorsichtsmaßnahmen angesagt. Wichtig ist auch, die Patienten entsprechend aufzuklären.

In einem Review geben Nicolas Kluger und Christa De Cuyper einen Überblick, auf was Ärzte und Tätowierer achten sollten [1].

Generelle Hinweise

Auch wenn der Wunsch nach einem Tattoo groß ist, so gibt es doch einige absolute und relative Kontraindikationen [1-3]. Zudem muss jede Hauterkrankung zunächst behandelt werden oder abgeheilt bzw. „stabil“ sein, bevor Patienten ein Tattoo in Betracht ziehen. Das Tätowieren auf einer entzündeten Haut ist generell zu vermeiden. Gesunde Menschen, die zuvor ein Köbner-Phänomen aufwiesen, haben ein erhöhtes Risiko, dass dies erneut in der tätowierten Region auftritt.

Im Folgenden werden die spezifischen Risiken bei verschiedenen Hautkrankheiten bzw. zusätzlicher Medikamenteneinnahme sowie die entsprechenden Empfehlungen der Autoren beschrieben.

Akne

Risiken:

  • Unschönes ästhetisches Ergebnis des Tattoos, falls dieses in einer entzündeten Region platziert wurde
  • Aufflammen der Erkrankung in Akne-anfälligen Regionen (z. B. durch die Verwendung von Pflegeprodukten)

Empfehlungen:

  • Akne ist keine Kontraindikation für ein Tattoo. Es sollte jedoch in gesunden Hautregionen ohne Akneläsionen gestochen werden
  • Das Tattoo sollte nicht gestochen werden, wenn die Erkrankung gerade aktiv ist
  • Der Patient sollte Pflegeprodukte verwenden, die speziell für Aknehaut geeignet sind

Isotreonin-Einnahme

Risiken:

  • Hautirritationen aufgrund von Trockenheit
  • Verzögerte Wundheilung und möglicherweise Narbenbildung, erhöhtes Infektionsrisiko

Empfehlungen:

  • Patient und Tätowierer sollten sich der verzögerten Wundheilung bewusst sein
  • Im Falle einer Isotreonintherapie sollte die Tätowierung besser erst nach Abschluss der Einnahme erfolgen

Angiome/Vaskuläre Malformation 

Risiken:

  • Blutungen

Empfehlungen:

  • Früher wurden Tattoos oftmals genutzt, um Angiome zu verdecken. Dies ist allerdings nicht die erste Therapie der Wahl. Tätowierungen können aber in speziellen Situationen eine sekundäre Therapieoption darstellen oder auch verbleibende Läsionen nach Laserbehandlung verdecken.

Atopische Dermatitis (AD)

Risiken:

  • Da die Haut von Patienten oft mit grampositiven Bakterien besiedelt ist, gibt es ein erhöhtes Infektionsrisiko
  • Bei einer AD ist die Haut leicht durch topische Produkte reizbar

Empfehlungen:

  • AD ist keine Kontraindikation für ein Tattoo. Die Erkrankung sollte aber zum Zeitpunkt des Tätowierens kontrolliert und inaktiv sein
  • Aktive Ekzeme sollten erst behandelt werden
  • Die Haut ist schon Wochen vor dem Tätowieren entsprechend mit Pflegeprodukten zu behandeln, um eine ausreichende Feuchtigkeit zu gewährleisten
  • Kontaktallergien sollten ausgeschlossen werden
  • Sollte sich der Patient gerade einer systemischen Behandlung (z. B. mit Methotrexat) unterziehen, ist der optimale Tattoo-Zeitpunkt mit dem behandelnden Arzt zu besprechen

Kontaktallergien 

Risiken:

  • Aufflammen einer Kontaktdermatitis bei Patienten mit Kontaktallergien bei einem frisch gestochenen Tattoo
  • Lokale Reaktionen, Ekzeme
  • Möglicherweise führen die Pflegeprodukte, die nach dem Tätowieren angewendet werden, zu solchen Komplikationen

