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05.09.2018 | Ästhetische Chirurgie | Nachrichten

Oft werden falsche Informationen verbreitet

Plastische Chirurgie: Das denken die Twitter-User darüber

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Was verbindet die allgemeine Bevölkerung mit plastischer Chirurgie? Welche Emotionen sind damit verbunden? Und ist das Wissen über das Thema tatsächlich fundiert oder tummeln sich zahlreiche Falschinformationen in der allgemeinen Öffentlichkeit? Diesen Fragen gingen die Autoren einer neuen Studie nach – indem Sie die Social Media Plattform „Twitter“ auf entsprechende Nachrichten von Usern hin untersuchten. Die Ergebnisse könnten dazu dienen, emotionale Trigger für Tweets besser zu verstehen. Das wiederum hilft dabei, Gesundheitsinformationen zu erstellen, die von der Bevölkerung besser wahrgenommen und geteilt werden und die mit Missverständnissen aufräumen.

Die meisten Menschen assoziieren mit dem Begriff „plastische Chirurgie“ kosmetische Eingriffe. Die rekonstruktiven Operationen werden dabei häufig außer Acht gelassen [1-3]. Dieses Missverständnis ist dabei nicht auf die allgemeine Öffentlichkeit beschränkt, sondern findet sich auch bei medizinischen Fachkräften und Medizinstudenten. Oftmals fehlt das Wissen über die genaue Rolle und Aufgaben eines plastischen Chirurgen.

Was die Bevölkerung über plastische Chirurgie denkt und was sie damit assoziiert, kann mittels Fragebögen erfasst werden [2-5]. Der Nachteil: Die Antworten entsprechen möglicherweise nicht ganz der tatsächlichen Meinung. Eine weitere Möglichkeit ist es, Posts und Nachrichten aus den Social Media-Kanälen herauszufiltern.

So gingen auch die Autoren einer neuen Studie vor und analysierten diverse Nachrichten bei „Twitter“, die zum Thema plastische Chirurgie verfasst wurden. Die Plattform existiert seit 2006 und bietet ihren Usern die Möglichkeit, sich über „Tweets“ auszutauschen. Auch Gesundheitsorganisationen, unter anderem die WHO, nutzen mittlerweile die verschiedenen Social Media-Kanäle. Aber auch plastische Chirurgen und die American Society of Plastic Surgeons sind bei Twitter angemeldet.

Tweet-Suche und Kategorien

Die Autoren suchten zwischen August 2014 und Dezember 2016 mittels Keywords („plastic surgery“) und hashtags („#PlasticSurgery“) nach entsprechenden Tweets. Diese wurden unter anderem nach den Nutzereigenschaften kategorisiert, außerdem suchten die Autoren nach Emotionen, die zur Veröffentlichung des Tweets geführt hatte. Die Emotionen wurden in die Klassen „fröhlich/zufrieden“ (z.B. „plastische Chirurgie ist toll“), „entspannt/zufrieden“ (z.B. „Ich habe kein Problem mit plastischer Chirurgie“), „aufgeregt/interessiert“ („Ich brauche eine Op.“, „Ich möchte etwas gegen das Altern tun“), „traurig/verzweifelt“ (z.B. „Das ist unfair“, „tragische Op….“), „wütend/furios“ (z.B. „Plastische Chirurgie macht dich hässlich“) und „humorvoll/Sarkasmus“ (z.B. „Sie hat eine plastische Op. bekommen, haha“) eingeteilt.

Falsche Informationen sind weit verbreitet

Insgesamt fanden die Autoren mehr Tweets zum Thema „kosmetische Chirurgie“ als zu „plastischer Chirurgie“, „Handchirurgie“, „rekonstruktive Chirurgie“ oder „Verbrennungen“. Tweets über „kosmetische Chirurgie“ wurden außerdem öfter von den Usern geteilt (74%) als die anderen Themen. Die Nutzer, die am häufigsten über plastische Chirurgie twitterten, kamen meist aus der allgemeinen Bevölkerung (40,7%), gefolgt von plastischen Chirurgen (30,2%), Firmen (15,3%), Blogs (5,7%), Nachrichtenkanälen (1,7%) und anderen.

