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12.12.2017 | Ästhetische Dermatologie | Nachrichten

Fallbericht nährt Verdacht

Kann Nagellack eine chronische Urtikaria verursachen?

Autor:
Dr. Robert Bublak

Nagelkosmetik auf Acrylat- oder Methacrylatbasis kann eine allergische Kontaktdermatitis auslösen. Möglicherweise kann die allergische Reaktion aber auch weiter um sich greifen, wie eine australische Kasuistik vermuten lässt.

Die Dermatologen Philippa Dickison und Saxon Smith von der Universität Sydney berichten in der Fachzeitschrift „Clinical and Experimental Dermatology“ über den Fall einer 50-jährigen Patientin, die sich mit erythematösen und berührungsempfindlichen Fingern und Händen in der Hautambulanz vorgestellt hat. Ihre Beschwerden bestehen zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem halben Jahr. Vornehmlich betroffen ist die Region um die Fingernägel, die sich vom Nagelbett abheben. Seit über zwei Jahren trägt die Patientin Gelnägel, bis zum Beginn der Beschwerden ohne Probleme.

Die Patientin gibt an, die Symptome würden sich nach Entfernen des Nagellacks bessern und nach Wiederauftragen verschlimmern. Auf die Nagelkosmetik verzichten will sie nicht, weil sie ihre verdickten Naturnägel damit verdecken möchte. Bei der Untersuchung fallen zudem Effloreszenzen einer Urtikaria auf. Tatsächlich ist die Patientin seit 18 Monaten wegen chronischer Urtikaria unbekannter Ursache in Behandlung. Hochdosierte Antihistaminika haben nicht angeschlagen. Auf Hydroxychloroquin folgte Mycophenolat, mit mäßigem Nutzen.

Patchtest bestätigt Verdacht

Die Verdachtsdiagnose einer allergischen Kontaktdermatitis bestätigt sich im Patchtest: Hier zeigt sich eine positive Reaktion auf Acrylat- und Methacrylatmonomere, die in den von der Patientin aufgetragenen Gelnägeln als Basis verwendet und unter UV-Licht ausgehärtet werden. Das Phänomen der Kontaktallergie gegen Acrylate und Methacrylate in der Nagelkosmetik ist wohlbekannt. So verwundert es nicht, dass die Patientin acht Wochen nach Absetzen der Gelnägel wieder einen normalen Nagelwuchs aufweist. Auch die Erytheme sind verschwunden.

Zu diesen erwartbaren Effekten gesellt sich aber noch Überraschendes: Von der chronischen Urtikaria ist keine Spur mehr zu entdecken. Die Patientin berichtet, dass sich die Hauterscheinungen nach vier Wochen Gelnagelfreiheit verflüchtigt haben. Und nun glaubt sie sich auch zu erinnern, dass sich das Hautbild früher jeweils mit dem Auftragen der Gelnägel verschlechtert habe.

„Soweit wir wissen, ist dies der erste Bericht über eine chronische Urtikaria im Gefolge der Applikation acrylat- und methacrylathaltiger Gelnägel“, schreiben Dickison und Smith. Bewiesen sei der Zusammenhang nicht, der dafür nötige Pricktest hätte die Patientin erneut den Allergenen ausgesetzt. „Der Fall zeigt jedoch, dass ein Beitrag solcher Allergene zu einer chronischen Urtikaria zu erwägen ist, sofern der zeitliche Verlauf mit der möglichen Exposition übereinstimmt.“

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