Empfehlungen:

  • Patienten, bei denen eine Kontaktallergie besteht, sollten den Tätowierer darüber informieren. Dieser hat entsprechend geeignete Produkte einzusetzen

Chronische Urtikaria (CU) 

Risiken:

  • Die meisten Patienten mit CU leiden auch unter einem Dermographismus

Empfehlungen:

  • Eine CU ist keine Kontraindikation. Das Tattoo sollte nicht gestochen werden, wenn die CU aktiv ist oder sich in einer akuten Phase befindet
  • Währenddessen können orale Antihistaminika verwendet werden
  • Sollte sich der Patient gerade einer systemischen Behandlung (z. B. Ciclosporin) unterziehen, ist der optimale Tattoo-Zeitpunkt mit dem behandelnden Arzt zu besprechen

Dermographismus

Risiken:

  • Sobald die Nadel die Haut punktiert, tritt eine entzündliche ödematöse Reaktion auf. Dies ist jedoch normal und kann auch Stunden nach der Session noch sichtbar sein

Empfehlungen:

  • Dermographismus ist keine Kontraindikation für ein Tattoo
  • Die Einnahme oraler Antihistaminika vor der Session kann hilfreich sein

Keloide 

Risiken:

  • Die Entwicklung von Keloiden auf Tattoos ist eher selten

Empfehlungen:

  • Patienten, bei denen zuvor Keloide aufgetreten sind, können sich trotzdem tätowieren lassen. Allerdings sollten sie sich des Risikos, dass sich die Narben erneut bilden können, bewusst sein
  • Der Tätowierer sollte ein zu „intensives“ Tätowieren vermeiden. Dies gilt besonders für anfällige Hautpartien

Hidradenitis Suppurativa (HS) 

Risiken:

  • Schlechte Wundheilung und die Bildung unästhetischer Narben in den betroffenen Regionen

Empfehlungen:

  • HS ist keine Kontraindikation für ein Tattoo
  • In Regionen ohne HS und auf abgeheilten Narben kann ein Tattoo gestochen werden
  • Aufgrund der bakteriellen Besiedlung von betroffenen Stellen sollte die Session erst erfolgen, wenn die HS nicht aktiv ist
  • Sollte sich der Patient gerade einer systemischen Behandlung (z. B. mit Biologica) unterziehen, ist der optimale Tattoo-Zeitpunkt mit dem behandelnden Arzt zu besprechen

Lichen Planus (LP)

Risiken:

  • Das Auftreten eines Köbner-Phänomens in der tätowierten Region

Empfehlungen:

  • LP ist keine Kontraindikation für ein Tattoo. Die Session sollte jedoch erfolgen, wenn der LP nicht aktiv ist
  • LP wird oft mit Kortikosteroiden behandelt. Das Tattoo sollte erste gestochen werden, wenn orale Kortikosteroide abgesetzt sind und sich die Erkrankung stabilisiert hat
  • Orale Retinoide können ähnliche Komplikationen wie Isotretinoin auslösen
  • Sollte ein LP auf einem Tattoo auftreten, kann die Region mit topischen Kortikosteroidsalben behandelt werden

Kutaner Lupus (KL)

Risiken:

  • Das Auftreten eines Köbner Phänomens in der tätowierten Region
  • Schlechte ästhetische Ergebnisse in Läsionen von chronischem diskoidem Lupus erythematodes

Empfehlungen:

  • KL ist keine Kontraindikation für ein Tattoo, allerdings sollte die Erkrankung während der Session nicht aktiv sein
  • Sollte sich der Patient gerade einer systemischen Behandlung (z. B. Methotrexat) unterziehen, ist der optimale Tattoo-Zeitpunkt mit dem behandelnden Arzt zu besprechen
  • Tritt eine KL-Läsion auf einem Tattoo auf, kann die Region mit Kortikosteroidsalben behandelt werden

Melanome 

Risiken:

