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18.04.2016 | Acne inversa | Nachrichten

Liegt es an der Entzündung?

Hidradenitis suppurativa geht aufs Herz

Autor:
Dr. Beate Schumacher

Patienten mit Hidradenitis suppurativa/Akne inversa haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Dänische Ärzte haben dieses Risiko jetzt in Zahlen gefasst.

Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod treten bei Patienten mit Hidradenitis suppurativa/Akne inversa (HS/AI) nicht nur deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Die Ereignisraten sind auch mindestens so hoch wie bei Patienten mit schwerer Psoriasis. Darauf machen Ärzte um Alexander Egeberg von der Universität Kopenhagen aufmerksam. Sie haben den Zusammenhang anhand einer Fall-Kontroll-Studie mit 5964 HS/AI-Patienten analysiert.

Den Patienten – mittleres Alter 37 Jahre, 73% Frauen – waren im Verhältnis 1:5 Kontrollpersonen aus der dänischen Bevölkerung ohne HS/AI (n = 29.404) gegenübergestellt worden. Keiner der Teilnehmer hatte einen Myokardinfarkt oder einen Schlaganfall in der Anamnese.

Mehr kardiovaskuläre Todesfälle als bei schwerer Psoriasis

Während der mittleren Nachbeobachtungszeit von sieben Jahren wurden in der Gesamtgruppe 200 Herzinfarkte, 282 ischämische Schlaganfälle und 800 Todesfälle, davon 183 mit kardiovaskulärer Ursache, dokumentiert. Jedes dieser Ereignisse trat in der HS/AI-Gruppe signifikant häufiger auf als in der Referenzgruppe. Auch wenn andere Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchverhalten, Begleiterkrankungen, Medikation und sozioökonomischer Status berücksichtigt wurden, waren in der HS/AI-Gruppe signifikante Steigerungen der Herzinfarkte um 57%, der Schlaganfälle um 33%, der kardiovaskulären Todesfälle um 95% und der Todesfälle überhaupt um 35% zu verzeichnen.

Der zusätzliche Vergleich der HS/AI-Patienten mit 13.093 Patienten mit schwerer Psoriasis (definiert durch eine systemische Psoriasistherapie) ergab vergleichbare Inzidenzraten für Herzinfarkt, Apoplex und Tod. Bei der kardiovaskulären Mortalität schnitten allerdings die HS/AI-Patienten nochmals schlechter ab, mit einer um 58% höheren Inzidenz. Die kardiovaskuläre Gefährdung von Psoriasispatienten ist bekannt; laut Egeberg und Kollegen ist sie ähnlich hoch wie bei Diabetespatienten.

Chronische Entzündung plus Lebensstil-Risikofaktoren

„Die Ergebnisse sind eine Aufforderung, dem Zusammenhang zwischen HS/AI und kardiovaskulärem Risiko noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen“, so die dänischen Ärzte.  Sie gehen davon aus, dass die Entzündung bei HS/AI bei der Entstehung der atherosklerotischen Komplikationen eine wichtige Rolle spielt. Die inflammatorischen Prozesse sind nicht lokal beschränkt, sondern lassen sich auch systemisch nachweisen, z. B. durch erhöhte Blutspiegel von Tumornekrosefaktor, Leukozyten und CRP. „Die Beobachtung einer schlechteren kardiovaskulären Prognose bei diesen Patienten deckt sich mit den Befunden bei anderen Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen“, so Egeberg und Kollegen. Sie weisen außerdem darauf hin, dass viele HS/AI-Patienten aufgrund von etablierten Risikofaktoren wie Rauchen, Adipositas, metabolischem Syndrom und Diabetes Kandidaten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind.

Literatur