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23.08.2018 | Acne vulgaris | Onlineartikel

Oft erst als Zweitlinienbehandlung

Hormonelle Therapie bei Akne: wann, warum, wie oft?

Autor:
Dr. Miriam Sonnet

Die hormonelle antiandrogene Therapie wird bei Aknepatientinnen teilweise als Erstlinientherapie empfohlen. Ob sie tatsächlich als solche zum Einsatz kommt, bzw. wann Ärzte auf Hormone bei der Therapie von Akne zurückgreifen, wurde jetzt in einer Studie evaluiert [1].

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Bei Frauen mit Akne besteht die Möglichkeit einer hormonellen antiandrogenen Therapie (HAAT). Selbst Patientinnen, die normale Hormonprofile aufweisen, können davon profitieren. Zur Behandlung verwenden Ärzte kombinierte orale Kontrazeptiva (COC), Spironolacton oder (weniger häufig) Östrogen und Flutamid. Nur wenig ist jedoch darüber bekannt, inwiefern und wann Dermatologen eine HAAT zur Therapie von Akne tatsächlich nutzen.

Die Autoren um Joyce H. Park [1] analysierten daher die Daten von 3996 Aknepatientinnen, die an der New York University (The Ronald O. Perelman Department of Dermatology, New York University Langone Health) behandelt worden waren. Davon hatten 672 (16,8%) eine HAAT (Spironolacton oder COC) bekommen. Eingeschlossen wurden Patientinnen, die eine HAAT während der Studie vom Studienzentrum erhielten. Diese umfassten:

  • sowohl Patientinnen, die eine HAAT schon vor Einschluss in die Studie bekamen und während der Studie fortsetzten (n = 329)

als auch

  • Frauen, die die HAAT erst mit dem Start der Studie am Studienzentrum begannen.

118 Frauen (17,6%) litten unter einer komedonalen Akne, bei 554 Patientinnen (82,4%) war die Erkrankung vom entzündlichen oder nodulozystischen Typ. 411 Probandinnen (61,2%) waren COC verschrieben worden, 197 Patientinnen (29,3%) nutzten Spironolacton und 64 Frauen (9,5%) bekamen sowohl COC als auch Spironolacton (entweder zur selben Zeit oder in unterschiedlichen Behandlungszeiträumen).

Zuerst Antibiotika, dann HAAT

Am häufigsten stoppten die Patientinnen die Therapie aufgrund eines Kinderwunschs. Weitere Gründe waren Nebenwirkungen wie Migräne und Gewichtszunahme oder auch der Wechsel auf eine andere Verhütungsmethode. Die Spironolactontherapie wurde unter anderem wegen Zyklusstörungen, Spannungen in den Brüsten und Kopfschmerzen beendet. Auch hier war ein Kinderwunsch der häufigste Grund für einen Abbruch.

Die Autoren evaluierten bei Patientinnen, die die HAAT am Studienzentrum begannen, die Reihenfolge der systemischen Aknetherapie. 38,8% der Patientinnen hatten zuerst Antibiotika erhalten, nur 12% der Frauen waren zuerst COCs verschrieben worden. Bei 21% kam zuerst Spironolacton zum Einsatz. Erst nach zwei Therapielinien wurden die COC häufiger als Antibiotika verschrieben. Denselben Trend gab es, wenn die Autoren die Daten zur Reihenfolge der systemischen Therapien nach den jeweiligen Aknetypen auswerteten – mit einer Ausnahme: Patientinnen mit komedonaler Akne erhielten schon in der zweiten Therapielinie häufiger COC als Antibiotika.

Im Schnitt nahmen die Frauen, die eine HAAT zu Beginn der Studie gestartet hatten, 250,4 Tage Antibiotika ein. Dies war deutlich mehr als Patientinnen, die eine HAAT schon vor dem Studienbeginn versucht hatten: Hier betrug die mittlere Dauer der Antibiotikaeinnahme nur 192 Tage (p = 0,021). Betrachteten die Autoren die Gesamtpopulation, war der Antibiotikagebrauch bei Patientinnen mit HAAT geringer als der bei Frauen ohne HAAT (225,5 Tage vs. 302,6 Tage, p = 0,09).

Fazit

Eine HAAT reduziert die Dauer der Antibiotikatherapie bei Akne und kann daher eine sinnvolle Behandlungsalternative darstellen. Obwohl laut Autoren schon viele Experten eine HAAT als Erstlinientherapie empfehlen, wurde sie in der Studie vermehrt als Zweit- und Drittlinientherapie genutzt.

Das Wichtigste in  Kürze

Frage: Wann wird eine hormonelle antiandrogene Therapie (HAAT) bei Akne eingesetzt?

Antwort: Eine HAAT wird von Ärzten oft als Zweitlinien- oder Drittlinienbehandlung bei Akne verschrieben. Sie reduziert dabei deutlich die Dauer einer Antibiotikaeinnahme.

Bedeutung: Eine HAAT kann eine sinnvolle Alternative zur antibiotischen Therapie von Akne sein, gerade im Hinblick auf eine Reduzierung des Antibiotikagebrauchs.

Einschränkungen:  Die Studie war auf nur ein Zentrum beschränkt. Da es sich um eine retrospektive Untersuchung handelte, könnten möglicherweise Dokumentationen von Patientinnen unvollständig gewesen sein. Auch waren die HAAT- und Kontrollgruppen unterschiedlich: So gab es in der HAAT-Gruppe eine etwa dreimal höhere Anzahl an komedonalen Aknepatientinnen.

Literatur

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