Die Tweets wurden in verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • Ressourcen (z.B. Neuigkeiten, Updates, Informationen, u.a. von entsprechenden Journals),
  • persönliche Erfahrungen (z.B. „Die Op. meiner Frau lief fürchterlich schief“),
  • Marketing (Kliniken für plastische Chirurgie oder Produkte),
  • Neuigkeiten von berühmten Personen, Meinungen (z.B. „Wir alle können gut aussehen, wenn wir uns einer plastischen Op. unterziehen“) und
  • Spam (Tweets, die nicht im Zusammenhang mit plastischer Chirurgie standen).

Die meisten Tweets kamen aus der Kategorie „Ressourcen“ (42,8%), gefolgt von Nachrichten über berühmte Personen (13,7%). 

Die Emotionen, die die User zu einem Tweet bewegten, waren divers. Mehr als die Hälfte der Tweets hatte einen „relaxten/zufriedenen“ Hintergrund (51,5%), die meisten davon enthielten Neuigkeiten und Wissen. Die zweit häufigste Kategorie war die der Emotionen „aufgeregt/interessiert“ (18,4%). Weniger häufig war die Klasse „Humor/Sarkasmus“ (9,3%), die häufig Witze über berühmte Persönlichkeiten und Falschinformationen enthielt.

63% der Tweets beinhalteten Links, davon waren nur 15% verlässliche Informationen (z.B. von Journals). Die meisten Tweets der Öffentlichkeit enthielten ungenaue bzw. nicht akkurate Informationen. Und auch bei den Tweets von plastischen Chirurgen gibt es Nachholbedarf: Nur 11,2 Prozent der Kurznachrichten wurden als „sehr akkurat“ gewertet.

Fazit

Die meisten Tweets enthielten ungenaue oder falsche Informationen, die leicht von der Bevölkerung missinterpretiert werden können. Allerdings können plastische Chirurgen die Social Media-Kanäle nutzen, um das Wissen über ihr Spezialgebiet zu verbreiten und darauf aufmerksam zu machen. Die emotionalen Trigger spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Verwendung von „entspannten/zufriedenen“ oder „aufgeregten/interessierten“ Emotionen in einem Post führt dazu, dass sie mehr geteilt werden und somit auch mehr Menschen erreichen. Laut Autoren sind positive Emotionen in einem Tweet daher sinnvoller als negative.

Das Wichtigste in  Kürze

Frage: Was denken Nutzer der Social Media-Plattform „Twitter“ über plastische Chirurgie? Wer twittert am häufigsten zum Thema? Welche Informationen enthalten die Tweets?  Und welche Emotionen sind mit den Posts verbunden?

Antwort: Die meisten Tweets wurden von der allgemeinen Bevölkerung erstellt. Häufig enthielten die Tweets allgemeine Informationen und waren mit positiven Emotionen verbunden. Allerdings enthielten viele Nachrichten nicht akkurate Informationen.

Bedeutung: Social Media ist ein starkes Werkzeug, um Informationen über plastische Chirurgie zu verbreiten und mit Missverständnissen aufzuräumen. Besonders Tweets mit positiven Emotionen und allgemeinen Informationen werden häufig geteilt.

Einschränkungen:  Die Daten wurden nur über einen bestimmten Zeitraum gesammelt. Es wurde nur nach dem Hashtag „#PlasticSurgery“ gesucht; andere Hashtags wie „#CosmeticSurgery“ wurden außen vor gelassen. Außerdem war bei einigen Usern, aufgrund der Anonymität bei Twitter, die Kategorisierung nicht eindeutig.

Hinweis:
Stefan Cano, Anne Klassen und Andrea Pusic haben den BODY-Q entwickelt.

Literatur
Bildnachweise