  • Ein Tattoo auf einem Naevus kann die klinische Überwachung und Früherkennung von Melanomen verkomplizieren. Ein Tattoo auf einer Melanomnarbe kann das Follow-up behindern

Empfehlungen:

  • Zwar ist eine Historie von Melanomen keine absolute Kontraindikation – die Autoren empfehlen aber dennoch, Melanompatienten von einem Tattoo abzuraten
  • Auf chirurgischen Narben und bei solchen, die aufgrund einer Lymphknotendissektion entstanden sind, darf nicht tätowiert werden
  • Eine gründliche Untersuchung der Haut ist Pflicht. Verdächtige Läsionen sind gegebenenfalls zu entfernen
  • Die zu tätowierende Region sollte mit einem Dermatologen besprochen werden. Regionen mit Leberflecken sind zu vermeiden
  • Die Autoren raten von der „à-plat-Färbung“ (z. B. komplett schwarze Arme) ab
  • Sind Fälle von Melanomen bereits in der Familie aufgetreten, kann trotzdem tätowiert werden. Allerdings sollte auch hier die Haut gründlich untersucht und ein Dermatologe hinzugezogen werden. Von einer kompletten Schwarzfärbung ist auch hier abzuraten. Zudem sollten jüngere Patienten sich erst ab dem Alter von 25 Jahren tätowieren lassen
  • Naevi sind zu fotografieren. Vor der Session sollte eine Dermatoskopie erfolgen

Naevi und atypisches Mole-Syndrom

Risiken:

  • Ein Tattoo auf einem Naevus behindert dessen klinische Überwachung und könnte auch dazu führen, dass sich dessen Größe ändert oder er dunkler wird

Empfehlungen:

  • Auf einem Naevus und in einer Region, in er viele Naevi auftreten, sollte nicht tätowiert werden
  • Ist ein Tattoo nahe eines Naevus nicht zu vermeiden, sollte dieser ausgespart werden. Die Autoren empfehlen dazu, einen Rand von 0,5 – 1 cm um den Naevus frei zu lassen
  • In Fällen mit atypischem Mole-Syndrom sollte ein Dermatologe vorher die Haut untersuchen. Auch hier sind komplett schwarze Tattoo-Regionen nicht zu empfehlen
  • Bei beiden Gruppen sind die Naevi zu fotografieren. Vor der Session sollte eine Dermatoskopie erfolgen

Pityriasis Versicolor (PV)

Risiken:

  • Eine PV kann sich über ein Tattoo ausbreiten

Empfehlungen:

  • Eine PV ist keine Kontraindikation für ein Tattoo, sollte aber zuvor behandelt werden

Psoriasis

Risiken:

  • Das Auftreten eines Köbner Phänomens in der tätowierten Region
  • Aufflammen der Erkrankung (eher selten)

Empfehlungen:

  • Psoriasis ist keine Kontraindikation. Das Tattoo sollte allerdings in einer nicht betroffenen Region gestochen werden
  • Die Session sollte erfolgen, wenn die Erkrankung nicht aktiv ist
  • Die Patienten müssen sich darüber bewusst sein, dass Plaques auf der tätowierten Stelle zufällig entstehen könnten
  • Eine Psoriasis auf einem Tattoo kann wie jede andere psoriatrische Läsion behandelt werden
  • Sollte sich der Patient gerade einer systemischen Behandlung (z. B. Methotrexat, Biologica) unterziehen, ist der optimale Tattoo-Zeitpunkt mit dem behandelnden Arzt zu besprechen
  • Orale Retinoide können ähnliche Komplikationen wie Isotretinoin auslösen
  • Tattoos stellen keine Kontraindikation für eine UVB- oder UVA-Phototherapie dar, jedoch kann es durch die UV-Exposition zu Komplikationen (Schwellung, Juckreiz, Schmerzen etc.), besonders bei schwarzen und roten Tattoos kommen

Sarkoidose

Risiken:

