Skip to main content
main-content

20.03.2018 | Acne vulgaris | Nachrichten

Literaturübersicht

Was leisten Säure, Laser & Microneedling bei Akne?

Autor:
Dr. Elke Oberhofer

Niederländische Forscher haben die aktuelle Datenlage zur Wirksamkeit nichtmedikamentöser Maßnahmen zur Behandlung der Akne vulgaris gesichtet. Um die einzelnen Verfahren richtig bewerten zu können, mangelt es den Studien jedoch überwiegend an Qualität. 

Für die Therapie der Akne vulgaris empfehlen internationale Leitlinien in erster Linie medikamentöse Maßnahmen, je nach Form und Schweregrad topische Retinoide, topische bzw. orale Antibiotika, Benzoylperoxid sowie Azelainsäure, jeweils allein oder kombiniert, bei Frauen ggf. auch ein orales Kontrazeptivum (die deutsche AWMF-Leitlinie zur Behandlung der Akne wird derzeit überarbeitet).

Nichtmedikamentöse Strategien wie Laser- und Lichttherapien, Chemical Peeling oder Mikroneedling werden gegenwärtig angesichts der schwachen Datenlage deutlich nachrangig empfohlen. Inwieweit man mit solchen Maßnahmen auf die diversen Hauteffloreszenzen bei Akne vulgaris Einfluss nehmen kann, hat ein Forscherteam aus Utrecht nun in einer umfassenden Literaturübersicht untersucht.

33 Studien gesichtet

Die Gruppe um Femke de Vries aus der HU Universität für Angewandte Wissenschaften hat sich dazu 33 Studien vorgenommen, in denen die jeweilige nichtpharmakologische Maßnahme entweder im Vergleich mit einer Kontrollgruppe, im Seitenvergleich an jeweils einer Person oder im Vergleich mit anderen Strategien getestet worden war. Probleme bereitete dabei die hohe Heterogenität der Studien, die die Durchführung einer Metaanalyse unmöglich machte. Die Forscher beschränkten sich daher auf eine Best-Evidence-Synthese.

Starke Evidenz für Glykolsäure-Peeling

Zum chemischen Peeling liegen insgesamt elf Studien vor. Starke Evidenz für Wirksamkeit zeigte sich lediglich für Glykolsäure in einer Konzentration von 10% bzw. 40%. Die Grundlage hierfür bilden zwei randomisierte placebokontrollierte Studien. In einer weiteren Studie wurde Lipohydroxysäure (0,3%) mit Benzoylperoxid verglichen; die beiden Maßnahmen erwiesen sich als nahezu gleich effektiv.

Für die Wirksamkeit eines Aminofruchtsäure-Peelings in Konzentrationen zwischen 20% und 60% fand sich in der Zusammenschau mittlere Evidenz.

In der Mehrzahl der Studien zum chemischen Peeling hatte man jeweils zwei verschiedene Peeling-Methoden einander gegenübergestellt; dabei war nach de Vries et al. letztlich keine Substanz den anderen maßgeblich überlegen, mit Ausnahme von Salizylsäure, die bei nichtentzündlichen Läsionen in zwei Studien signifikant besser wirkte als eine Jessner-Lösung. Die Qualität der beiden Studien ließ nach de Vries und Kollegen jedoch zu wünschen übrig. „Im Allgemeinen“, so die Verfasser des Reviews, „wurde das Peeling gut toleriert“. Nebenwirkungen wie Rötungen, Ödembildung, Hauttrockenheit, Juckreiz und Brennen waren demzufolge von leichter Ausprägung und verschwanden nach kurzer Zeit wieder.  

Randomisierte Studien zu IPL- und Diodenlaser

Insgesamt mittlere Evidenz für Wirksamkeit bescheinigen die Autoren dem IPL-Laser (Intense Pulsed Light) mit Wellenlängen zwischen 530 und 1200 nm und dem Diodenlaser mit 1450 nm. Behandlungen mit dem IPL-Laser führten zumindest in einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) zu einer signifikanten Reduktion der Anzahl an Papeln, Pusteln und Komedonen in der IPL-Gruppe im Vergleich zu Kontrollpatienten. Zum Diodenlaser liegt eine qualitativ hochwertige RCT vor; darin besserte sich das Hautbild bei Patienten mit entzündlicher Akne signifikant.

Pulsed-Dye-Laser mit widersprüchlichen Ergebnissen

Widersprüchliche Resultate lieferten die untersuchten Studien zur PDL-Therapie (Pulsed Dye Laser). Dies erklären de Vries und ihr Team mit den unterschiedlichen Geräten und Settings, die in den Studien zum Einsatz kamen. In mehreren Vergleichsstudien, in denen jeweils eine Laser- oder Lichttherapie einer pharmakologischen Strategie gegenübergestellt wurde, gab es offenbar keine Hinweise auf die Überlegenheit irgendeines Konzeptes.

Kaum belastbare Daten zum Microneedling

Zum Thema Microneedling wurden insgesamt nur zwei Studien ausgewertet, beides RCTs mit Seitenvergleich. In der einen ergab sich eine signifikante Reduktion sowohl entzündlicher als auch nicht entzündlicher Akne-Effloreszenzen, in der anderen wurde die Zahl der Papeln und Pusteln gegenüber Therapiebeginn „substanziell“ reduziert. Die Nebenwirkungen beschränkten sich auf leichte, vorübergehende Rötungen und Schwellungen sowie leichte Schmerzen. Beide Studien waren den Review-Autoren zufolge „von suboptimaler Qualität“.

Insbesondere Studien, die keine Placebogruppe beinhalteten und in denen lediglich der Unterschied zur Ausgangssituation bewertet wurde, müsse man kritisch sehen, so de Vries und Kollegen: Die beobachtete Besserung der Akne könnte gut auch auf hormonelle Veränderungen zurückzuführen sein.

Der Mehrzahl der Studien mangelte es zudem an der erforderlichen Teststärke, kritisieren die Autoren weiter: So wiesen nur zwei mehr als 100 Teilnehmer auf.

Insgesamt spiegelten jedoch die große Zahl der Studien zum Thema und auch die nach Einschätzung der Experten häufigen Praxisanwendungen „großes Interesse und einen offenbar dringenden Bedarf an nichtpharmakologischen Behandlungsstrategien“ wider. Umso wichtiger sei es, qualitativ hochwertige, doppelblinde und placebokontrollierte Studien aufzulegen, um den wahren Zusatznutzen dieser Verfahren einschätzen zu können, lautet das Fazit der Autoren.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welchen Nutzen haben nichtpharmakologische Verfahren in der Therapie der Akne vulgaris?

Antwort: Die große Heterogenität der vorhandenen Studien macht eine abschließende Bewertung unmöglich.

Bedeutung: Angesichts des großen Interesses an nichtmedikamentösen Strategien zur Behandlung der Akne bedarf es dringend qualitativ hochwertiger Studien.


Literatur

Weiterführende Themen

Bildnachweise