Skip to main content
main-content

12.02.2018 | Ästhetische Chirurgie | Nachrichten

Psyche & berufliche Umgebung

Tendieren Ärzte mit Burnout zu Schönheitsoperationen?

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Ein Burnout-Syndrom ist besonders unter Ärzten häufig verbreitet. Wie eine neue Studie jetzt herausfand, hat dies einen Einfluss darauf, ob sich Mediziner für einen kosmetischen Eingriff interessieren oder nicht.

Warum unterziehen sich Menschen Schönheitsoperationen? Die Antwort auf diese Frage ist multifaktoriell: Geschlecht und Bildungsstatus spielen dabei genauso eine Rolle wie das Verhältnis zu den Eltern, ein Single-Dasein, die Bekanntschaft mit einer Person, die bereits einen ästhetischen Eingriff hinter sich hat, und frühere Hänseleien [1-4].

Psychische Faktoren wie eine Dysmorphophobie und eine narzisstische Persönlichkeit sind ebenfalls nicht zu unterschätzen [1-4]. Der Frage, ob ein Burnout-Syndrom einen Einfluss auf die Tendenz zu kosmetischen Prozeduren hat, versuchten nun Panagiotis Milothridis und Kollegen in einer neuen Studie zu beantworten [5].

Ästhetische Eingriffe unter Medizinern beliebter

Da das Syndrom besonders häufig bei Berufen im Gesundheitswesen zu finden ist, untersuchten die Autoren zum einen 100 Ärzte, zum anderen 100 Menschen nichtmedizinischer Berufsgruppen. Die gesamte Studienpopulation umfasste 81 Männer und 119 Frauen im Alter zwischen 19 und 65 Jahren (mittleres Alter: 34 Jahre). Alle Probanden füllten einen Fragebogen aus, der neben demografischen Daten auch das Interesse an Schönheitsoperationen, minimalinvasiven Methoden (Botulinumtoxin und Filler) sowie speziellen Eingriffen wie beispielsweise einer Brustvergrößerung (Frauen) oder Haartransplantation (Männer) erfasste. Die Ärzte beantworteten zudem Fragen bezüglich möglicher Burnout-Symptome (Maslach burn-out inventory, MBI).

Die Ergebnisse: Frauen sind mehr an Schönheitsoperationen (p < 0,001), minimalinvasiven Methoden (p < 0,001), Liposuktion (p = 0,016) und Blepharoplastik  (p = 0,023) interessiert als Männer. Außerdem tendieren Ärzte mehr dazu, sich einem operativen Eingriff unterziehen zu lassen als Menschen in nicht-medizinischen Berufen (p = 0,035). Die Autoren führten dies auf die Arbeitsumgebung zurück: Denn Ärzte sind aufgrund ihres Berufes mehr an invasive Eingriffe „gewöhnt“ als andere.

Besonders die Liposuktion stand bei den Ärzten hoch im Kurs. Laut Autoren rührt dies daher, dass Mediziner, die selbst ungesund leben, eine Fettabsaugung sportlicher Aktivität und einer gesunden Ernährung vorziehen. Dies wirkt sich auch auf die Beratung ihrer Patienten aus [6]. Eine andere Erklärung ist die Suche nach schnellen Lösungen, wenn es um die eigene Körperformung geht – eine Fettabsaugung zeigt deutlich schnellere Ergebnisse als langwierige Fitnessprogramme.

Auch die Korrelation zwischen an einem Burnout erkrankten Ärzten und der Tendenz zu einer Schönheitsoperation war eindeutig (r = 0,53, p < 0,001). Die Autoren schlussfolgern daraus, dass die Erkrankung eine verzerrte Körperwahrnehmung und eine geringe Selbstachtung hervorruft – oder dass der kosmetische Eingriff einen Weg darstellt, die emotionale Erschöpfung und Depersonalisierung zu lindern. Psychologen und plastische Chirurgen sollten diese Erkenntnis bei ihrer Behandlung und Beratung  mit einbeziehen.

Literatur

Weiterführende Themen

Bildnachweise