  • Eine Sarkoidose kann sich als Köbner-Phänomen in der tätowierten Region manifestieren

Empfehlungen:

  • Eine Sarkoidose ist keine Kontraindikation für ein Tattoo. Patienten sollten sich jedoch bewusst sein, dass sich ein sarkoides Granulom innerhalb des Tattoos bilden kann
  • Sollte sich der Patient gerade einer systemischen Behandlung (z. B. Methotrexat, Biologica) unterziehen, ist der optimale Tattoo-Zeitpunkt mit dem behandelnden Arzt zu besprechen
  • Im Falle einer vermuteten Sarkoidose in einem Tattoo sind eine histopathologische Untersuchung und das Ausschließen von Differentialdiagnosen unbedingt nötig

Narben 

Tattoos werden oft genutzt, um Narben zu verdecken.

Risiken:

  • Unschönes ästhetisches Ergebnis eines Ornament-Tattoos
  • Unzufriedenstellende Dermatographie aufgrund eines Farbunterschieds und eines unnatürlichen Aussehens

Empfehlungen:

  • Auf Narben von Tumoren ist ein Tattoo kontraindiziert – besonders dann, wenn es ein hohes Risiko gibt, dass der Tumor wiederkehrt. Auch auf Melanomnarben darf nicht tätowiert werden
  • Verbrennungsnarben können sich zu einem Hautkrebs entwickeln. Veränderungen innerhalb der tätowierten Region sollten daher direkt von einem Arzt gesichtet werden
  • Andere, ältere Narben (> ein Jahr alt) stellen keine Kontraindikation dar

Scleroderma, Morphea, Lichen Sclerosus

Risiken:

  • Verzögerte Wundheilung auf Läsionen
  • Schlechtes ästhetisches Ergebnis auf atrophischer Haut
  • Die Erkrankung kann sich auf die tätowierte Haut ausbreiten

Empfehlungen:

  • Morphea und Lichen sind keine Kontraindikationen für ein Tattoo. Es sollte jedoch nicht gestochen werden, wenn die Erkrankungen aktiv sind
  • Auf einer sklerodermatisch veränderten Haut sollte jedoch nicht tätowiert werden
  • Sollte sich der Patient gerade einer systemischen Behandlung (z. B. Methotrexat, Biologica) unterziehen, ist der optimale Tattoo-Zeitpunkt mit dem behandelnden Arzt zu besprechen

Dehnungsstreifen

Risiken:

  • Unzufriedenstellendes ästhetisches Ergebnis

Empfehlungen:

  • Dehnungsstreifen sind keine Kontraindikation für ein Tattoo
  • Speziell bei abdominalen Streifen, z. B. bei einer Schwangerschaft oder bei Gewichtsschwankungen, sollte der Patient auf die Möglichkeit einer Verzerrung des Tattoodesigns aufmerksam gemacht werden

Vitiligo

Risiken:

  • Das Auftreten eines Köbner-Phänomens in der tätowierten Region
  • Eine Vitiligo macht eventuelle Nachkorrekturen notwendig
  • Wenn das Tattoo sowohl Regionen mit Vitiligo, als auch „normaler“ Haut umfasst, kann es zu einer unterschiedlichen Farbausprägung kommen

Empfehlungen:

  • Eine Vitiligo ist keine Kontraindikation für ein Tattoo. Es sollte allerdings nicht gestochen werden, wenn die Erkrankung aktiv ist

Fazit

Um ein sicheres Tätowieren bei Hauterkrankungen zu gewährleisten, sind sowohl Patient als auch der Tätowierer gefragt. Patienten müssen über ihre Erkrankungen informieren und gegebenenfalls vorher medizinischen Rat einholen. Der Tätowierer selbst sollte alle entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen treffen, um Komplikationen zu vermeiden.

Interessenskonflikte

Nicolas Kluger ist Ehrenmitglied der „French Tattoo Union“.

Literatur
Bildnachweise